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Kölner Oberstaatsanwalt aus Angst vor Racheakt eines Verurteilten abgetaucht

am 28.04.2007 von strafblog

Auch Staatsanwälte sind nur Menschen und hängen in der Regel an ihrem Leben. Wenn dieses bedroht ist, können sie es - wie jeder Andere auch - mit der Angst zu tun bekommen. Der Kölner Stadtanzeiger berichtet in seiner Online-Ausgabe über den Kölner Oberstaatsanwalt Jürgen Botzem, der vor 6 Jahren dafür gesorgt hat, dass der türkische Rotlichtpate Necati A. zu einer Freiheitsstrafe von 9 Jahren verurteilt wurde. A. werde in Kürze nach Verbüßung von zwei Dritteln seiner Strafe freigelassen und habe Rache geschworen. Bereits 2003 hatte ein V-Mann der Polizei berichtet, A. habe einen Killer aus Duisburg namens “Erol” auf Botzem angesetzt. Der Killer wurde zwar nicht gefunden, dafür wurde Botzems Wohnhaus aber mit Panzerglas “zur Festung ausgebaut” und der Staatsanwalt erhielt Personenschutz. Anfangs habe dieser die Bedrohung noch als “Theater” abgetan, sei dann aber zunehmend “müde und deprimiert” gewesen. Nach internen Streitigkeiten habe sein Behördenleiter ihn versetzen wollen. Seit Oktober 2004 ist Botzem wegen psychischer Probleme dienstuntauglich geschrieben. “Das ist kein Leben mehr, das ist die Hölle, ein Gefängnis”, soll er sich geäußert haben.
Sein Erzfeind Necati A. soll in den letzten Jahren in der Haft unter anderem geäußert haben, er sei nachtragend und habe eine Liste gemacht. “Wenn ich rauskomme, werde ich ein paar Leute Dings machen”, wird er zitiert. Und: “Ich werde alle wegmachen, die mir Stress machen. Ich schwöre es.” Neben Botzem, auf den er einen besonderen Hass verspüre, stünden auch die Kripo-Beamten, die ihn enttarnten, und Konkurrenten aus dem kriminellen Milieu auf seiner Liste.
Einige dieser Sprüche sind abgehört worden und haben zu einem Antrag auf nachträgliche Sicherungsverwahrung geführt. Hierzu ist es aber nicht gekommen. A. habe seine Ankündigungen nicht ernst gemeint und nur angeben wollen, hätte seine Anwälte vorgetragen. Außerdem stellte sich heraus, dass einige der von der Polizei übersetzten Zitat nicht korrekt waren. Die Staatsanwaltschaft zog ihren Antrag auf nachträgliche Anordnung von Sicherungsverwahrung daraufhin zurück.
Der Oberstaatsanwalt hat inzwischen das gemacht, was man ansonsten bisweilen von verfolgten Straftätern hört. Er ist abgetaucht und hält sich mit seiner Frau an unbekanntem Ort im Ausland auf. Aus Sicherheitsgründen wechsele er ständig seinen Aufenthaltsort, habe der ehemalige Topermittler dem FOCUS am Freitag in einem Telefonat bestätigt, heißt es in dem Beitrag.

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