Magazin: Konkrete Hinweise auf Anschläge in Deutschland
Reuters | 13. November 2010 — Berlin (Reuters) - Die Hinweise auf bevorstehende Anschläge in Deutschland verdichten sich einem Magazinbericht zufolge. Die …
Berlin (Reuters) - Die Hinweise auf bevorstehende Anschläge in Deutschland verdichten sich einem Magazinbericht zufolge.
Die US-Sicherheitsbehörden hätten die Bundesregierung Anfang der Woche gewarnt, dass sich ein vierköpfiges Terrorkommando auf dem Weg nach Deutschland befinde, berichtete das Magazin "Focus" am Wochenende. Die zwei Inder und zwei Pakistaner seien in zentralasiatischen Lagern ausgebildet worden und planten im Auftrag der Extremistenorganisation Al-Kaida noch im November einen Anschlag in der Bundesrepublik. Auch einem vertraulichen Papier des Bundeskriminalamts (BKA) zufolge plant Al-Kaida laut "Focus" nachhaltig "Anschläge sowohl auf Deutschland und europäische Länder als auch auf die USA".
Ein Sprecher von Bundesinnenminister Thomas de Maiziere erklärte in Berlin, der Minister habe nicht ohne Grund vor einer Woche erstmals öffentlich darauf hingewiesen, "dass es ernstzunehmende Hinweise auf Anschläge in Europa und den USA gibt". Grundlage seien die Einschätzungen der Sicherheitsbehörden. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die Gefährdung durch den internationalen Terrorismus existiere. "Wir können sie nicht wegreden, aber genauso wenig dürfen wir deshalb in Angst verfallen", sagte sie der "Welt am Sonntag".
Den "Focus"-Bericht, wonach Terroraktionen "ernsthaft naheliegend" sind, wollte der Sprecher allerdings nicht kommentieren. Für Deutschland sei von einer "intensivierten Gefährdung" auszugehen, zitierte das Magazin aus dem BKA-Papier. Diese könne sich jederzeit in Form von Anschlägen unterschiedlicher Dimension und Intensität realisieren. Zu den Angriffszielen zählten "Örtlichkeiten mit hohem Symbolwert oder infrastruktureller Bedeutung" sowie Orte mit "typischen westlichen Lebensgewohnheiten", wie etwa Einkaufs- und Vergnügungszentren. Das BKA war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.
FLÜGE AUS JEMEN WIEDER EINGESCHRÄNKT ERLAUBT
Der Sprecher des Innenministeriums unterstrich, die Sicherheitsbehörden stünden national und international im ständigen Austausch und kooperierten sehr eng. Eine mögliche Erhöhung der Sicherheitsmaßnahmen sei Gegenstand laufender Überprüfungen. Der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) forderte elektronische Fußfesseln, um islamistische Gefährder zu überwachen.
Die Entdeckung zweier aus dem Jemen per Luftfracht verschickter Paketbomben vor zwei Wochen hat eine neue Sicherheitsdebatte ausgelöst. Die Bundesregierung hatte ein Flugverbot für alle Maschinen aus dem Jemen verhängt, das am Freitag wieder gelockert wurde. Seither dürfen wieder Passagiermaschinen in Deutschland landen, allerdings dürfen sie keine Fracht oder Post befördern. Frachtflüge aus dem Jemen bleiben verboten.
Erschienen 14. November 2010 bei http://www.reuters.com.
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