LG Mannheim: Abgrenzung zulässiger Download-Dienste von Abo-Fallen (Betrugshinweis, Preisangabe, Belehrung Widerrufsrecht)

LG Mannheim, Urteil vom 12.5.2009, 2 O 268/08 – Red. Leitsätze

Der Hinweis auf eine Betrugsstrafbarkeit im Fall falscher Angaben zum Geburtsdatum beim vorausgegangenen Vertragsschluss über Nutzung eines Internet-Portals (Download – Dienst) ist unlauter i.S.v. § 4 Nr. 1 UWG sein. Ein Endpreis ist nach § 1 PAngVO bei einem Dauerschuldverhältnis nur dann richtig angeggeben, wenn Verbraucher den Preis der Ware deutlich erkennen können. Das trifft nicht zu, wenn die Ware selbst nicht mit dem Endpreis gezeichnet ist, dieser vielmehr erst durch einen zusätzlichen Rechenvorgang – hier: Addition – ermittelt werden muss. Das Erlöschen eines Widerrufsrechts nach § 312d Abs. 3 Nr. 2 BGB bei Verträgen über Internet-Dienstleistungen setzt als Dienstleistung des Unternehmers mehr als die Schaffung einer abstrakten Zugangsmöglichkeit zu Daten, sondern den Download voraus, mit dem der Verbraucher den wirtschaftlichen Wert dieser Daten erlangt, bestenfalls aber die konkrete Zugriffsvermittlung bei einem ersten Einloggen des Verbrauchers. Bis dahin kann der Vertrag durch Widerruf aufgelöst werden, ohne dass der Unternehmer seine Dienstleistung „verloren“ hätte.

LG Mannheim Urteil vom 12.5.2009, 2 O 268/08 – Internet – Portale / Abo-Fallen

Tenor

1. Die Klägerin und Widerbeklagte wird verurteilt, es bei Meidung eines für jeden Fall der Zuwiderhandlung festzusetzenden Ordnungsgeldes bis zu 250.000 EUR, ersatzweise Ordnungshaft bis zu 6 Monaten oder Ordnungshaft bis zu 6 Monaten zu unterlassen, im geschäftlichen Verkehr gegenüber Verbrauchern in Rechnungsschreiben zu behaupten,

bei falscher Angabe eines Geburtsdatums liege ein Betrugsdelikt vor, insbesondere wenn dies in der nachfolgenden Art und Weise geschieht:

An dieser Stelle ist ein Rechnungsschreiben der Klägerin vom 17.10.2008 in den Tenor eingefügt.

2. Die Klägerin und Widerbeklagte wird verurteilt, es bei Meidung eines für jeden Fall der Zuwiderhandlung fälligen Ordnungsgeldes von bis zu 100.000 EUR, ersatzweise Ordnungshaft bis zu 6 Monaten zu unterlassen,

die nachfolgende oder eine inhaltsgleiche Klausel in Allgemeinen Geschäftsbedingungen in Bezug auf Verträge, die über das Internet geschlossen werden, zu verwenden, ausgenommen gegenüber einer Person, die in ihrer selbständigen beruflichen Tätigkeit handelt (Unternehmer):

„Ich (akzeptiere die AGB und die Datenschutzerklärung und) verzichte auf mein Widerrufsrecht.“

3. Die Klägerin und Widerbeklagte wird verurteilt, an den Beklagten 200 EUR zu zahlen.

4. Im übrigen wird die Widerklage abgewiesen.

5. Die Kosten des Rechtsstreits trägt die Klägerin zu 2/3 und der Beklagte zu 1/3.

6. Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar, für den Beklagten jedoch nur gegen Sicherheitsleistung in Höhe von 12.300 EUR. Der Beklagte kann die Vollstreckung durch Sicherheitsleistun…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Verbraucherschutz , Urteile , Betrug , Abmahnungen , Mannheim , Unterlassung , Community-recht , Ecommerce , Strafrecht Und IT , Web-design , Preisangabe , Portale , Download , Abo-falle , LG Mannheim Urteil Premium Content

