Makler, Wahrsager und Aufklärungspflichten

"Maklers Müh' ist oft vergebens", weiß der Volksmund. Im Namen des Volkes hat nunmehr das OLG Stuttgart einen weiteren, leicht kuriosen Anwendungsfall für diese Sprichwort hinzugefügt. Es geht dabei um eine Wahrsagerin, den Unterschied zwischen Rücktritt und Anfechtung und um Aufklärungspflichten beim Hauskauf. Zunächst muss man dazu wissen, dass die Maklerprovision nach § 652 Absatz 1 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) schon dann zu zahlen ist, wenn der Vertrag zwischen Verkäufer und Käufer zustande kommt. Es ist jedoch egal, ob dieser Vertrag dann auch durchgeführt wird. Sprich: Einigen sich Verkäufer und Käufer später darauf, dass sie den Vertrag wieder aufheben wollen, wird der Vertrag nachträglich unmöglich, gekündigt oder tritt eine Partei vom Vertrag zurück, bekommt der Makler trotzdem sein Geld. Ist der Kaufvertrag hingegen von Anfang an unwirksam oder fällt er nach Anfechtung wegen Irrtums oder arglistiger Täuschung weg, so kann der Makler auch keine Provision verlangen. Denn dann ist der Vertrag eben nicht "zustande gekommen". Im vorliegenden Fall war der Verkäufer von dem Vertrag zurückgetreten, weil die Käufer nicht zahlten. Er hätte jedoch auch das Recht gehabt, den Vertrag anzufechten, denn die Käufer hatten den Verkäufer beim Abschluss des Kaufvertrags arglistig über ihre Fähigkeit, den geschuldeten Kaufpreis aufbringen zu können, getäuscht: Die bis dato in „normalen“ finanziellen Verhältnissen in einer Dreizimmerwohnung in der Nähe von Berlin lebenden Käufer besaßen nämlich weder nennenswertes Vermögen noch Einkünfte, die die Finanzierung des Kaufpreises - immerhin 1,9 Millionen Euro - ermöglicht hätten. Die einzige Chance, den Kaufpreis aufbringen zu können, lag darin, einen Lottogewinn in Millionenhöhe zu erzielen. Und das wiederum hatte ihnen eine Wahrsagerin vorausgesagt. Dennoch hätten sie den Verkäufer hierüber aufklären müssen - also über ihren wirklichen finanziellen Hintergrund und die Vorhersage der Wahrsagerin. Der hätte dann nämlich wohl von einem Vertragsschluss mit ihnen abgesehen. Der Vertrag war aus diesem Grunde auch wegen arglistiger Täuschung anfechtbar. Aber, wie gesagt, der Verkäufer hatte ja nicht angefochten, sondern war vom Vertrag zurückgetreten. Das aber war nach Ansicht des Gerichts eben nur reiner Zufall - solange der Anfechtungsgrund derselben Fehlerquelle wie der Rücktrittsgrund entstamme, nämlich der Nichtzahlung des Kaufpreises und solange die Anfechtungsfrist nach § 124 BGB gewahrt worden sei, zieht der Makler den Kürzeren: "Für die Provisionsberechtigung des [Maklers] macht es [...] keinen Unterschied, ob [der Verkäufer] die geltend gemachten Rechte auf das zunächst lediglich als bloße Nichtzahlung erkennbare Verhalten der Käufer stützte, oder ob [er seinem] Verlangen nach Rückabwicklung eine bereits bei Vertragsschluss bestehende Unfähigkeit, den Kaufpreis aufbringen zu können, zugrunde legte. Andernfalls wäre ein Maklerkunde wegen der Auswirkungen auf die Provisionspflicht gezwungen, …

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Berlin , Kaufvertrag , Rücktritt , Olg Stuttgart , Anfechtung Wegen Arglistiger Täuschung

Erschienen 16. Januar 2012 auf http://klawtext.blogspot.com/.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Unwirksamer Gewährleistungsausschluss bei privaten Verkäufen

www.rechtsklarheit.de | 10. Januar 2010 — Anders als gewerbliche Verkäufer können private Verkäufer im Kaufvertrag über gebrauchte Sachen einen Gew&aum…

Einzige Chance: Jackpot im Lotto

Dies und das ... | 3. Februar 2012 — Ein Makler vermittelt den Verkauf eines Grundstückes im Wert von 1.900.000,00 €. Verkäufer und Käufer schließen den notariellen Ka…

Maklerlohn trotz Käuferklage auf großen Schadensersatz wegen Täuschung

Vertriebsrecht Blog | 11. September 2009 — Dazu der BGH in seinem Urteil vom 9. 7. 2009 - III ZR 104/08 - wie folgt: “Der Provisionsanspruch des Maklers bleibt unberühr…

Der Maklervertrag

Dies und das ... | 8. August 2010 — Nach dem Gesetzteswortlaut scheint die Angelegenheit klar zu sein. In § 652 Absatz 1 BGB heißt es: „Wer für den Nachweis der Geleg…

Nichtigkeit eines Vertrages mit einer Wahrsagerin

Rechtsanwalt News | 20. März 2009 — Ein Kollege berichtet, dass tatsächlich ein Mandant eine Wahrsagerin verklagen wollte, weil sie die Lottozahlen nicht richtig …

Provisionsfrei bei zu hohem Kaufpreis ....

Dies und das ... | 21. August 2010 — Ein Provisionsanspruch des Käufermaklers entsteht grundsätzlich nicht, wenn der tatsächlich zu zahlende Grundstückskaufpreisden zu…

Siemens: Bescherung vor dem Fest

Kleinblog | David Klein | 16. Dezember 2006 — Bei Siemens gibt es die Geschenke in diesem Jahr schon vor dem heiligen Abend. Aber freuen will sich keiner darüber. Die Mü…

SIEMENS-Konzernspitze gerät zunehmend unter Druck - Wussten alle außer der Putzfrau Bescheid?

strafblog | 16. Dezember 2006 — In der SIEMENS-Affäre um Schwarzgeldkonten und Schmiergeldzahlungen gerät die Unternehmensleitung zunehmend unter Druck. Der in Un…

Maklerprovision beim Wegfall des Kaufvertrages

Dies und das ... | 17. September 2010 — Nach § 652 Abs. 1 BGB ist das Zustandekommen des Hauptvertrages eine wesentliche Voraussetzung für das Entstehen des Provisionsan…

OLG Hamm : Makler haftet

Handelsvertreter Blog | 21. Februar 2011 — Am 10.06.2010 entschied das Oberlandesgericht Hamm, dass sich ein Makler schadenersatzpflichtig macht, wenn er seinen Kunden rä…