Lawinenartige Weiterverbreitung im Filesharing – Berechnung RAe Waldorf ergibt absurde Ergebnisse

In einem aktuell vorliegenden Schriftsatz der Kanzlei Rechtsanwälte Waldorf wird der hohe Schaden durch Filesharing in einer Musiktauschbörse für ein Musiklabel beklagt. Zudem wird eine konkrete Berechnung vorgelegt. Diese verursachte zunächst Aufmerksamkeit, dann vehementes Kofschütteln meinerseits.

Berechnung eines “lawinenartiges Verbreitungseffekts” beim Filesharing gem. RAe Waldorf

Zur Begründung des in Ansatz gebrachten, m. E. hohen Streitwerts wurde ausgeführt, es sei zu unterstellen, dass jedes angebotene Werk in der Tauschbörse von vier Nutzern pro Stunde heruntsgeladen würde. Am Abschluss der Stunde würden dann der ursprüngliche Anbieter und 4 weitere Nutzer illegale Downloads anbieten. Daraus ergebe sich eine Vervielfältigungskette. Hierzu wurde eine Tabelle angeboten. Nach 7 Stunden seien also 78.125 illegale Kopien im Umlauf.

Rechnen wir weiter …

Gehen wir mal davon aus, unseer böser Filesharer wäre ein Schüler. Der hat um Mitternacht (der einfacheren Rechnung wegen) einen Download gestartet, den Computer angelassen und dann vergessen. Er merkt dies erst als er am Abend – nach Schule und einem kleinen Chill-out mit Freunden heimkommt – sagen wir gegen 18:00 Uhr. (Kleine Rundungsfehler bitte ich in der nachfolgenden Aufstellung zu verzeihen.)

Zeit Anzahl illegaler Kopien

9 Uhr 390.625 10 Uhr 1.953.125 11 Uhr 9.785.625 12 Uhr 48,828 Mio 13 Uhr 244,140 Mio 14 Uhr 1,220 Mrd. 15 Uhr 6,1035 Mrd. 16 Uhr 30,5175 Mrd. 17 Uhr 152,587 Mrd. 18 Uhr 3,8147 Billionen!

Mit anderen Worten hätte schon gegen 15 Uhr eigentlich jeder Bürger der Welt eine illegale Raubkopie des Werks. Gegen 18:00 Uhr, wo unser fiktiver Schüler nach Hause kommt, hätte er schon jedem Weltbürger 500 illegale Kopien des selben Musiktitels zukommen lassen.

Was wir nicht berücksichtigt haben

1. Der Rechner wird früher ausgeschaltet. Die Berechnung der RAe Waldort endet ja nach 7 Stunden. Schaltet der o. g. fiktive Schüler und andere Verbreiter also den Rechner aus, ist der Wert der bis dahin verbreiteten Kopien stündlich “nur noch” mit 4 zu multiplizieren. Dann wären mittags 80 Mio, gegen 15 Uhr auch noch 5,12 Mrd und zum frühen Abendbrot um 18:00 Uhr ca. 327,680 Mrd. illegale Kopien im Umlauf. Macht nicht wirklich einen Unterschied.

2. Um Mitternacht war ja nicht nur ein Titel und ein Filesharer im Internet. Es sind 1000-de Titel und – selbst zu der späten Stunde, schon wegen der weltweit verschiedenen Zeitzonen – zahllose Filesharer aktiv. Könnte das entsprechende Datenvolumen überhaupt noch im Internet übertragen werden oder ist das Internet um 18:00 Uhr schon zusammengeborc…

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Themen: Urteile , Schäden , Filesharing , Streitwert , Abmahnungen , Urheber- / Bildrecht , Raubkopie , Abmahnkosten , Lte , Waldorf , Musiktauschbörsen

Erschienen 26. Februar 2010 auf http://www.jur-blog.de.

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