Erschienen 26. Juni 2009 auf http://www.jur-blog.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren
Auch zu LG Mannheim Urteil Premium Content:

LG Mannheim: Hinweis auf Betrugsstrafbarkeit in Rechnungen - Der in einer Rechnung enthaltene Hinweis auf die Strafbarkeit wegen B…

MEDIEN INTERNET und RECHT | 10. Juli 2009 — 1. Am Maßstab des § 4 Nr. 1 UWG sind nicht nur Wettbewerbshandlungen zu messen, die (auch) den Zweck verfolgen, den Absatz oder Be…

LG Mannheim: Hinweis auf Betrugsstrafbarkeit in Rechnungen - Der in einer Rechnung enthaltene Hinweis auf die Strafbarkeit wegen B…

MEDIEN INTERNET und RECHT | 10. Juli 2009 — 1. Am Maßstab des § 4 Nr. 1 UWG sind nicht nur Wettbewerbshandlungen zu messen, die (auch) den Zweck verfolgen, den Absatz oder Be…

opendownload.de dreifach unterlegen: Betrug durch falsche Altersangabe * Verzicht auf Widerrufsrecht * Erlöschen des Widerrufsrech…

kLAWtext | 18. Juni 2009 — Wie angekündigt, wurden jetzt die ausführlichen Urteilsgründe des Urteils vom 12.5.2009, Landgericht Mannheim, Aktenzeichen: 2 O …

Ausschluss Widerrufsrecht Internet: AG Montabaur: Ausschluss des Widerrufsrechts nach Freischaltung des DSL-Anschlusses - Der Ausschluss des Widerrufsrecht gemäß § 31…

MEDIEN INTERNET und RECHT | 21. September 2008 — 1. Nach § 312d Abs. 3 Nr. 2 BGB erlischt das Verbraucherwiderrufsrecht bei einer Dienstleistung vorzeitig, wenn der Unternehmer mi…

Zur Aktualität von Preisangaben in Preissuchmaschinen

Die herrschende Meinung | 27. März 2010 — (pm) Der unter anderem für das Wettbewerbsrecht zuständige I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat entschieden, dass ein H…

BGH: Eine Wiederholungsgefahr ist zu verneinen, wenn der Wettbewerbsverstoß mit einer Gesetzesänderung sofort abgestellt wird

Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 9. Februar 2010 — BGH, Urteil vom 03.12.2009, Az. III ZR 73/09 §§ 3; 4 Nr. 11; § 312d Abs. 3 Nr. 2 BGB Der BGH hatte über die Auslegung des W…

OLG Hamburg: Fehlende Umsatzsteuerangabe im Fernabsatz - Ein grundsätzlich wettbewerbswidriger Verstoß gegen § 1 Abs. 2 Nr. 1 PAng…

MEDIEN INTERNET und RECHT | 4. April 2007 — 1. Nach § 1 Abs. 2 Nr. 1, Abs. 6 PAngV ist bei Angeboten zum Abschluss eines Fernabsatzgeschäftes von dem Unternehmer zusätzlich z…

Neuregelung zum Erlöschen des Widerrufsrechts bei Dienstleistungen ab heute in Kraft

Internetrecht München | 4. August 2009 — Im Rahmen eines neuen Gesetzes zum Verbraucherschutz, das u.a. die Zulässigkeit von Telefonwerbung neu regelt, wird auch das …

Widerruf Mobilfunkvertrag: Widerrufsrecht bei Mobilfunkverträgen!?

BLOG | MEIN-RECHT-IM-NETZ.DE | 2. März 2009 — Das Gesetz sieht vor, dass das Widerrufsrecht eines Verbrauchers bei einer Dienstleistung dann erlischt, wenn der Unternehmer mit …

Rückgaberecht ersetzt Widerrufsrecht

Vertretbar Weblawg | 9. Januar 2006 — Bei B2C-Geschäften im Fernabsatz (§ 312b Abs. 1 BGB) steht dem Verbraucher aus § 312d Abs. 1 S. 1 BGB i.V.m. § 355 ff. BGB ei…