Log Dr. Osama?

Koblenz: Am Dienstag war der ominöse ”Dr. Osama aus Freiburg” Zeuge im Al Qaida-Verfahren. Schon im vorherigen Verfahren gegen Aleem N. war immer wieder von einem Arzt aus Freiburg die Rede: Sowohl der Angeklagte Aleem N., als auch sein Stiefsohn berichteten von ”Dr. Osama”, ein Nachname war ihnen zunächst nicht erinnerlich. Mein Eindruck schon damals: Es muss sich um Dr. Mohamad Osama K. handeln, einen Arzt, der inzwischen als Hausarzt im Schwarzwald arbeitet und früher an Kliniken im Großraum Freiburg angestellt war. Spanische Terror-Ermittler bringen ihn in einem Untersuchungsbericht mit Geldzahlungen an Islamisten in Verbindung. Deutsche Behörden haben gegen ihn ermittelt, zu einer Anklage kam es nicht. Damals gab es allerdings auch einige Strafvorschriften noch nicht, die seit dem zur Bekämpfung des internationalen Terrorismus eingeführt wurden (z. B. § 129b StGB).

Dr. Osama trug vor Gericht ein rosa-weiß-gestreifes Hemd und ein lässiges, dunkelblaues Cord-Sakko. Dem sonnigen Tag in Koblenz war das höchst angemessen. Der Stimmung im Gericht weniger.

Die Vorsitzende Richterin Angelika Blettner belehrte ihn “vorsorglich” nicht nur als Zeuge, sondern gleich noch als möglicher Beschuldigter nach § 55 StPO. Und wollte dann alles über das Verhältnis zwischen der Familien K. und den Familien von Aleem N. und Dr. Yehia Yousif wissen - “alte Freiburger Zeiten” war man versucht zu sagen. Dr. Osama erinnerte sich schlecht. Kaum habe er Familie N. gekannt, sagte er zu Anfang. Doch dann wurde sein Gedächtnis mit jeder Frage der Vorsitzenden besser. Ein interessanter Effekt, den er als Mediziner vermutlich erklären könnte. Ich war mir nicht sicher: Regten die Fragen sein Langzeitgedächtnis an - oder merkte er, dass der Senat mehr wusste, als er sich vorstellen konnte?

Typisch war die folgende Szene: “Kennen Sie eine Person mit nur einem Bein, also mit einer Prothese?” fragte ihn die Vorsitzende. ”Nein”, sagte Dr. Osama, “aber vielleicht, wenn Sie mir ein Foto zeigen!”.

Im Kern sagte er: Seine Familie und die Familie N. seien in der Tat gut miteinander bekannt gewesen, man habe sich auch gegenseitig besucht. Auch nach dem Umzug von Familie N. nach Germersheim sei der Kontakt weitergegangen. Er habe die Familie besucht, wenn er in Karlsruhe gewesen sei (ein Blick auf die Karte zeigt, dass sich ein Besuch nicht gerade anbietet, wenn man aus Freiburg von Süden nach Karlsruhe kommt). Im Karlsruher Moscheeverein von N. will er jedoch nie gewesen sein. Auch seinen Arztkollegen Dr. Yousif will Dr. Osama nur oberflächlich gekannt haben. Er sei ihm viel zu radikal gewesen und habe einen weit strengeren Islam vertreten, als er, K., ihn für richtig halte.

Trotzdem sei er ein engagierter Muslim, so habe er als Student einen Hilfsverein für Bosnien gegründet und sei selbst vor Ort gewesen. Nie sei er dabei in Kämpfe verwicklet worden, obwohl es sehr gefährl…

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Themen: Stgb , Freiburg , Koblenz , Rede , Terror , AL Qaida , Olg Koblenz , Kliniken , Schwarzwald , Osama , Aleem N.
Rechtsgebiet: Strafrecht

Erschienen 26. März 2010 auf http://www.swr.de/blog/terrorismus.

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