Kundenlotterie

Es stellt nicht automatisch eine unlautere Geschäftspraxis dar, seinen Kunden nach einer bestimmten Zahl von Einkäufen die Teilnahme an einer Lotterie anzubieten. Der Gerichtshof der Europäischen Union entschied heute auf der Grundlage der EU-Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken, dass eine solche Bonusaktion im nationalen Recht nicht ohne Berücksichtigung der besonderen Umstände des Einzelfalls verboten werden darf.

Die europäische Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken hat den Zweck, zu einem reibungslosen Funktionieren des Binnenmarkts und zum Erreichen eines hohen Verbraucherschutzniveaus beizutragen. Sie stellt ein generelles Verbot von unlauteren Geschäftspraktiken auf, die geeignet sind, das wirtschaftliche Verhalten des Verbrauchers zu beeinflussen. Sie stellt zudem Regeln über irreführende und aggressive Geschäftspraktiken auf. Anhang I der Richtlinie enthält eine Liste jener Geschäftspraktiken, die unter allen Umständen unlauter sind.

Dem Urteil lag ein Rechtsstreit über eine Kundenaktion des deutschen Handelsdiscounters Plus zugrunde: Das deutsche Einzelhandelsunternehmen Plus ermunterte im Rahmen seiner Bonusaktion „Ihre Millionenchance“ dazu, bei Plus einzukaufen, um Punkte zu sammeln. Die Ansammlung von 20 Punkten ermöglichte es, kostenlos an bestimmten Ziehungen des Deutschen Lottoblocks, des nationalen Verbands von 16 Lotteriegesellschaften der einzelnen Bundesländer, teilzunehmen. Die deutsche Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs e. V. sah diese Praxis als unlauter im Sinne des deutschen Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) an, nach dem Preisausschreiben und Gewinnspiele mit einer Kaufverpflichtung generell verboten sind. Auf Antrag der Zentrale wurde Plus in erster und in zweiter Instanz verurteilt, diese Praxis zu unterlassen. Der Bundesgerichtshof, der in letzter Instanz über diesen Rechtsstreit zu entscheiden hat, setzte das Verfahren zunäcsht aus und legte dem Gerichtshof der Europäischen Union im Rahmen eines Vorabentscheidungsersuchens die Frage vor, ob die Richtlinie einem Verbot wie dem im UWG aufgestellten entgegensteht.

Mittels eines solchen Vorabentscheidungsersuchens können die Gerichte der Mitgliedstaaten in einem bei ihnen anhängigen Rechtsstreit dem Gerichtshof der Europäischen Union Fragen nach der Auslegung des Unionsrechts oder nach der Gültigkeit einer Handlung der Union vorlegen. Der Gerichtshof der Europäischen Union entscheidet dabei nicht über den nationalen Rechtsstreit, es bleibt Sache des nationalen Gerichts, über die Rechtssache im Einklang mit der Entscheidung des Gerichtshofs zu entscheiden. Diese Entscheidung bindet in gleicher Weise andere nationale Gerichte, die mit einem ähnlichen Problem befasst werden.

In seinem heute verkündeten Urteil stellt der Gerichtshof der Europäischen Union fest, dass die Richtlinie einer nationalen Regelung wie der im UWG vorgesehenen entgegensteht, …

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Wettbewerb , Praxis , IM Brennpunkt , Lotterie

Erschienen 14. Januar 2010 auf http://www.rechtslupe.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Koppelungsverbot Eugh Gewinnspiel: Nicht zwingend wettbewerbswidrig: Verknüpfung des Warenerwerbs mit Teilnahme an einer Lotterie, Preisausschreiben oder Gewinnspiel…

IT-Recht Kanzlei - Nachrichten | 20. Januar 2010 — Der EuGH entschied mit Urteil vom 14.01.2010, Az. C-304/08, dass es nicht automatisch eine unlautere Geschäftspraxis darstelle,…

EuGH: Das deutsche Per-Se-Verbot der Verbindung von Gewinnspiel mit Warenerwerb (§ 4 Nr. 6 UWG) ist rechtswidrig

Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 5. Mai 2010 — EuGH, URteil vom 14.01.2010, Az. C-304/08 Anhang I EU-RL 2005/29/EG Der EuGH hat entschieden, dass eine Geschäftspraxis, na…

EuGH 14. Janaur 2010 Koppelungsverbot: EuGH: Generelles Koppelungsverbot unzulässig

BLOG | MEIN-RECHT-IM-NETZ.DE | 3. Februar 2010 — Mit der Teilnahme an einem Gewinnspiel bewerben viele Unternehmer auch im eCommerce den Verkauf ihrer Waren. Der EuGH hat in seine…

Die EU-Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken und nationales Wettbewerbsrecht

Rechtslupe | 24. April 2009 — Wie der Gerichtshofs der Europäischen Gemeinschaften gestern entschieden hat, dürfen die Mitgliedstaaten keine strengeren als d…

EuGH: § 4 Nr. 6 UWG verstößt gegen EU-Recht

Internet-Law | 14. Januar 2010 — Der Europäische Gerichtshof hat mit Urteil vom heutigen 14.01.2010 (C?304/08) entschieden, dass § 4 Nr. 6 UWG nicht mit der Richtl…

Generalanwältin des EuGH hält deutsches Verbot der Kopplung von Gewinnspiel und Absatz für europarechtswidrig

Dr. Bücker Newsfeed | 9. September 2009 — 1. Die Generalstaatsanwältin beim Europäischen Gerichtshof sieht die Norm des § 4 Nr. 6 UWG, der die Kopplung von Gewinnspiel un…

Wettbewerbszentrale: Entscheidung von grundsätzlicher Bedeutung für den Handel erwartet: Nationales Verbot der Gewinnspielkoppelun…

Dr. Bücker Newsfeed | 8. Juli 2008 — Der BGH hat sich dazu entschieden, die Frage der Vereinbarkeit des deutschen Koppelungsverbots mit der neuen Richtlinie über unlau…

EUGH: Werbung mit Millionenchance

Kurz Pfitzer Wolf | 25. Januar 2010 — Was war passiert? Ende 2004 betrieb die Einzelhandelskette Plus eine Werbekampagne mit der Bezeichnung „Ihre Millionenchance“…

Abhängigkeit eines Gewinnspiels vom Warenkauf

IT-Rechtsinfo | 2. Mai 2011 — In einem Urteil vom 05.10.2010 (Az.: I ZR 4/06) stellte der BGH fest, dass der § 4 Nr. 6 UWG in einigen Fallkonstellationen nicht …

Der Bundesgerichtshof zur Kopplung

Die Werbeansprache | 19. Mai 2011 — Nachdem der Europäische Gerichtshof bereits mit Urteil vom 14.01.2010 die Regelung des § 4 Nr. 6 UWG für nicht vereinbar mit de…