LG Ingolstadt: Ermessensspielraum des Wahlverteidigers 20%

Das Landgericht Ingolstadt folgt mit Beschluss vom 08.02.2010, Az. J Qs 4/10 der zutreffenden Ansicht, wonach die Bestimmung einer Rahmengebühr nach § 14 I S. 1 RVG durch den Wahlverteidiger schon dann nicht unbillig i.S.d. § 14 I S. 4 RVG ist, wenn sie die vom Gericht für angemessen erachtete um nicht mehr als 20 % übersteigt.

Wir hatten für einen Mandanten einen Freispruch erreicht. Die notwendigen Auslagen wurden der Staatskasse auferlegt.

Entsprechend beantragten wir die Festsetzung von Grundgebühr, Verfahrensgebühr und Terminsgebühr jeweils als Mittelgebühr – also für einen durchschnittlichen Fall ohne besondere Schwierigkeiten.

Es kam wie es kommen mußte: Das Amtsgericht kürzte fleißig. Und zwar um 80,00 € netto. Begründung: Es handele sich um einen leicht unterdurchschnittlichen Fall. Begründet wurde dies damit, dass die Staatsanwaltschaft auch Freispruch beantragt habe, der Angeklagte unvorbelastet und eine Anklage vor dem Jugendgericht erfolgt sei. Warum ein Strafverfahren insbesondere für einen noch nie strafrechtlich in Erscheinung getretenen Angeklagten weniger bedeutsam sein soll, als für einen bereits vorbelasteten erläuterte das Amtsgericht (wohlweislich?) nicht.

Das Landgericht mußte sich im Ergebnis mit diesen Argumenten des Amtsgerichts nicht mehr auseinandersetzen. Es stellte lediglich in einem kurzen Beschluss nochmal klar, dass die Höhe der Rahmenge…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Amtsgericht , Landgericht , Ingolstadt

Erschienen 19. Februar 2010 auf http://www.kanzlei-finkenzeller.de/aktuell.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Keiner mehr zuständig?

Red Tape | 28. Juni 2010 — Es wurde eine einstweilige Verfügung beantragt, am Landgericht in D. Das erklärte sich örtlich und auch wegen fehlender Strei…

1,3-Gebühr in durchschnittlichen Unfallsachen

RA J. Melchior, Wismar | 11. Februar 2007 — Die in der ersten Zeit des RVG gerade von Kfz-Versicherern gern diskutierte Frage, welcher Gebührensatz in Unfallsachen angemes…

Wer keine Arbeit hat, sucht sich welche

Mit Fug und Recht | 9. Dezember 2010 — In dieser Sache hatten wir mit Erfolg Beschwerde gegen eine vorläufige Entziehung einer Fahrerlaubnis eingelegt. Das Landgeri…

Amtsgericht Hameln: Freispruch beim Amtsgericht Hameln

Strafprozesse und andere Ungereimtheiten | 15. Februar 2006 — Auch bei der Einschätzung der Sachlage zeigte sich der Richter beim Amtsgericht Hameln, der einer Beschwerde wegen der Nichtbeiord…

Freispruch nach vermeintlicher Schlägerei

Anwalt & Strafverteidiger Blog | 8. Dezember 2011Disco / Verletzungen / Körperverletzung / Angriff / Polizei / Freispruch Vor dem Amtsgericht Weilheim (Bayern) musste sich ei…

Wohnzimmerkanzlei: Weitere deutliche Worte ins Wohnzimmer

kanzlei-hoenig.de | 4. August 2008 — Über den Herrn “Kollegen”, der in der Haftanstalt die Mandanten anderer Verteidiger anbaggert, habe ich bereits in einem offene…

Nützlicher Small-Talk

Panorama | 2. Oktober 2009 — Gestern war ich als Strafverteidiger bei einem Amtsgericht tätig. Der Angeklagte erschien nicht pünktlich und so ergab sich die Ge…

Gewogen und zu leicht befunden…

Heymanns Strafrecht Online Blog | 3. Januar 2011 — so könnte man über den Beschl. des BGH v. 11.11.2010 in 4 StR 489/10 schreiben, mit dem ein Urteil des LG Saarbrücken, durch da…

Unsitte der Anklage vor dem falschen Gericht

Strafprozesse und andere Ungereimtheiten | 18. Oktober 2008 — Wieder mal einer von unzähligen Fällen, bei dem wegen der Gesamtumstände völlig klar war, dass niemals eine Freiheitsstrafe von au…

AG Wiesbaden: Langsames Gericht bewirkt keine Änderung der Zuständigkeit in dringenden Fällen

Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 28. Juli 2011 — AG Wiesbaden, Beschluss vom 08.07.2011, Az. 92 C 3406/11 - 28 § 942 ZPO Das AG Wiesbaden hat entschieden, dass es für den…