Kopten in Deutschland im Visier von Islamisten

Berlin/Kairo (Reuters) - Die rund 6000 in Deutschland lebenden christlich-orthodoxen Kopten sind in das Visier von Islamisten geraten.

Drei Tage nach dem verheerenden Anschlag auf eine koptische Gemeinde im ägyptischen Alexandria wurde am Montag bekannt, dass auch Mitglieder der Glaubensgemeinschaft hierzulande vor Attentaten gewarnt wurden. Ein Sprecher des Bundeskriminalamtes (BKA) sagte, auf einer radikal-islamistischen Internet-Seite seien Drohungen gegen die Kopten in Deutschland entdeckt worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte den ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak auf, für die Sicherheit der koptischen Minderheit in dem muslimischen Land zu sorgen.

Nach Angaben des BKA-Sprechers wurde die Polizei in den Ländern am Heiligabend über die Drohungen im Internet informiert. Diese setzte sich ihrerseits mit den koptischen Gemeinden in Verbindung, deren Mitglieder vielfach aus Ägypten stammen. Daraufhin wandte sich der koptische Bischof Anba Damian schriftlich an das Bundesinnenministerium. In Regierungskreisen hieß es, in dem Brief habe er von Warnungen an vier Gemeinden berichtet. In Frankfurt, München, Bitburg und Hannover habe die Polizei Priester über Anschlagsdrohungen bei den orthodoxen Weihnachtsgottesdiensten in der Nacht vom 6. auf den 7. Januar informiert.

Nach dem Selbstmordanschlag in Alexandria in der Nacht zu Neujahr werde nun eine neue Gefahrenanalyse für Deutschland erstellt, sagte der BKA-Sprecher. Die Ergebnisse würden den Länderpolizeien übermittelt. Diese müssten dann auch über Maßnahmen wie etwa eine besondere Absicherung der orthodoxen Kirchen entscheiden. Bei dem Attentat mit einer Autobombe wurden mindestens 21 Menschen getötet und fast 100 verletzt.

MERKEL FORDERT SICHERHEIT FÜR CHRISTEN IN ÄGYPTEN

Merkel sandte dem ägyptischen Staatsoberhaupt ein Kondolenzschreiben, in dem sie Entsetzen und Abscheu über den Anschlag ausdrückte. "Ich danke Ihnen, dass Ihre Regierung bereits Maßnahmen zum Schutz der koptischen Christen in Ägypten ergriffen hat und bin überzeugt, dass Sie alles in Ihrer Macht stehende tun werden, um derartige Vorfälle in der Zukunft zu verhindern", erklärte die Kanzlerin.

In Ägypten lieferten sich aufgebrachte Kopten am Sonntag Auseinandersetzungen mit der Polizei. Vor der Sankt-Markus-Kathedrale in Kairo verlangten mehrere hundert Demonstranten mehr Schutz für die Christen und warfen der Regierung Feigheit vor. Im November hatte Al Kaida mit Anschlägen auf koptische Kirchen in Ägypten gedroht und Muslime zu Gewalttaten angehalten. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes erklärte Ägyptens Außenminister Abul Gheit, der Anschlag auf die Kopten sei ein Anschlag auf das gesamte ägyptische Volk.

Das Entwicklungshilfeministerium wies in Berlin Vorstöße zurück, die Bewilligung von Hilfsmitteln an die Bedingung zu knüpfen, Christen dürften nicht verfolgt werden. Unionsfraktionschef Volker Kauder hatte zuvor im Deutschlandfunk gefordert, Deutschland müsse mehr Druck auf Ägypten ausüben. Es müsse auch über die Entwicklungshilfe diskutiert werden. Auch der parlamentarische Geschäftsführer der grünen Bundestagsfraktion, Volker Beck, erklärte in der "Frankfurter Rundschau", die Bundesregierung habe ihre Möglichkeiten zur Einflussnahme noch nicht ausgeschöpft.



Quelle: Reuters (3. Januar 2011)

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Themen: Deutschland , Berlin , Germany , Frankfurt , Western Europe , Europe , Hannover , Sprecher , Bundesinnenministerium , Angela Merkel , Christen , Bischof , Kairo , Egypt , Middle East , Crime , German Language - General , Government / Politics , Civil Unrest , International / National Security , Diplomacy / Foreign Policy , Religion / Belief

Erschienen 3. Januar 2011 bei http://www.reuters.com.

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