Kraft will nach Duisburger Desaster personelle Folgen

Düsseldorf (Reuters) - Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat nach der Katastrophe bei der Love-Parade mit 20 Toten personelle Konsequenzen gefordert.

Sie habe zur Kenntnis genommen, dass der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland im Amt bleiben wolle, sagte die SPD-Politikerin am Dienstag in Düsseldorf. "Es wird am Ende auch um politische Verantwortung gehen", ergänzte sie bezogen auf heftige Vorwürfe gegen Sauerland, dem vorgeworfen wird, Warnungen in den Wind geschlagen zu haben. Ausdrücklich nahm Kraft die Polizei in Schutz, der Love-Parade-Veranstalter Rainer Schaller eine wesentliche Mitschuld an den Ereignissen am vergangenen Samstag gab.

Sauerland selbst sagte zu Vorwürfen, er habe Warnungen ignoriert, nach denen Duisburg für eine derartige Massenveranstaltung ungeeignet sei: "Mir sind keine Warnungen bekannt." Es gebe bei der Planung solcher Veranstaltungen immer kritische Stimmen, die auch sehr ernst genommen würden, sagte er der "Rheinischen Post". Es sei gewissenhaft geprüft worden, ob die Veranstaltung stattfinden könne. Der CDU-Politiker steht inzwischen unter Polizeischutz. Er war am Sonntagabend bei Besuch der Unglücksstelle ausgebuht worden.

LAND WILL KOMMUNEN KÜNFTIG BEI MASSENVERANSTALTUNGEN HELFEN

Die Ministerpräsidentin kündigte als eine erste Konsequenz an, künftig solle Kommunen bei der Ausrichtung von Massenveranstaltungen geholfen werden. Die Landesregierung werde Einzelheiten dazu noch erarbeiten und einen entsprechenden Vorstoß in der nächsten Bundesinnenministerkonferenz machen.

Nach Angaben Krafts sind alle Opfer der Panik bei Love-Parade erdrückt worden. "Alle 20 Todesopfer sind ein einer Brustdruck-Kompression gestorben, an einer Brustquetschung." Dies habe die Obduktion ergeben. Damit hätten sich frühere Angaben, Stürze hätten die den tödlichen Verletzungen geführt, nicht bestätigt. Kraft vermied zwar eindeutige Schuldzuweisungen, betonte aber, zur tödlichen Panik sei es im Zugangbereich zum Festgelände gekommen. Dort hätten die Veranstalter und die Stadtverwaltung die Verantwortung gehabt und nicht die Polizei.

LOVE-PARADE-VERANSTALTER SIEHT SCHULD BEI DER POLIZEI

Schwere wechselseitige Vorwürfe erhoben Polizei und der Love-Parade-Organisator Schaller. Die Sicherheitskräfte hätten ohne Absprache die Besucher ungehindert in den Tunneleingang strömen lassen, wo es zu dem tödlichen Gedränge gekommen sei, sagte Schaller. "Warum diese Anweisung erfolgte, ist uns nicht bekannt." Dabei habe man zuvor mit der Polizei entschieden, zehn von 16 Zugängen am Tunneleingang wegen drohender Überfüllung des Tunnels zu schließen.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft warf Schaller im Gegenzug vor, von seiner Verantwortung abzulenken und deshalb ein Fehlverhalten bei der Polizei zu suchen. Rettungskräfte und Polizei hätten hervorragend gearbeitet, sagte Gewerkschaftschef Rainer Wendt. "Ohne deren Arbeit gäbe es bestimmt noch mehr Opfer", sagte er Reuters-TV.

Die Staatsanwaltschaft Duisburg ermittelt gegen Unbekannt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung. In der Kritik stehen nicht nur die Polizei, sondern auch Schaller und die Stadt Duisburg. Bei dem Unglück waren 20 Menschen getötet und über 500 verletzt worden.

Kommenden Samstag gibt es in Duisburg eine zentrale Trauerfeier für die Opfer, an der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnehmen will, die dafür ihren Urlaub unterbricht. Erwartet werden neben Bundespräsident Christian Wulff auch zahlreiche Gäste aus dem Ausland. Unter den Todesopfern sind acht Besucher aus dem Ausland. Der Fußballzweitligist MSV Duisburg kündigte ein Benefizspiel für die Hinterbliebenen der Opfer mit dem FC Schalke 04 an.



Quelle: Reuters (27. Juli 2010)

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Themen: Germany , Polizei , Western Europe , Europe , German General News , Domestic Politics , Disasters , China , Politiker , Spain , Italy , Australia , Asia , Netherlands , Love Parade , Hannelore Kraft , Schaller , Leisure Facilities , Living And Lifestyle

Erschienen 27. Juli 2010 bei http://www.reuters.com.

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