Können bereits gezahlte Abmahnkosten bei einem Rechtsmissbrauch später zurückverlangt werden

Der Rechtsmissbrauch ist mittlerweile ein Einwand, der von einer Vielzahl von Inanspruchgenommenen eingewandt wird. Allerdings ist es so, dass dieser Einwand, gemessen an der Zahl der ausgesprochenen Abmahnungen, nur selten durchgreifen wird. Liegen aber dann tatsächlich einmal die Voraussetzungen vor, so fragt es sich, ob beispielsweise entstandene außergerichtliche Kosten des Abgemahnten, beispielsweise bei Inanspruchnahme anwaltschaftlicher Hilfe, zu erstatten sind. Dabei ist aber zu beachten, dass grundsätzlich bei einer unbegründeten Abmahnung solche Kosten nicht erstattungsfähig sind, da der Erhalt einer Abmahnung, und damit die Konfrontation mit Ansprüchen, nach der Rechtsprechung in das allgemeine Lebensrisiko fällt und deshalb eine Erstattungsfähigkeit grundsätzlich verneint wird. Anders sieht die Rechtslage aus, wenn beispielsweise eine vorsätzliche sittenwidrige Schädigung oder ein Betrug vorliegt, was dann vorliegen kann, wenn eine Berechtigung zur Abmahnung offensichtlich nicht vorlag. Der nachfolgende Fall beschäftigt sich mit der Frage, ob beim Durchgreifen des Rechtsmissbrauchseinwands eine Erstattung von bereits gezahlten Beträgen infrage kommt.

1. Das Landgericht Bochum hatte jetzt einen Fall zu entscheiden, dem folgender Sachverhalt zugrunde liegt: Beide Kontrahenten wären Onlinehändler im Bereich Autozubehör. Der spätere Kläger mahnte die spätere Beklagte zunächst wegen einer fehlerhaften Grundpreisangabe ab. Als die spätere Beklagte hierauf nicht reagierte, wurde der mutmaßliche Anspruch im Rahmen einer einstweiligen Verfügung durchgesetzt, die diesem auch zugestellt wurde. Kurze Zeit später mahnte der spätere Kläger die spätere Beklagte wegen mutmaßlicher weiterer Wettbewerbsverstöße ab. Als hierauf auch keine Reaktion erfolgte, wurden auch diese mutmaßlichen Ansprüche mit einer einstweiligen Verfügung durchgesetzt, die ebenfalls zugestellt wurde. Nachfolgend zahlte die spätere Beklagte insgesamt 3.561,81 €, welche aus den Abmahnkosten und den Gerichtskosten bestanden. Als der noch ausstehende Betrag von der späteren Beklagten nicht ausgeglichen wurde, beantragte der Kläger mit seiner Klage die Kostenerstattung, wobei die Klage der Höhe nach später teilweise zurückgenommen wurde. Daraufhin beantragte die Beklagte, die Klage abzuweisen und erhob ihrerseits Widerklage mit dem Ziel, dass der Kläger seinerseits die bereits gezahlten Kosten erstattet. Gestützt wurde dabei die Widerklage darauf, dass der Kläger rechtsmissbräuchlich gehandelt habe, da einerseits die gesetzten Fristen in den Abmahnungen nach Angabe des Klägers nicht verlängerbar seien, dass die Vertragsstrafe auch bei nichtschuldhafter Zuwiderhandlung fällig sein sollte und das die Frist zur Zahlung mit dem Tag der Abgabe der Unterwerfung zusammenfiel. Darüber hinaus sei die Abmahntätigkeit des Klägers in einem solchen Ausmaß erfolgt, dass diese nicht mehr im Verhältnis zur eigenen Ge…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Abmahnung , Betrug , Uwg , Verstoß , Rechtsmissbrauch , Schuldner , Eingriff , Zweck , Verhalten , Gläubiger , Sinn
Rechtsgebiet: Wettbewerbsrecht

Erschienen 19. Februar 2011 auf http://www.blog-fuer-gewerblichen-rechtsschutz.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Ist eine Gegenabmahnung zulässig?

Blog für Gewerblichen Rechtsschutz | 3. November 2011 — Bekommt ein Onlinehändler eine wettbewerbsrechtliche Abmahnung eines Mitbewerbers, stellt sich oft die Frage, ob seinerseits …

Filesharing: Haftung bei P2P-Verletzungen und Kosten

Blog für Gewerblichen Rechtsschutz | 24. April 2011 — Über Abmahnungen im Rahmen von mutmaßlichen Urheberrechtsverstößen über sogenannte Per-to-Per-Plattformen wird viel berichtet…

Serie: Die rechtsmissbräuchliche Abmahnung. Folge 4

IT-Prozessrecht | 22. Juli 2010 — LG Bochum, Urteil vom 05.05.2010, Az.: I-13 O 217/09 Das Landgericht Bochum attestierte in einem aktuellen Fall einem Abmahne…

Ist die gesonderte Abmahnung von GmbH und Geschäftsführer rechtsmissbräuchlich?

Blog für Gewerblichen Rechtsschutz | 30. Januar 2011 — Im Rahmen von Abmahnungen, mit dem der mutmaßliche Gläubiger seine Rechte zunächst außergerichtlich durchzusetzen versucht, w…

Urheberrecht: 1000 € Schadensersatz für Urheberverletzung bei einem Film

Blog für Gewerblichen Rechtsschutz | 11. Mai 2011 — Bei Abmahnungen wegen Rechtsverletzungen, insbesondere bei der Verletzung von Urheberrechten im Internet über sogenannte Peer…

Die Verwirkung der Vertragsstrafe aus einer Unterlassungserklärung, die nicht angenommenen wurde

Blog für Gewerblichen Rechtsschutz | 13. April 2011 — Immer wieder treten Probleme im Zusammenhang mit einer Vertragsstrafe auf. Einerseits liegt das Problem darin, ob ein bestimm…

Rechtsmissbrauch durch vorformulierte Unterlassungserklärung?

Blog für Gewerblichen Rechtsschutz | 6. Juni 2011 — Gemäß § 8 IV UWG führt der Rechtsmissbrauch dazu, dass keine Ansprüche des Mitbewerbers gegenüber dem anderen Mitbewerber gel…

Ist die Einschaltung eines Prozessfinanzierers rechtsmissbräuchlich

Blog für Gewerblichen Rechtsschutz | 22. Februar 2011 — Gemäß § 8 IV UWG kann einem Unterlassungsanspruch entgegen gehalten werden, dass dieser rechtsmissbräuchlich geltend gemacht …

Die Zuständigkeit eines Gerichts bei einer verwirkten Vertragsstrafe

Blog für Gewerblichen Rechtsschutz | 6. April 2011 — Nachdem eine strafbewehrte Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung abgegeben wurde und der Verstoß erneut begangen wird, k…

Die Umwandlung des Zahlungsanspruches zum Freistellungsanspruch

Blog für Gewerblichen Rechtsschutz | 6. März 2012 — Lässt ein mutmaßlicher Gläubiger einen Verstoß gegenüber einem mutmaßlichen Schuldner abmahnen, kommt es zwischen den beteili…