Medien: Zwei deutsche Journalisten im Iran festgenommen

Teheran/Berlin (Reuters) - Im Iran sind Medienberichten zufolge deutsche Journalisten festgenommen worden.

Es handle sich um Mitarbeiter der "Bild am Sonntag", berichtete der britische "Guardian" am Montag. Die staatliche Nachrichtenagentur Irna zitierte den iranischen Generalstaatsanwalt Cholamhossein Mohseni-Edschei mit den Worten, es seien zwei Ausländer festgenommen worden, die sich als Journalisten ausgegeben hätten. Die Behörden hätten Informationen, wonach die beiden ein Interview mit der Familie von Sakineh Mohammadi Aschtiani planten. Aschtiani war wegen Ehebruchs zum Tod durch Steinigung verurteilt worden. Nach internationaler Kritik war die Strafe ausgesetzt worden.

Der Axel-Springer-Verlag erklärte in Berlin, ihm sei nichts über eine Verhaftung von Mitarbeitern bekannt.

Die beiden Festgenommenen seien als Touristen in den Iran eingereist und hätten Aschtianis Sohn interviewt, zitierte Irna den iranischen Generalstaatsanwalt. Die iranische Justiz beschuldigt Aschtiani des Ehebruchs und der Verwicklung in die Ermordung ihres Mannes. Ehebruch ist nach Angaben von Experten das einzige Verbrechen, das nach der Scharia, dem islamischen Recht, mit Tod durch Steinigung bestraft wird. Die Todesstrafe für Mord wird durch Erhängen vollzogen.

Die Organisation "Internationales Komitee gegen die Steinigung" erklärte auf ihrer Internetseite, die beiden Deutschen - ein Reporter und ein Fotograf - seien zusammen mit Aschtianis Sohn und ihrem Anwalt festgenommen worden. Der Zugriff sei bei einer Razzia am Sonntag im Büro des Anwalts geschehen. "Ich telefonierte während des Interviews mit einem der Journalisten, als offenbar eine Gruppe von Beamten plötzlich ins Büro stürmte und unser Gespräch sofort unterbrochen wurde", sagte Mina Ahadi von dem Komitee dem "Guardian".

Der Deutsche Journalistenverband forderte die sofortige Freilassung der beiden deutschen Reporter. Die iranische Justiz behaupte, bei den Festgenommenen handle es sich nicht um Journalisten, weil sie nicht akkreditiert gewesen seien. Dies sei ein "Vorwand, um kritische Berichterstattung über Menschenrechtsverletzungen im Iran zu unterbinden", kritisierte DJV-Chef Michael Konken.



Quelle: Reuters (11. Oktober 2010)

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Themen: Verbrechen , Berlin , Germany , Mord , Western Europe , Europe , Iran , Guardian , Teheran , Razzia , Middle East , German Language - General , Government / Politics , Diplomacy / Foreign Policy , Media / Publishing

Erschienen 11. Oktober 2010 bei http://www.reuters.com.

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