Madonnenhafte allwissende Gisela Friedrichsen

Sicher gibt es große Unterschiede bei der Qualität von Gerichtsreportern. Hier wurde jüngst über mindere Qualität berichtet; Gisela Friedrichsen vom Spiegel gehört da schon zum Besten, was sich in Deutschland Gerichtsreporter nennt.

Aber jetzt hebt die Dame wohl ein wenig ab und maßt sich an, nachträglich Verteidiger, Staatsanwälte, Richter und eine halbe Nation als Deppen darzustellen, die in der Vergangenheit Zweifel an der Schuld der Monika Weimar hatten, der vorgeworfen wurde, ihre beiden Kinder umgebracht zu haben.

Zu der endgültigen Freilassung der Monika Weimar (Böttcher) berichtet Frau Friedrichsen im Spiegel:

Dennoch haben kaum eine Straftat und die daraus resultierenden Folgen derart das Interesse der Öffentlichkeit auf sich gezogen und die Justiz der Nachkriegszeit in Turbulenzen versetzt wie der “Fall Weimar”. Allenfalls die Morde der Vera Brühne brachten es zu vergleichbar fragwürdiger Publizität. Das lag nicht nur an der langen Dauer des Verfahrens, das von 1986 bis 2000 die Justiz plagte, sondern auch an den über Jahre von der Verteidigung nach amerikanischem Vorbild genährten und bei manchen zur Gewissheit erstarkten Zweifeln an der Schuld der Angeklagten, die der damaligen emanzipationspolitischen Debatte Stoff in Fülle lieferte – an der aber tatsächlich nicht zu zweifeln war.

Was der Seitenhieb auf die Verteidigung soll, kann vielleicht der Kollege Strate nachvollziehen, dem das Zitat zugeschrieben wird: Die Aufgabe des Strafverteidigers ist es, Vertrauen zu schenken, wo es jeder verweigert, Mitgefühl zu entfalten, wo die Gefühle erstorben sind, Zweifel zu säen, wo sie keiner mehr hat, und Hoffnung zu pflanzen, wo sie längst verflogen war.

Was nun Frau Friedrichsen reitet, nachträglich zu wissen, dass die Zweifel an der Schuld der Frau Weimar immer völlig unberechtigt waren, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Anmaßend klingt es allemal.

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Themen: Richter , Gisela Friedrichsen


Erschienen 19. August 2006 auf http://www.vier-strafverteidiger.de.

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Kommentare zu "Madonnenhafte allwissende Gisela Friedrichsen":

12. Februar 2009 von Dr. Adalbert Lallier — Die Verleumdungen, Unwahrheiten und Lügen, die Ms. Friedrichsen - als Reporterin im Kriegsverbrecher-Prozess Julius Viel (2000-2002) in ihren Artikeln (DER SPIEGEL, 5. März 2001 und 25. Februar 2002) und in ihrem Buchen ("Ich bin doch kein Mörder, 2004) gegen den "Hauptzeugen" Adalbert Lallier geschrieben und verbreitet hat - samt ihrer Kritik des Richter und des Gerichtes in Ravensburg - kann man nur als den Betrug aller Werte - rechtswissenschaftliche als auch ethische, die die Grundlage der Jurisprudenz in der Bundesrepublik darstellen. Ich bin entsetzt, dass der ehemalige Richter an dem Bundesverfassungshof für Rheinland-Westphalen Professor Bernhard Schlink,
Ms. Friedrichsen so eine begeisterte Laudatio ("sie ist vor allem eine Moral der Sachlichkeit, Gründlichkeit und Sorgfalst...") zum Erscheinen ihres Buches gewidmet hat.
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