LG Köln: Filesharing, Gegenstandswert, Abmahnungskosten & Co - Zum Kostenerstattungsanspruch des abmahnenden Unterlassungsgläubigers bei P2P-Urheberrechtsverletzungen an Musiktiteln.

1. Derjenige, der vom einem Störer die Beseitigung einer Störung bzw. Unterlassung verlangen kann, hat nach ständiger Rechtsprechung im Urheberrecht grundsätzlich über dieses Institut einen Anspruch auf Ersatz seiner Aufwendungen gem. §§ 683 S. 1, 670 BGB, soweit er bei der Störungsbeseitigung hilft und im Interesse und im Einklang mit dem wirklichen oder mutmaßlichen Willen des Störers tätig wird (BGH, NJW 1970, 243; 2002, 1494). Die gesetzliche Sonderregelung in § 12 Abs. 1 S. 2 UWG schließt außerhalb des Wettbewerbsrechts den Ersatz von Abmahnkosten über den vorgenannten Weg nicht aus. <br><br> 2. Enthält ein Abmahnschreiben zugleich die Aufforderung zur Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung, in welcher ein Angebot zum Abschluss eines Unterlassungsvertrages bzw. eine Aufforderung zur Abgabe eines entsprechenden Angebots zu sehen ist, handelt es sich insoweit nicht um ein "einseitiges Rechtsgeschäft", auf das § 174 BGB Anwendung finden könnte (vgl. OLG Brandenburg, Beschl. v. 27.7.2000 – Az. 6 W 18/00). Dementsprechend kommt eine Zurückweisung einer Abmahnung ohne beigefügte Original-Vollmachten gem. § 174, 121 Abs. 1 Satz BGB nicht in Betracht. <br><br> 3. Für Ansprüche aus Geschäftsführung ohne Auftrag ist insoweit von Bedeutung, dass der Abmahnende nicht selbst über hinreichende eigene Sachkunde und Möglichkeiten zur zweckentsprechenden Verfolgung eines unschwer zu erkennenden Verstoßes verfügen darf, da die Einschaltung eines Rechtsanwalts dann ggf. nicht "erforderlich" im Sinne des § 670 BGB sein kann (BGH, NJW 2004, 2448). Greifen kann dieser Aspekt freilich in Ausnahmefällen, in denen standardmäßig immer nur ein und derselbe Verstoß ganz routinemäßig für den einzigen Berechtigten mittels "Textbausteinen" abgemahnt wurde. <br><br> 4. Auch ein kaufmännisches Unternehmen, dass über einen oder mehrere Volljuristen verfügt muss diese Mitarbeiter nicht zwangsläufig mit der Bearbeitung von urheberrechtlichen Streitigkeiten beauftragen. Daraus, dass ein Unternehmen über eine eigene Rechtsabteilung verfügt, kann nicht ohne weiteres der Schluss gezogen werden, die Einschaltung eines Rechtsanwaltes sei nicht erforderlich. Auch unter dem Aspekt von § 254 Abs. 2 Satz 1 BGB besteht keine Pflicht eine entsprechend geschulte Arbeitskraft vorzuhalten. Etwas anderes kann allerdings etwa dann gelten, wenn es sich um einen ganz einfach gelagerten Sachverhalt handelt, in dem für die Bearbeitung auf frühere Vorgänge zurückgegriffen werden kann und in dem zudem personelle Kapazitäten der eigenen Rechtsabteilung für solche Abmahntätigkeiten ohne weiteres vorhanden sind. <br><br> 5. In den verstärkten Bemühungen der Musikindustrie, gegen Urheberrechtsverletzungen vorzugehen und diese zu unterbinden, ist ein Rechtsmissbrauch nicht zu erblicken, der sich in der erhöhten Anzahl an Abmahnungen niederschlägt (§ 242 BGB). Diese Bemühungen stellen sich vielmehr - grundsätzlich - als legiti…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Filesharing , Uwg , P2p

