Schlaraffenland
Statt aller | 3. März 2010 — Nachdem ich schon gestern davon berichtete, wie sehr mein Job hier in NYC an ein Schlaraffenland erinnert, kann ich heute völlig e…
Seit ein paar Tagen schon bin ich in New York City und seit heute absolviere ich hier meine Wahlstation in einem Unternehmen aus der Musikbranche. Vorweg möchte ich einmal kurz los werden, dass ich jedem Referendar, der nur annähernd daran denkt, hier seine Wahlstation oder Anwaltsstation zu verbringen, ganz dringend dazu ermutigen möchte, diesen Traum in die Tat umzusetzen. Diese Stadt ist einfach sooo großartig, sie ist riesig, wirkt dabei aber so übersichtlich. Es ist leicht, sich in diese Stadt zu verlieben. Einer Frau muss man auch nicht sagen, dass sie George Clooney attraktiv finden soll. Nach ein paar Tagen kann ich sagen, dass ich meine Station hier fast überall absolviert hätte, nur um in dieser Stadt zu sein, aber natürlich bin ich froh, eine Station gefunden zu haben, die wie die Faust auf's Auge zu mir passt. Dieser "American way of life" und deren "business culture" ist wirklich ein anderer Schnack und schon dafür lohnt sich die Reise hierher. Während meine Erfahrungen in zwei mittelgroßen Kanzleien eher waren, dass man auf sich selbst gestellt ist, wenn man etwas lernen will und Versprechungen in keinster Weise eingehalten werden, machte der heutige Tag auf mich einen ganz anderen Eindruck: Ich spazierte nach Feierabend mit einem dicken Grinsen im Gesicht nach Hause! Denn schon der Abschluss der heutigen Tätigkeiten lief anders als ich es gewohnt war. Ich wurde zu einem Abschlussgespräch ins Büro meines Ausbilders geholt. Dabei fällt mir ein: Auf das tatsächliche Abschlussgespräch meiner einen Kanzlei warte ich immer noch. An meinem letzten Tag (der ja so überraschend kam...) war dafür irgendwie keine Zeit und es hieß, dieses Gespräch würde nachgeholt werden. Pffft, dass ich nicht lache... So ein Gespräch hatte ich also schon heute als kurzen Boxen-Stopp, um die Richtung vorzugeben. Und das war kein Gespräch zwischen Tür und Angel, sondern á la "Komm rein, setz Dich. Wie hat es Dir heute gefallen? Was hast Du gelernt? Sind alle nett zu Dir?" Während es normalerweise keine richtigen Uhrzeiten zur Arbeit gibt, sondern jeder schnell runterläuft und sich was essen holt, wenn sich der Magen meldet, wird es am Mittwoch einen "welcome lunch" zweier Juristen mit mir geben: "Passt Dir der Mittwoch?" Äh, ja, klar! Irgendwann kam der CEO des Ladens rein und sagte nach meinem Verständnis sowas wie: "Das betrifft hier alle: Sind am Freitag alle da? Ok, dann ist Freitag nachmittag Party." Ich dachte natürlich, dass meine Englischkenntnisse noch zu wackelig sind, um seinen Akzent in Verbindung mit der Geschwindigkeit richtig wahrgenommen zu haben. Ich MUSSTE das inhaltlich einfach falsch verstanden haben. Also fragte ich eine Kollegin: "Äh, sag mal, ich habe das gerade nicht richtig verstanden. Ich hörte irgendwie nur das Wort 'Party', aber in welchem Zusammenhang denn?" Dann erklärte sie mir, ein bis zweimal im Monat werde früher Feierabend gemacht, um gemeinsam etwas Spaß zu haben. Das nenne man hier "team building". Aha??? Ich glaube, ich reag…
» Vollständiger ArtikelErschienen 2. März 2010 auf http://stattaller.blogspot.com/.
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