Langzeitarbeitslose sollen Alzheimer-Kranke betreuen

Berlin (Reuters) - Alzheimer-Kranke sollen künftig in Pflegeheimen von Tausenden Langzeitarbeitslosen betreut werden.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) bestätigte am Wochenende, derzeit würden Bewerber für die Arbeit mit den Pflegefällen gesucht. Nach einer Weiterbildung könnten die Menschen als Pflege-Assistenten etwa Demenzkranken vorlesen oder auch für sie einkaufen gehen. Reguläre Pflegekräfte würden aber durch die Langzeitarbeitslosen nicht verdrängt. Dennoch kam von Pflege-Experten und von der Opposition im Bundestag Kritik und Skepsis, ob Langzeitarbeitslose für diese Aufgabe geeignet seien. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) verteidigte den geplanten Einsatz dagegen.

Heime dürfen künftig zusätzliches Personal für Demenzkranke einstellen, wodurch etwa 10.000 Stellen bundesweit geschaffen werden könnten, die über die Pflegeversicherung bezahlt werden. Pro 25 Demenzkranke darf ein Heim eine zusätzliche Pflegekraft einstellen. Bezahlt wird dies aus den Beiträgen zur Pflegeversicherung, die zum Juli angehoben wurden.

Gesundheitsstaatssekretär Klaus Theo Schröder sprach von einer besseren Gesamtversorgung der Kranken durch ein Team aus Pflegekräften und Betreuern. "Es wird nicht Billig-Pflege geben", betonte er in der ARD. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums ergänzte, Ministerin Schmidt sehe eine Chance für die Arbeitslosen, unter denen es viele engagierte und auch solche mit Vorkenntnissen gebe. Der Einsatz werde auf Grundlage einer ausreichenden Schulung geschehen.

Auch aus der Union wurde Unterstützung für die Pläne signalisiert: "Wenn die Menschen für diese Aufgabe qualifiziert sind, ist das in Ordnung", sagte Fraktionschef Volker Kauder der "Bild am Sonntag". Der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sagte, im Vordergrund müsse aber die menschliche Eignung der Bewerber stehen und nicht ihre schwere Vermittelbarkeit.

PFLEGE-EXPERTEN UND OPPOSITION SKEPTISCH

Pflege-Experten äußerten sich dagegen skeptisch: "Demenz gleichzusetzen mit Basteln, Vorlesen und Spazierengehen, ist eine Unverschämtheit", sagte Helmut Wallrafen-Dreisow vom Kuratorium Deutsche Altenhilfe. Die Grünen-Pflege-Expertin im Bundestag, Elisabeth Scharfenberg, kritisierte: "Man muss sich für diesen Beruf entscheiden und kann nicht hinein-entschieden werden." Auch die FDP lehnte den Einsatz ab: "Allein der Umstand der Arbeitslosigkeit ist keine Qualifikation für einen Pflegeberuf", sagte Generalsekretär Dirk Niebel der "Bild am Sonntag". Die Pflege sei zu wichtig für "arbeitsmarktstatistische Scharlatanerie".

Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge ist für die Arbeitslosen von den Krankenkassen eine Ausbildung über 100 Theoriestunden und 60 Praxisstunden plus einigen Praktika geplant. Eine solche Richtlinie solle diese Woche vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) beschlossen werden.



Quelle: Reuters (17. August 2008)

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Themen: Berlin , Alzheimer

Erschienen 17. August 2008 bei http://www.reuters.com.

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