Bundesbank distanziert sich von Sarrazin - Entscheidung vertagt
Reuters | 30. August 2010 — Frankfurt (Reuters) - Die Bundesbank hat sich von ihrem wegen Äußerungen über Ausländer und Juden in die Kritik geratenen Vor…
Berlin (Reuters) - Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht den Ruf der Bundesbank durch die Affäre um den mittlerweile suspendierten Bankvorstand Thilo Sarrazin nicht beschädigt.
Der Vorstand der Bundesbank habe die Entscheidung für einen Antrag auf Abberufung Sarrazins einmütig und wie stets in vollständiger Unabhängigkeit getroffen, sagte Merkel der "Bild am Sonntag". "Bei dieser Unabhängigkeit, auf der das weltweite Ansehen unserer Zentralbank beruht, bleibt es auch in Zukunft." Es sei nun wichtig, dass bei der Bundesbank Ruhe einkehre, damit sie sich ganz ihren wichtigen Aufgaben widmen könne. Sarrazin ist wegen seiner Äußerungen über Zuwanderer und Juden ins Kreuzfeuer der Kritik geraten.
Der Zeitung zufolge hatte Sarrazin am 16. August alle anderen Mitglieder des Bundesbank-Vorstands schriftlich von der geplanten Veröffentlichung seines umstrittenen Migrations-Buches unterrichtet. Doch weder Bundesbank-Präsident Axel Weber noch ein anderes Vorstandsmitglied habe auf diese Information reagiert oder sich nach dem Inhalt des Buches erkundigt. Die Bundesbank begründet den angestrebten Rauswurf Sarrazins einem Bericht des "Spiegel" zufolge allerdings nicht nur mit seinem umstrittenen Buch zur Zuwanderung, sondern mit seinem gesamten öffentlichen Gebaren seit 2009. In einem juristischen Gutachten hätten die Juristen der Zentralbank alle Interview-Äußerungen aufgelistet, mit denen Sarrazin gegen die Haltung der Notenbank verstoßen habe. Das Gutachten komme zu dem Schluss, dass Sarrazin für den Rest seiner Amtszeit bis 2014 nicht mehr die Einsicht aufbringen könne, dass sein derzeitiges Vorgehen die Bundesbank belaste, schrieb das Magazin.
Erschienen 5. September 2010 bei http://www.reuters.com.
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