LG Berlin: Wiederholungsgefahr kann auch schon mal ohne Unterlassungserklärung ausgeräumt sein
LG Berlin, Urteil vom 23.10.2008, Az. 32 O 501/08 §§ 823 Abs. 2, 1004 Abs. 1 S. 2 BGB, §§ 3, 8 UWG
Das LG Berlin hat entschieden, dass die mit einem Wettbewerbsverstoß grundsätzlich indizierte Gefahr einer Wiederholung auch anders als durch Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung ausgeräumt werden kann. Im vorliegenden Fall ging es um den Missbrauch eines Affiliate-Programms, bei dem der Antragsgegner eines Antrags auf Erlass einer einstweiligen Verfügung sich vertragswidrig Provisionen für Werbeleistungen erschlichen hatte. Nachdem das Gericht das Affiliate-Programm erläuterte und die Vertragswidrigkeit und strafrechtliche Relevanz des Verhaltens der Antragsgegnerin unterstrich, kam es zu dem Ergebnis, dass eine Wiederholungsgefahr, welche für den Erlass einer einstweiligen Verfügung erforderlich ist, nicht vorliege.
Die Möglichkeit der Erhebung einer Unterlassungsklage sehe § 1004 Abs. 1 S. 2 2 BGB nur für den Fall vor, dass „weitere Beeinträchtigungen zu besorgen sind”. Unter einer Wiederholungsgefahr in diesem Sinne verstehe man die auf Tatsachen gegründete objektive ernstliche Besorgnis weiterer Störungen (Bassenge in Palandt, 68. Aufl., Rdn. 32 zu § 1004). Zwar sei der Verfügungsklägerin zuzugeben, dass regelmäßig die vorangegangenen rechtswidrigen Beeinträchtigungen eine tatsächliche Vermutung für die Wiederholungsgefahr begründe ( BGH NJW 04, 1035). Ihr Verhalten sowie die Verweigerung der Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung führe aber nicht zwingend zur Annahme des Bestehens einer Wiederholungsgefahr. Zwar entfalle eine solche regelmäßig mit Abgabe einer strafbewehrten Unterlassungserklärung. Das rechtfertige indes nicht im Umkehrschluss die Annahme einer stets vorhandenen Wiederholungsgefahr für den Fall der Nichtabgabe einer entsprechenden Erklärung. Vielmehr seien stets die konkreten Umstände des Einzelfalles maßgeblich.
Vorliegend sei eine Wiederholung der in Rede stehenden Handlungen jedenfalls von Seiten der Beklagten - und nur darauf sei es angekommen - sogar ausgeschlossen gewesen. Erklärtes Ziel der Verfügungsklägerin, welche sie mit dem Antrag auf Erlass der begehrten einstweiligen Verfügung verfolgt habe, sei es gewesen, „die Antragsgegnerin (Verfügungsbeklagte) und die beteiligten Personen gesichert davon abzuhalten, die rechtswidrigen und betrügerischen Handlungen zukünftig zu wiederholen”. Bei den von der Verfügungsklägerin in ihrer Antragsschrift geschilderten Buchungsvorgängen, auf die sie ihren Unterlassungsanspruch gestützt habe, habe es sich ausschließlich um Buchungen gehandelt, die über das Affiliate Netzwerk ….de AG erfolgt seien. Diesbezüglich sei das vorgestellte Ziel durch die am 04.09.2008 seitens der …de AG gegenüber der Verfügungsbeklagten erfolgten Kündigung bereits erreicht. Denn seitdem sei die Verfügungsbeklagte nicht mehr bei dem Netzwerk ….de AG als Affiliate freigeschaltet und habe daher auch keinen …
» Vollständiger ArtikelThemen: Berlin , Abmahnung , Unterlassungserklärung , Bgb , LG Berlin , Beschluss , Verfügung , Landgericht , Einstweilige , Wiederholungsgefahr , Affiliate-marketing , Strafbewehrte , Wiederholungsgefahr Unterlassungserklärung
Erschienen 12. Mai 2009 auf http://damm-legal.de.
Serie: Die rechtsmissbräuchliche Abmahnung. Folge 2
IT-Prozessrecht | 30. Juni 2010 — Missbrächliche Mehrfachverfolgung – OLG München, Urteil vom 17.01.2008, Az.: 6 U 1880/07 Das OLG München hatte sich…
VwGO Reform: VwGO-Reform: Wunschdenken
Jurabilis | 23. April 2006 — Für manchen Examensstudenten sicherlich ein schöner Traum: Die Klage ist beim Verwaltungsgericht anhängig und deshalb zulässig…
Ist Klickbetrug Eine Straftat?: LG Berlin: Eigenbuchungen eines Affiliates zur Erhöhung der Provision stellen Vertragsbruch dar
Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 22. Dezember 2008 — LG Berlin, Urteil vom 23.10.2008, Az. 32 O 501/08 §§ 935, 938, 936 ZPO, 1004 Abs. 1 Satz 2, 823 Abs. 2, 263 BGB, 8 Abs. 1 und…
In die Suppe gespuckt…
Andere Ansicht | 30. Januar 2006 — Langsam beginne ich zu begreifen, daß Juristen oftmals am Alltag scheitern. Vielleicht hängt das aber auch mit dem exzessiven G…
Bundesversammlung: Koalition komplett, bei SPD zwei Ausfälle
Reuters | 30. Juni 2010 — Berlin (Reuters) - Union und FDP haben alle Wahlleute für die bevorstehende Wahl des Bundespräsidenten an Bord. Nach Ang…
RAUBOPFER IN PETERSBURG
LawBlog | 25. Juli 2005 — Zu den Verhältnissen in russischen Gefängnissen äußert sich im Strafverteidiger (2005, 401) Professor Dr. Dr. hc. Friedrich-Chr…
Gratulation
Andere Ansicht | 24. April 2007 — Die Justizsprache ist ja schon skuril. Aber auch verlockend. Hab heute mal einem Kollegen zum Geburtstag gratuliert. Verf.: I. VV …
LG Berlin: Affiliate trägt Beweislast bei Missbrauch
Internetrecht München | 23. Februar 2010 — Gerät ein Affiliate unter den Verdacht des Provisions-Missbrauchs, so muss er nach einer Entscheidung des LG Berlin vom 15.10.2009…
Unberechtigte Abmahnung Kostenerstattung: AG Bonn: Unberechtigte Abmahnung verpflichtet Abmahner zur Kostenerstattung
§§ Jur-Blog.de §§ | 28. Mai 2008 — AG Bonn, Urteil vom 29.04.2008, Az. 2 C 525/07 - Das Amtsgericht Bonn hat nun einen Anspruch des fälschlich Abgemahnten auf Kos…

