Koalition plant Verhandlungen über neuerliche verdachtslose Vorratsdatenspeicherung

Die schwarz-gelbe Koalition will in Kürze über eine neuerliche verdachtslose Vorratsspeicherung unserer Verbindungsdaten beraten. Dies geht aus einem Schreiben des FDP-Bundestagsabgeordneten und Berichterstatters in Sachen Vorratsdatenspeicherung Christian Ahrendt vom 12.09.2011 hervor. Mit diesem Schreiben antwortet Herr Ahrendt für alle FDP-Abgeordneten auf einen Offenen Brief von vierzehn Personen aus Zivilgesellschaft, „Netzgemeinde“, Journalismus, Recht und Wissenschaft mit dem Titel „Intelligente Strategien für ein sicheres Netz – IP-Vorratsdatenspeicherung stoppen!“.

Christian Ahrendt verteidigt in seiner Antwort die FDP-Befürwortung einer Vorratsspeicherung aller Internet-Verbindungsdaten, die er nun „Mindestspeicherfrist“ nennt. Gleichzeitig spricht er sich gegen eine Umsetzung der EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung zum jetzigen Zeitpunkt aus. Allerdings stünden „Verhandlungen um die Vorratsdatenspeicherung“ an.

Hier das Schreiben im Wortlaut:

ich danke Ihnen und den weiteren Verfassern für Ihr ausführliches Schreiben vom 10. Juni und vom 20. Juli 2011. Ihre Ausführungen habe ich mit Interesse zur Kenntnis genommen. Als Berichterstatter ist es mir daher auch ein persönliches Anliegen Ihnen im Namen der FDP-Bundestagsfraktion zu antworten.

Sie sprechen ein Thema an, das uns seit geraumer Zeit beschäftigt. Dabei kritisieren Sie die Vorgaben der EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung, das Eckpunktepapier des Bundesjustizministeriums vom Januar 2011 und den Diskussionsentwurf vom Juni 2011. Zunächst ist anzumerken, dass gerade auf nationaler Ebene bei der Umsetzung europäischen Rechts genau geprüft werden muss, in welchem Rahmen die Vorratsdatenspeicherung überhaupt möglich sein kann, ohne das Grundgesetz zu verletzen. Hier muss über die Erhebung und Speicherung ebenso wie über die Frage der Nutzung wofür und durch wen genau beraten werden. Auch muss die Sicherheit von Daten, sofern diese überhaupt erhoben werden, gewährleistet sein; dies hat das Bundesverfassungsgericht deutlich klargestellt. Der Umgang mit anlasslos gespeicherten Telekommunikationsdaten wurde erfreulicherweise vom Bundesverfassungsgericht engst begrenzt und strikten verfassungsrechtlichen Anforderungen unterworfen. Insbesondere darf eine Datenverwendung zum Zwecke der Strafverfolgung und der Gefahrenabwehr nur für überragend wichtige Aufgaben des Rechtsgüterschutzes, wie z. B. Terrorismusbekämpfung, erfolgen.

Wie notwendig die Umsetzung auch ist, hat der Bewertungsbericht der Europäischen Kommission zur Richtlinie über die Vorratsdatenspeicherung gezeigt, der viele Schwächen der Richtlinie und eine uneinheitliche Umsetzung in der EU aufgezeigt hat. Der Bewertungsbericht wird jetzt eine Rolle bei möglichen Entscheidungen zur Änderung der Richtlinie spielen, bei der ernsthaft alle Optionen, einschließlich der Möglichkeit der…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Juristisches , Datenschutz IM Staatssektor , Metaowl-watchblog , Vorratsdatenspeicherung , IP , Journalismus , Wissenschaft , Fdp , Ip-vorratsdatenspeicherung

Erschienen 15. September 2011 auf http://www.daten-speicherung.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Sebastian Blumenthal (FDP) für IP-Vorratsdatenspeicherung

Daten-Speicherung.de - minimum data, maximum privacy | 8. September 2011 — „Intelligente Strategien für ein sicheres Netz – IP-Vorratsdatenspeicherung stoppen!“ – diesen Brief haben im Juni vierzehn P…

Eilentscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Vorratsdatenspeicherung

maas_rechtsanwälte | 28. März 2008 — Das Bundesverfassungsgericht hat am 11. März 2008 eine Eilentscheidung zu der umstrittenenen Vorratsdatenspeicherung beschlosse…

Union: FDP muss im Streit um Datenspeicherung einlenken

Reuters | 20. November 2010Berlin (Reuters) - Angesichts der erhöhten Anschlagsgefahr hat die Union die FDP aufgefordert, ihren Widerstand gegen die Vor…

Europäische Kommission will Pflicht zur Vorratsdatenspeicherung neu prüfen

dennisheinemeyer.eu | 28. Februar 2010 — Kurz vor dem am Dienstag erwarteten Urteil zur Vorratsdatenspeicherung des Bundesverfassungsgerichts hat die Kommission der Eur…

Verhüllungsaktion des AK Vorratsdatenspeicherung

walfischbucht | 8. November 2007 — Am Tag vor der Entscheidung des Deutschen Bundestages über die Einführung einer sechsmonatigen Erfassung aller Verbindungsdaten in…

EU-Kommission verlangt Vorratsdatenspeicherung in Deutschland innerhalb vier Wochen

Datenschutzticker.de | 21. März 2012 — Soviel Zeit bleibt Deutschland, um eine Klage der Europäischen Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof abzuwenden. Dieser S…

Eilantrag gegen Vorratsdatenspeicherung

Handakte WebLAWg | 31. Dezember 2007 — Die vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung initiierte Verfassungsbeschwerde gegen die sechsmonatige Speicherung aller Verbi…

Anwälte gegen Vorratsdatenspeicherung

LawBlog | 14. Dezember 2009 — Morgen verhandelt das Bundesverfassungsgericht über Verfassungsbeschwerden gegen die Vorratsdatenspeicherung. Der Deutsche Anwa…

Vorratsdatenspeicherung 2.0 getarnt als Quick Freeze

Datenschutzbeauftragter | 12. Oktober 2010 — Am 02. März 2010 hat das Bundesverfassungsgericht die bis dahin geltende Regelung zur Vorratsdatenspeicherung „kassiert“. Som…

Vorratsdatenspeicherung – EU-Kommission verstärkt den Druck auf die Koalition

For..Net | 18. April 2011 — Wie der SPIEGEL berichtet, hat sich nun auch die Europäische Kommission zum anhaltenden Streit der schwarz-gelben Koalition ü…