Erschienen 20. September 2007 auf http://www.medien-internet-und-recht.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Streitwert bei Filesharing in Köln: 10.000 Euro pro Datei

LBR-Blog | 6. September 2007 — Kürzlich hatte das Landgericht Hamburg (308 O 273/07, über MIR) eine Staffelung der Streitwerte bei Urheberrechtsverletzungen in…

LG Köln: Abmahnkosten für Filesharing-Abmahnung auch für Unternehmen mit eigener Rechtsabteilung erstattungsfähig

Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 9. Juli 2009 — LG Köln, Urteil vom 18.07.2007, Az. 28 O 480/06 §§ 19 a, 97, 105 UrhG; 670, 683 Abs. 1 BGB Das LG Köln hat entschieden, das…

Anwaltsgebühren IN Eigener Sache: BGH: "In eigener Sache..." - Zur Frage, unter welchen Voraussetzungen die Erstattung von Anwaltskosten für eine Abmahnung außerhal…

MEDIEN INTERNET und RECHT | 7. Februar 2007 — 1. Zur Frage, unter welchen Voraussetzungen die Erstattung von Anwaltskosten für eine Abmahnung außerhalb des Wettbewerbsrechts (h…

OLG Celle: Abmahnung ohne Originalvollmacht - Die Zurückweisung einer Abmahnung wegen Nichtvorlage einer Originalvollmacht ist tre…

MEDIEN INTERNET und RECHT | 17. September 2010 — 1. Enthält eine (wettbewerbsrechtliche) Abmahnung nicht nur die Aufforderung, innerhalb einer bestimmten Frist eine Unterwerfungse…

Trendwende beim Ersatz von Anwaltskostenbei Urheberrechtsverstößen

Depesche quinta essentia | 12. März 2012 — Bei Abmahnungen wegen Urheberrechtsverstößen werden die Kosten für den vom Abmahner eingeschalteten Rechtsanwalts von den Ger…

BGH: Erstattung anwaltlicher Abmahnkosten auch bei eigener Rechtsabteilung

Beckmann und Norda Rechtsanwälte Bielefeld | 19. Mai 2008 — BGH Urteil vom 08.05.2008 - I ZR 83/ß6 Abmahnkostenersatz Der BGH hat mit Urteil vom 08.05.2008 - I ZR 83/06 entschieden, dass auc…

Abmahnkosten Uwg: BGH: Erstattungspflicht von Abmahnkosten

BLOG | MEIN-RECHT-IM-NETZ.DE | 24. Mai 2008 — Nach der Vorschrift des § 12 Abs. 1 S. 2 UWG kann ein Anspruchsgläubiger Ersatz der erforderlichen Kosten für eine Abmahnung verla…

AG Hamburg: "Currywurst mit Pommes" 100,00 EUR - Der Ersatz von Anwaltkosten für eine urheberrechtliche Abmahnung kann - im Einzel…

MEDIEN INTERNET und RECHT | 3. März 2009 — 1. Der Ersatz von Anwaltkosten für eine urheberrechtliche Abmahnung kann - im Einzelfall - nicht verlangt werden, wenn zuvor berei…

LG Köln: Abmahngebühren nach § 97a UrhG bei nicht unerheblicher Rechtsverletzung, Urteil vom 13.5.2009 – Az. 28 O 889/08

Offene Netze und Recht | 21. August 2009 — LG Köln: Abmahngebühren nach § 97a UrhG bei nicht unerheblicher Rechtsverletzung Urteil vom 13.5.2009 – Az. 28 O 889/08 Lei…

BGH: Abmahnkosten für zweite anwaltliche Abmahnung nicht erstattungsfähig – “Kräutertee”

Bösel, Kohwagner & Kollegen | 15. März 2010 — Nach einem vom Bundesgerichtshof am 21. Januar 2010 verkündeten Urteil (”Kräutertee” – I ZR 47/09) kann ein Wettbewerbsverband,…