Merkel: Flexible Arbeitzeiten helfen bei Frauenkarrieren

Berlin (Reuters) - Bundesregierung, Wirtschaft und Gewerkschaften haben sich mit der Unterzeichnung einer Charta zur Schaffung flexibler, familienbewusster Arbeitszeiten bekannt.

"Mit dieser Erklärung rufen wir alle Akteure dazu auf, die Chance familienbewusster Arbeitszeiten und innovativer Arbeitszeitmodelle im Interesse des Wirtschaftsstandortes Deutschland aktiv zu nutzen", heißt es in der am Dienstag in Berlin unterzeichnete Erklärung. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, Fortschritte hierbei seien auch ein Schlüssel, um mehr Frauen in Führungspositionen der Unternehmen zu bringen. Dass sie dort so rar sind, sei "ein ziemlicher Skandal". Dennoch will Merkel der Wirtschaft "noch eine Chance geben" und zudem persönlich bei den Firmenchefs für dieses Anliegen werben.

Die Kanzlerin bekräftigte damit, dass sie anders als Arbeitsministerin Ursula von der Leyen derzeit keinen Anlass für eine gesetzliche Frauenquote sieht. Merkel verwies auf den Stufenplan von Familienministerin Kristina Schröder, die den Weg einer Selbstverpflichtung der Wirtschaft für mehr Frauen in Spitzenpositionen favorisiert.

Merkel sprach von der Möglichkeit, dass es neben einem Treffen von Schröder und Ministerkollegen mit Arbeitsdirektoren auch noch ein Gespräch mit Firmenchefs zu dem Thema geben könnte. "Ich nehme mich der Sache auch gerne persönlich an", sagte sie. Zugleich drängte sie die Unternehmen: "Je schneller sie kreativ sind, umso weniger müssen wir kreativ werden."

MERKEL: FRAUENFÖRDERUNG ÜBER ARBEITSZEITMODELLE ZWINGEND

"Die Unterschrift unter die Charta ist für mich ein hoffnungsvolles, ein gutes Zeichen, ein wichtiger Schritt", würdigte die Kanzlerin die Erklärung von Politik, Verbänden und Gewerkschaften. Angesichts der demografischen Probleme und des wachsenden Fachkräftemangels seien familienfreundliche Arbeitszeiten zwingend und nicht nur Frauen-, sondern auch Männersache. "Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist eine Zukunftsfrage", unterstrich die CDU-Chefin.

Nach der Charta sollen unter anderem bis 2013 die Bedingungen geschaffen sein, dass Familien "bedarfsgerecht dauerhafte und verlässliche Betreuungsmöglichkeiten" für ihre Kinder haben.

Familienministerin Schröder forderte auch ein Umdenken in den Unternehmen. Es bedürfe einer Kultur des Respekts vor familiärer Verantwortung. Beim Thema Arbeitszeit könne mit einer Vielzahl von flexiblen Modellen zwischen Teilzeit und Vollzeit die Chance verbessert werden, dass Frauen und Männer Beruf und Familie besser vereinbaren können. Die Präsenzkultur, die festsitzende Überzeugung, dass der beste Mitarbeiter derjenige sei, der lange am Schreibtisch sitze, müssen abgelegt werden.



Quelle: Reuters (8. Februar 2011)

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Themen: Berlin , Germany , Western Europe , Europe , Angela Merkel , German Language - General , Government / Politics , Central/eastern Europe , German Language - Money , Economic Events / Macroeconomics , Labour / Personnel

Erschienen 8. Februar 2011 bei http://www.reuters.com.

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