Meine letzte Sitzungsvertretung
am 15.01.2008 von http://chrisblog.de
Meine letzte Sitzungsvertretung
In diesem Leben werde ich nicht mehr in Robe vor Gericht stehen und die Staatsanwaltschaft vertreten. Heute war mein letztes Mal, doch dieses hatte es in sich!
Alles begann ganz harmlos: nur eine Akte, ergo nur ein Sache. Diese entpuppte sich dann auch noch als öde und endete mit einer Vertagung, wobei ich zum nächsten Termin Urlaub habe und also ein Kollege für mich einspringen muss, obwohl eigentlich derjenige Staatsanwalt zum Fortsetzungstermin geht, der auch beim ersten Termin dabei war.
Doch dann, ich war geistig schon zu Hause, erfuhr ich von dem Richter und der Protokollführerin, dass eine weitere Sache im selben Saal stattfinden würde. Ach so!? Davon hatte mir irgendwie keiner was gesagt. Aus guten Grund: Bei der Staatsanwaltschaft wusste es niemand. Der Richter half mir freundlicherweise, die Akte aufzuspüren. Und als ich diese endlich in Händen hielt, hatte ich noch etwa 90 Minuten.
90 Minuten für das Studium einer Handakte und die Vorbereitung auf die Verhandlung, das klingt sicher viel. Ist es auch, zumindest wenn man an seinem Schreibtisch sitzt. Ich hingegen irrte erst einmal eine halbe Ewigkeit durch das Amtsgericht, bis ich den zuständigen Richter gefunden hatte, bei dem ich mich kurz vorstellen wollte. Denn der Richter, der sich aus der Akte ergab, ist mittlerweile kein Richter mehr, und der, den mir die Wachtmeisterei nannte, versicherte, nicht zuständig zu sein. Als ich den Richter am Ende gefunden hatte, entpuppte er sich als Frau, kaum älter als ich, nicht unbedingt hässlich, dafür freundlich und mit dem weit verbreiteten Verständnis …
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