Frikadellen isst man ohne Teig: Ist das das Ende der Maultaschen?
Betriebsrat Blog | 31. März 2010 — Fristlos gekündigt, weil man ein paar Maultaschen von der Arbeit mit nach Hause genommen hat? Maultaschen, die sowieso weggesch…
Die “Maultaschen”-Entscheidung ist in aller Munde: Eine Altenpflegerin nahm während der Arbeit sechs beim Essen übrig gebliebene Maultaschen mit nach Hause, anstatt sie anweisungsgemäß zu entsorgen. Dafür erhielt sie die fristlose Kündigung. Während das Arbeitsgericht Radolfszell an der Rechtmäßigkeit der Kündigung erstinstanzlich nicht zweifelte, kam es vor dem Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg nun zu einer überraschenden Wende: Das Gericht schlug den Parteien einen Vergleich vor. Begründung: Der Diebstahl selbst sei zwar unbestritten, es hätte hier jedoch eine vorherige Abmahnung erfolgen müssen. Der Betriebsrat Blog sprach mit Christoph Tillmanns, Vorsitzender Richter am Landesarbeitsgericht über den Sinn einer gesetzlichen Abmahnpflicht sowie die Flut sog. Bagatellkündigungen.
Brötchenklau, Emmely, Handystrom und jetzt Maultaschen: Als Reaktion auf die vielen populär gewordenen arbeitsrechtlichen Kündigungsfälle haben nun auch Bündnis 90/Die Grünen als letzte Oppositionspartei nach SPD und den Linken eine gesetzliche Abmahnpflicht bei sog. Bagatellvergehen gefordert. Ist das aus Ihrer Sicht sinnvoll?
Christoph Tillmanns: Nein, das hilft nicht weiter, sondern es verlagert das Problem nur auf die Frage, was denn eine Bagatelle ist. Und das wiederum hängt vom Einzelfall ab und lässt sich auch nicht allein über den Wert definieren. So ist es sicherlich keine Bagatelle, wenn ein Pfleger einem behinderten Menschen 2 Euro aus der Geldbörse stiehlt, obwohl der Betrag an sich geringfügig ist. Wir haben im Kündigungsrecht, vor allem bei der fristlosen Kündigung durch die vom Gesetz vorgeschriebene Interessenabwägung ausreichenden Wertungsspielraum, um diesen Fällen gerecht zu werden. Wichtig ist, dass diese Interessenabwägung sorgfältig durchgeführt wird und dass bedacht wird, dass es keine „Automatik“ gibt, etwa „wer klaut fliegt raus“. Wer klaut, fliegt zwar meistens zu Recht raus, aber es gibt eben auch Einzelfälle, in denen die Kündigung wegen der besonderen Umstände des Einzelfalles doch nicht gerechtfertigt ist – dass entspricht auch der bisherigen Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts.
Wie konnte es überhaupt zu dieser Flut von Bagatellkündigungen kommen, über die seit einiger Zeit so intensiv berichtet wird? Gab es denn solche Fälle vorher nicht? Ist die Wirtschaftskrise daran schuld?
Christoph Tillmanns: Solche Fälle gab es immer schon und sie sind für die Arbeitsgerichte nichts Neues: die Kassiererin im Einzelhandel, die sich beim Testkauf nicht korrekt verhält, der Außendienstler, der die Spesen nicht korrekt abrechnet – davon kann jeder Arbeitsrichter berichten. Nur sind diese Fälle, wohl ausgelöst durch den Fal…
» Vollständiger ArtikelErschienen 6. April 2010 auf http://blog.betriebsrat.de.
Betriebsrat Blog | 31. März 2010 — Fristlos gekündigt, weil man ein paar Maultaschen von der Arbeit mit nach Hause genommen hat? Maultaschen, die sowieso weggesch…
JuracityBlog | 17. Oktober 2009 — Wegen 6 Maultaschen soll eine 58jährige Altenpflegerin nach 17 Jahren ihren Job verlieren. Das ist jedenfalls die Meinung des …
JuracityBlog | 31. März 2010 — In dem Berufungsverfahren zum viel diskutierten Skandal-Urteil im Maultaschen-Fall haben die Parteien im Verhandlungstermin nac…
Reuters | 30. März 2010 — Stuttgart (Reuters) - Die umstrittene Entlassung einer Altenpflegerin wegen der Unterschlagung von Maultaschen am Arbeitsplatz …
www.rechtsklarheit.de | 11. November 2009 — Der Vermieter begeht eine schuldhafte Vertragsverletzung, wenn er dem Mieter kündigt und er hätte erkennen können,…
reuter-arbeitsrecht.de | 30. März 2010 — Nachtrag - hätte ich gewettet, hätte ich gewonnen (siehe den Beitrag von heute früh (Maultasche Ex oder Maultasche Hopp) : …
reuter-arbeitsrecht.de | 20. Oktober 2011 — Vielleicht sind manche Fälle auch nur durch die Presseberichterstattung so interessant (hier die Badische Zeitung). Sei es drum…
WK LEGAL Online Blog | 2. Dezember 2011 — Seit dem sog. Bienenstichfall (BAG Urteil vom 17.05.1984, Az.: 2 AZR 3/83) müssen Arbeitsgerichte in regelmäßigen Abständen übe…
Juraexamen.info | 20. Oktober 2009 — Kündigungen wegen Bagatelldelikten haben in der letzten Zeit immer wieder für Schlagzeilen gesorgt: Einem Arbeitnehmer wurde ge…
Conle§i | 5. Mai 2010 — Bagatellkündigung- “Maultaschenfall” Sechs übriggeblieben Maultaschen, die ansonsten im Müll entsorgt worden wären, hatte ein…