Litwinenkos Tod ein radioaktiver Thriller
am 25.11.2006 von strafblog
Jetzt steht es wohl fest: Der frühere russische Geheimdienstler und Kreml-Gegner Alexander Litwinenko ist entgegen gestrigen Meldungen scheinbar doch radioaktiv vergiftet worden. Das Obduktionsergebnis ist heute vielfach durch die Weltpresse gegangen. Polonium 210 heißt die Substanz, die im Leichnam des Verstorbenen gefunden wurden und alles deutet darauf hin, dass der Mann ermordet wurde. Wie die WELT berichtet, suchen britische Fahnder derzeit an verschiedenen Orten nach Resten des Giftes. Ob Litwinenko tatsächlich von russischen Agenten getötet wurde, ist Tatfrage.
Polonium ist laut wikipedia.de ein silberweiß glänzendes radioaktives Metall, welches 1898 von Marie Curie entdeckt wurde und seinen Namen von deren Herkunftsland Polen ableitet. Die Herstellung der Substanz erfolgt heute zumeist in Kernreaktoren durch Neutronenbeschuss von Bismut und ist auf dem freien Markt kaum beschaffbar. Deshalb sehen britische Geheimdienstkreise laut wikipedia deutliche Zeichen eines staatlich geförderten Attentats.
Litwinenko selbst hatte vor seinem Tod den russischen Präsidenten Putin persönlich für das Giftattentat verantwortlich gemacht.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG weist in einem Online-Beitrag darauf hin, dass die Anschuldigung zwar Gewicht, aber noch keine Beweiskraft habe. Putin selbst hat jede Veranwortlichkeit für den Anschlag bestritten. Die Ermittler müssten alle Möglichkeiten in Betracht ziehen: Ein von Moskau gesteuertes Attentat, einen Mordanschlag aus einem anderen Umfeld und einen Tod ohne fremdes Verschulden. Die SÜDDEUTSCHE schreibt:
In Moskau wird Litwinenko als Wicht bezeichnet, der dem Kreml tot viel mehr schade als lebend. Diese Art der Verteidigung erinnert an den Fall der ermordeten Journalistin Anna Politkowskaja, die von Putin nach ihrem Tod als unbedeutend verunglimpft wurde. Nach Kreml-Logik sind Politkowskaja und Litwinenko nur gestorben, um Putin anzuschwärzen. Das zeigt zwar, wie zynisch im Kreml gedacht wird, beweist aber nicht, dass dort Mordpläne ausgeheckt werden. Freunde Litwinenkos erkennen in dessen mysteriöser Vergiftung die Handschrift des russischen Geheimdienstes. Das Problem ist nur, dass gerade diese Hand für gewöhnlich keine Fingerabdrücke hinterlässt.
Der Fall Litwineko erschreckt und erschüttert. Es kommen Erinnerungen an alte Feindbilder hoch, an Zeiten, in den der eiserne Vorhang noch nicht niedergerissen war. Man kann an alte Romane von Simmel denken, Verschwörungstheorien liegen auf der Hand. Und die müssen nicht unbedingt immer falsch sein. Aber eine klare Beweisführung wird hierdurch natürlich nicht ersetzt.
Immerhin kann man sich fragen, warum eine derart verdächtige Tötungsart gewählt wurde. Man hätte den Mann ja auch durchaus konventionell töten können. Aber vielleicht hofften die Täter ja auch, dass der Todesentritt als Krankheitsfolge gedeutet würde. Oder sie wollten den Verdacht bewusst auf den russischen Geheimdienst lenken. Ich bin gespannt, zu welchen Ergebnissen die Ermittlungen führen werden.
Autor: RA Rainer Pohlen
Kanzlei POHLEN + MEISTER
Rätselhafter Tod
Handakte WebLAWg / Der nach einer schweren Vergiftung gestorbene frühere russische Spion Alexander Litwinenko hat in einem letzten Interview den Kreml für seinen Tod verantwortlich gemacht. Litwinenko starb am späten Donnerstagabend auf der Intensivstation der Londo…
Tödliche Sushis, oder : Radioaktiver Tod aus der Spraydose
strafblog / Laut rp-online soll die englische Polizei Hinweise darauf gefunden haben, dass der an radioaktiver Vergiftung gestorbene russische Ex-Geheimdienstler Alexander Litwinenko in der Sushi-Bar Itsu, in der er am 1. November gemeinsam mit seinem italienisc…
Kreml: Beresowski steckt hinter dem Anschlag auf Litwinenko
strafblog / Während britische Ermittler weiterhin darum bemüht sind, die Hintergründe der Polonium-Vergiftung des früheren russischen Geheimdienstlers Litwinenko zu ermitteln, weisen die russische Regierung und russische Medien alle gegen Sicherheitskreise u…
Der ominöse Tod eines russischen Ex-Spions
strafblog / Der frühere russische Geheimdienstler und Putin-Gegner Alexander Liwinenko, der Anfang des Monats mit ominösen Vergiftungserscheinungen in ein Londoner Krankenhaus eingeliefert worden war, nachdem er sich mit verschiedenen Personen, darunter auch e…
Absurde Spiele im Mordfall Litwinenko
strafblog / Im Fall des mit Polonium 210 ermordeten russischen Ex-Geheimdienstlers Alexander Litwinenko hat die russische Generalstaatsanwaltschaft laut rp-online mitgeteilt, dass gegen einen früheren Anteilseigner des zerschlagenen Energiekonzerns Jukos, den…
Ex-Geheimdienstler aus Russland von früheren Kollegen vergiftet?
strafblog / In einem Londoner Krankenhaus ringt ein früherer russischer Geheimdienstler, der sich mit dem Kreml überworfen hat, mit dem Tode. Laut SPIEGEL-ONLINE diagnostizierten die Ärzte bei Alexander Litwinenko, der Anfang des Monats noch kerngesund war, e…
Tödlicher Tee führte zum Tod von Alexander Litwinenko
strafblog / Die tödliche Dosis Polonium 210, die zum Tode des russischen Ex-Geheimdienstlers Alexander Litwinenko geführt hat, soll diesem neuen Erkenntnissen der britischen Ermittlungsbehörden zufolge durch eine Tasse vergifteten Tees beigebracht worden sein…
» Polonium - Wikipedia
» POHLEN + MEISTER
» Kommentar Viel Nebel im Mordfall an der Themse - Ausland - sueddeutsche.de
Kommentar Viel Nebel im Mordfall an der Themse,Ex-Agent Litwinenko bezichtigte kurz vor seinem Tod den russischen Präsidenten Putin des Mordes. Eine Anschuldigung mit Gewicht - aber ohne Beweiskraft.
» Giftanschlag: Russischer Spion mit radioaktivem Polonium getötet
Mediziner haben im Körper des mutmaßlich vergifteten russischen Ex-Spions Alexander Litwinenko radioaktives Material gefunden. Das gaben Ermittler wenige Stunden nach dem Tod Litwinenkos bekannt. Bei dem Material handele es sich um das rad…
