Staat und Kirche wollen bei Missbrauchsskandal eng kooperieren
Reuters | 15. April 2010 — Berlin (Reuters) - Bundesregierung und katholische Kirche wollen bei der Aufklärung der Missbrauchsfälle eng zusammenarbeiten. …
Berlin/Freiburg (Reuters) - Bundeskanzlerin Angela Merkel bezieht keine Position im Streit zwischen der katholischen Kirche und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger über den Umgang mit Missbrauchsfällen.
"Ich gebe dazu keine Bewertung ab", sagte Regierungssprecher Wilhelm Ulrich am Mittwoch in Berlin auf die Frage, ob Merkel die Kritik der FDP-Politikerin teile. Die Ministerin hatte am Vortag der Kirche vorgeworfen, bei Verdachtsfällen von Kindesmissbrauch nicht konstruktiv mit der Staatsanwaltschaft zusammenzuarbeiten.
Merkel habe am Dienstagabend sowohl mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, als auch mit Leutheusser-Schnarrenberger telefoniert, sagte der Regierungssprecher. Die Bundeskanzlerin habe keine Zweifel, dass die Bischöfe das Thema ernsthaft bearbeiten würden. Allen an der Diskussion Beteiligten gehe es um die Opfer. Es werde ein Gespräch zwischen dem Erzbischof und der Justizministerin gegeben.
Leutheusser-Schnarrenberger bekräftigte am Mittwoch ihre Kritik an den Richtlinien der Kirche zum Umgang mit sexuellen Missbrauch. Es reiche nicht aus, erst bei erwiesenem Missbrauch die Staatsanwaltschaft einzuschalten. Dies müsse bereits in Verdachtsfällen geschehen, sagte die FDP-Politikerin dem Deutschlandradio Kultur.
In Freiburg erklärte Erzbischof Zollitsch am Rande der Bischofskonferenz, es sei nach wie vor ein schwerwiegender Vorfall, dass die Ministerin die Rechtstreue der katholischen Kirche in Zweifel gezogen habe. Er sei aber bereit zu einem Gespräch mit Leutheusser-Schnarrenberger. Über das Telefonat mit Merkel sei Stillschweigen vereinbart worden.
In den vergangenen Wochen sind über 100 von Missbrauchs-Verdachtsfällen in katholischen Einrichtungen bekanntgeworden. Zollitsch hatte sich deswegen im Namen der katholischen Kirche in Deutschland entschuldigt und unter anderem angekündigt, die Vorschriften zum Umgang mit Missbrauchsfällen sollten überprüft werden.
Erschienen 24. Februar 2010 bei http://www.reuters.com.
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