Land drängt weiter auf Ablösung von BayernLB-Chef Kemmer

München (Reuters) - Bayern drängt als Miteigentümer der angeschlagenen BayernLB weiterhin auf die Ablösung von Vorstandschef Michael Kemmer.

Die in der Nacht ergebnislos unterbrochene Krisensitzung zur Zukunft des erst seit einem halben Jahr amtierenden Landesbank-Chefs soll am Freitagmittag fortgesetzt werden. Die Sparkassen, die die andere Hälfte an der BayernLB halten, stehen vorerst hinter dem Vorstand. Kemmer hat wie seine Vorstandskollegen aber das "uneingeschränkte Vertrauen" aller Eigentümer und Kontrolleure eingefordert.

Die Mitarbeiter von Deutschlands zweitgrößter Landesbank stellten sich hinter ihre Führungsriege. Rund 1000 Beschäftigte protestierten am Donnerstagabend lautstark gegen eine Entlassung Kemmers. Er gilt in der Bank als Sympathieträger. Viele Experten trauen ihm zu, das Institut in ruhigeres Fahrwasser zu bringen. In einem Brief schrieb die zweite Führungsebene: "Lieber Herr Dr. Kemmer, Sie stehen für uns als großer Hoffnungsträger, der in dem zurückliegenden halben Jahr als Vorstandsvorsitzender zukunftsweisende Impulse für einen kulturellen Wandel und einen Neuanfang der Bank gesetzt hat."

Kemmer steht erst seit März an der Spitze der Münchner Bank. Der 51-Jährige hatte den Posten von Vorstandschef Werner Schmidt übernommen, der auf Drängen der Landesregierung gehen musste.

An der harten Linie des Freistaats hat sich aber über Nacht nichts geändert: Der scheidende Finanzminister und Verwaltungsratschef der Bank, Erwin Huber (CSU), forderte am Freitag am Rande der Koalitionsgespräche mit der FDP erneut personelle Konsequenzen angesichts der Krise der Bank mit immer neuen Milliardenlöchern. Eine Entscheidung werde im Laufe des Tages fallen. "Keiner macht sich das leicht", sagte Huber. Die Reaktionen der Mitarbeiter würden berücksichtigt.

Huber hatte wegen der Probleme der BayernLB seinen Rücktritt als Chef-Kontrolleur erklärt. Er tritt auch als bayerischer Finanzminister ab.

Auch der designierte Ministerpräsident und Nachfolger Hubers als CSU-Chef, Horst Seehofer, hatte personelle Konsequenzen gefordert. Die Landeschefin des potenziellen Koalitionspartners FDP, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sagte, das Vertrauen in die Informationspolitik der Bank sei massiv beschädigt. Deshalb müsse es auch an anderer Stelle Konsequenzen geben.

BAYERNLB IN TIEFER KRISE

Die BayernLB zapft als erste deutsche Bank den Rettungsfonds des Bundes an. Sie braucht vom Staat 5,4 Milliarden Euro, eine weitere Milliarde soll vom Freistaat und den Sparkassen kommen. Damit versucht sie durch die Finanzkrise zu kommen, die ihr schon Belastungen von weit über fünf Milliarden Euro eingebrockt hat und 2008 zu einem Verlust von drei Milliarden führen dürfte.

- von Christian Krämer und Irene Preisinger -



Quelle: Reuters (24. Oktober 2008)

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Erschienen 24. Oktober 2008 bei http://www.reuters.com.

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