Massive Störungen im Bahnverkehr durch Lokführerstreik

Berlin (Reuters) - Der Streik der Lokführer hat am Donnerstagmorgen bundesweit nach dem Güter- auch den Personenverkehr massiv beeinträchtigt.

Der gesamte Personenverkehr der Deutschen Bahn werde seit 4.00 Uhr bestreikt, teilte das Unternehmen mit. Stark betroffen waren demnach die S-Bahnen in Berlin, Hannover, München, Nürnberg und Stuttgart sowie die S-Bahn Rhein/Neckar. Auch im Regionalverkehr kam es im ganzen Land zu Behinderungen. Der am Morgen angelaufene Fernverkehr war ebenfalls stark eingeschränkt, wie die Bahn mitteilte. Selbst nach Ende der Ausstands müssten sich Bahnreisende noch bis in den Abend auf Behinderungen einstellen, da die betroffenen Züge erst nach einigen Stunden wieder an den vorgesehenen Einsatzstellen zur Verfügung stünden. Der Streik soll nach Angaben der Gewerkschaft der Lokführer GDL noch bis 10.00 Uhr dauern.

Im Schienengüterverkehr hatte der Ausstand bereits am Vorabend um 20.00 Uhr begonnen. Bis zum frühen Morgen seien rund 240 Güterzüge nicht gefahren und befänden sich im Rückstau, teilte die Bahn mit. Die Versorgung von Kraftwerken, Hochöfen und anderen zentralen Industrien werde dennoch gewährleist.

Die GDL verlangt höhere Löhne und einen Flächentarifvertrag für alle 26.000 Lokführer im Nah-, Fern- und Güterverkehr. Die Verhandlungen mit der DB und Privatkonkurrenten scheiterten. Lediglich mit den privaten Güterbahnen wird noch gesprochen, die auch nicht bestreikt werden. Der Güterverkehr der DB beherrscht allerdings 75 Prozent des Marktes.

GDL: KEINE SPEKULATION ÜBER WEITERE STREIKS

Nach Angaben des stellvertretenden GDL-Bundesvorsitzenden Norbert Quitter beteiligten sich an dem Streik im Güterverkehr bis zum frühen Morgen etwa 500 Lokführer. Zum Personenverkehr konnte er zunächst keine konkreten Zahlen nennen. Alle Bereiche machten aber deutlich, dass sie einen flächendeckenden Tarifvertrag "wollen und auch brauchen", sagte Quitter der Nachrichtenagentur Reuters. Über weitere Maßnahmen, etwa zusätzliche Streiks in den kommenden Tagen, wolle er derzeit nicht spekulieren. "Das hängt ausschließlich von der Arbeitgeberseite ab."

Bewegungsspielraum bei der Kernforderung nach einem Flächentarifvertrag gebe es nicht, betonte Quitter. Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass die sechs größten privaten Personenverkehrsbetreiber ihre gemeinsamen Gespräche mit der GDL kürzlich aufgekündigt hatte. Der Personalchef des Bahnunternehmens Keolis, Markus Lehmann, sagte der "Financial Times Deutschland" (Donnerstagausgabe), so etwas wie ein Branchentarifvertrag mit der GDL sei "in weite Ferne gerückt". Keolis-Deutschlandchef Hans Leister sagte der Zeitung: "Die GDL kann jetzt den großen Streik ausrufen oder sich mit den Unternehmen aus Haustarifverträge einigen. Wir stehen dem offen gegenüber."

Solange die GDL für alle Lokführer verhandeln wolle, könne man nicht an den Verhandlungstisch zurück, hieß es der Zeitung zufolge beim Betreiber Veolia. "Wir behalten uns vor, gerichtlich gegen die Streiks vorzugehen", sagte zudem Ulrike Haber-Schilling, Arbeitsdirektorin bei Veolia Verkehr. "Das wäre aber das letzte Mittel."



Quelle: Reuters (10. März 2011)

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Themen: Berlin , Germany , Western Europe , Europe , Automobiles And Auto Parts , Hannover , Stuttgart , Norbert , Gdl , Steel , German Language - General , German Language - Equities , Government / Politics , Central/eastern Europe , Labour / Personnel , Rails / Roads - Freight , Rail And Road Transportation

Erschienen 10. März 2011 bei http://www.reuters.com.

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