Magazin: Sauerland-Angeklagter räumt Rädelsführerschaft ein
Reuters | 8. August 2009 — Berlin (Reuters) - Der Hauptangeklagte der sogenannten Sauerland-Gruppe hat einem Magazinbericht zufolge seine Führungsrolle be…
Berlin (Reuters) - Der Hauptangeklagte der sogenannten Sauerland-Gruppe hat einem Magazinbericht zufolge seine Führungsrolle bei der Planung einer Anschlagsserie in Deutschland zugegeben.
Fritz Gelowicz habe sich in den Vernehmungen durch das Bundeskriminalamt (BKA) selbst als Leiter der deutschen Operation bezeichnet, berichtete der "Spiegel" am Samstag vorab. Die Geständnisse der Terrorverdächtigen sollen ab Montag im Prozess vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht präsentiert werden.
Mit ihren Aussagen hätten Gelowicz und sein Mitangeklagter Adem Yilmaz die Anklage im Wesentlichen bestätigt, berichtete das Magazin. Demnach hätten sie ursprünglich vorgehabt, nach ihrer Ausbildung in einem Terrorlager im pakistanischen Waziristan als Kämpfer an die Front zu gehen. Die Führung der extremistischen Islamischen Dschihad-Union (IJU) habe sie jedoch aufgefordert, Anschläge in Europa zu verüben.
Das konkrete Anschlagsziel Deutschland hätten sie jedoch selbst bestimmt, sagte Yilmaz dem BKA laut dem Bericht. Die Gruppe habe US-Einrichtungen auf deutschem Boden im Visier gehabt. Es sei ihr um Vergeltung für den Folterskandal im irakischen Gefängnis Abu Ghraib und für das US-Gefangenenlager Guantanamo gegangen.
Die Bundesanwaltschaft wirft den vier Angeklagten vor, im Herbst 2007 eine Serie verheerender Autobombenanschläge in Deutschland vorbereitet zu haben. Laut Anklage hatten die Männer ausreichend Chemikalien gehortet, um 550 Kilogramm Sprengstoff herzustellen. Nach monatelanger Überwachung wurden sie im Herbst 2007 in einem Ferienhaus im Sauerland festgenommen.
Am Montag sollen die Angeklagten vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf mit ihren Aussagen beginnen. Die vier Islamisten wollen damit ein baldiges Ende des im April begonnenen Mammutprozesses vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht und Strafmilderung erreichen. Nach der Ankündigung ihrer Geständnisse waren die vier Männer wochenlang von Beamten des Bundeskriminalamts vernommen worden. Die Fortsetzung des im April begonnenen Prozesses wurde mehrfach verschoben, um ihnen Raum für umfassende Aussagen zu geben. Die Anwälte hatten angekündigt, dabei werde es Überraschungen geben.
Erschienen 9. August 2009 bei http://www.reuters.com.
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