Merkel fordert mehr Anstrengungen bei Integration von Ausländern
Berlin (Reuters) - Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mehr Anstrengungen in Politik und Wirtschaft bei der Integration von Ausländern gefordert.
"Deutschland kann das Potenzial, was in den Zuwanderern liegt auf gar keinen Fall brachliegen lassen", sagte Merkel am Montag auf einem ymposium in Berlin. Die Kanzlerin räumte angesichts einer aktuellen Untersuchung zur Integration von Ausländern Defizite ein. Zwar seien etliche Schritte zu einer besseren Eingliederung erreicht. "Wer aber so tut, als sei schon alles gelöst, der lügt sich natürlich in die Tasche", sagte die Kanzlerin.
Fast 20 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen sind nach Angaben des "Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung" Zuwanderer oder deren Kinder. Am schlechtesten integriert seien die mittlerweile 2,8 Millionen türkischstämmigen Bürger, ermittelte das Institut in einer am Wochenende bekannt gewordenen Studie. Als Hauptursache nannten die Sozialforscher die schlechte Ausbildung dieser Gruppe.
Merkel sagte, auch sie sei über die Ergebnisse der Studie zunächst erschrocken gewesen. Notwendig seien vor allem weitere Anstrengungen im Bildungsbereich. Angesichts des Rückgangs der deutschstämmigen Bevölkerung, müssten Kinder aus Einwandererfamilien die gleichen Chancen haben wie alle anderen Kinder. Mittlerweile stamme jedes dritte neugeborene Kind aus einer Zuwandererfamilie. Auch ihre eigene Partei habe sich lange Zeit vorgemacht, dass die ursprünglich als "Gastarbeiter" bezeichneten Zuwanderer lediglich vorübergehend in Deutschland zu Gast seien, sagte die CDU-Vorsitzende.
Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), nannte die Ergebnisse der Studie dramatisch. Vor allem bei türkischen Zuwanderern müsse mehr für deren Bildung getan werden. Sie wies darauf hin, dass die Untersuchung auf Daten von 2005 beruhe.
Am besten integriert sieht das Berlin-Institut deutschstämmige Aussiedler aus Osteuropa - mit vier Millionen die größte Zuwanderergruppe. Nur drei Prozent sind ohne Schulabschluss, mehr als ein Viertel hat das Abitur. Von den türkischstämmigen Bürgern haben dagegen 30 Prozent keinen Schulabschluss und lediglich 14 Prozent das Abitur - weniger als andere Zuwanderergruppen und nicht einmal halb so viele wie in der deutschen Bevölkerung. Obgleich fast die Hälfte der Türkischstämmigen in Deutschland geboren sei, habe dies die Schulbildung dieser Gruppe kaum verbessert, so das Institut.
Quelle: Reuters (26. Januar 2009)
Themen: Berlin , Germany , Cdu , Western Europe , Europe , German General News , Domestic Politics , Central And Eastern Europe , Angela Merkel , Integration Von Ausländern
Erschienen 26. Januar 2009 bei http://www.reuters.com.
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