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Mehr als 1.000 Zuschauer wollten Prozessauftakt sehen

am 04.09.2006 von http://www.strafblog.de

Mehr als 1.000 Zuschauer waren laut rp-online gekommen, um den Prozessauftakt gegen Japans einstiges Internetwunderkind Takafumi Horie (33) mitzuerleben, dem unter anderem Bilanzfälschung zur Last gelegt wird. Allerdings bietet der Gerichtssaal nur 61 Zuschauern Platz, so dass die meisten unverrichteter Dinge wieder abziehen mussten. Horie war bis zum Anfang dieses Jahres mit seinem Konzern Livedoor der Liebling der Börsianer in Japan und galt als eine Art Wunderkind modernen Unternehmertums. Mit zahlreichen Medienauftritten hatte er seine Internetplattform bekannt gemacht und binnen kurzer Zeit rund 220.000 Aktionäre gewonnen. Unter anderem hatte er versucht, einen zur Fuji-Gruppe gehörenden Radiosender zu übernehmen und mit Billigung des damaligen japaniscen Premierministers als Abgeordneter ins Parlament gewählt zu werden. Am Jahresanfang war die Livedoor-Aktie rapide eingebrochen, nachdem bekannt geworden war, dass das Unternehmen nicht den Bilanzmäßig ausgeworfenen Gewinn vor Steuern von fünf Milliarden Yen (33 Millionen Euro) sonder tatsächlich Verluste in Höhe von 310 Millionen Yen (zwei Millionen Euro) gemacht habe. Die Börse in Tokio musste erstmals in ihrer Geschichte vorübergehend schließen, weil ihre Computer dem Ansturm der verkaufswilligen Aktionäre nicht gewachsen waren.

Horie hat sich zu Beginn des Verfahrens als unschuldig und die Anklage als bedauerlich bezeichnet. Weder seien Bilanzen gefälscht noch Aktienpreise überteuert gewesen. 4 ehemalige Manager des Unternehmens hatten dem gegenüber bereits Bilanzbetrug zugegeben. Im Falle einer Verurteilung drohen Horie bis zu 5 Jahre Haft.

Autor: RA Rainer Pohlen

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