Klausurklassiker: Der Rose-Rosahl-Fall
In unserer “Klausurklassiker”-Reihe widmen wir uns heute dem mittlerweile über 150 Jahre alten Rose-Rosahl-Fall, der das Problem behandelt, wie sich ein error in persona auf den unmittelbaren Täter und auf den Anstifter auswirkt. Zu entscheiden hatte diesen Fall einst das preußische Obertribunal.
SachverhaltDer Holzhändler Rosahl aus Schiepzig versprach dem Arbeiter Rose, ihn reichlich zu belohnen, wenn er den Zimmermann Schliebe aus Lieskau erschösse. Rose legte sich daraufhin zwischen Lieskau und Schiepzig (nahe Halle) in den Hinterhalt, um Schliebe, den er genau kannte, aufzulauern. Während der Dämmerung sah er einen Mann des Weges daherkommen. Diesen erschoss er, da er ihn für Schliebe hielt. In Wirklichkeit war es der 17-jährige Kantorssohn Harnisch.
Die Lösung des PrObTr und des BGHDas Preußische Obertribunal verurteilte Rose wegen Mordes und Rosahl wegen Anstiftung zum Mord. Der error in persona sei ein unbeachtlicher Motivirrtum, der den Tatvorsatz nicht ausschieße. Gleiches gelte für den Anstifter.
Der BGH hat im ähnlich gelagerten Hoferben-Fall (BGHSt 37, 214) diese Lösung bestätigt: Der Irrtum des Täters über die Person des Tatopfers sei für den Anstifter unbeachtlich ist, da die Verwechslung des Opfers durch den Täter innerhalb der Grenzen des nach allgemeiner Lebenserfahrung Voraussehbaren liege.
Die LiteraturIn der Literatur wird die Rose-Rosahl-Konstellation unterschiedlich bewertet:
Die Vertreter der sog. Unbeachtlichkeitstheorie folgen der Rechtsprechung des PrObTr und werten einen error in persona beim unmittelbaren Täter als unbeachtlich für den Anstiftervorsatz. Der Anstifter müsse – da er beim Angestifteten den Tatenschluss hervorgerufen hat – für dessen Irrtum haften.
Einschränkender sehen die Vertreter der Wesentlichkeitstheorie die Rose-Rosahl-Problematik. Wenn sich der error in persona beim unmittelbaren Täter als eine wesentliche Abweichung vom Vorsatz des Anstifters darstelle, sei dieser beachtlich und lasse den Vorsatz beim Anstifter entfallen.
Für die Vertreter der sog. “Aberratio-ictus-Theorie” stellt der error in persona beim unmittelbaren Täter aus der…
» Vollständiger ArtikelThemen: Irrtum , Arbeiter , Vorsatz , Aberratio Ictus , Anstiftung , Error IN Persona , Rose-rosahl , Rose Rosahl Fall Lösung
Erschienen 15. November 2009 auf http://www.examensrelevant.de.
Rose Rosahl Fall: Strafrechts-Klassiker: Der Rose-Rosahl-Fall (Preußisches Obertribunal, GA 7, 322)
Juraexamen.info | 29. Juli 2009 — Einordnung/Examensrelevanz: Der Rose-Rosahl-Fall ist einer der Klassiker zum sog. error in persona. Problematisch ist hier vo…
Nina jurakelt einen grundlegenden Rechtsbegriff: Error in persona
Juraculix | 16. März 2012 — Justitia Jurist © Sandor Jackal - Fotolia.com_.jpg Irren ist menschlich – und wenn man über Menschen irrt, dann kann das unter…
Rose Rosahl: Rose-Rosahl? Hier im Volltext…
Jurakopf | 8. Februar 2009 — Wie ich gerade erfahre, rühmt sich ein bekannter Repetitor angeblich als einziger den oben benannten Fall in digitaler und lesb…
Liste der Fallbeispiele in der Rechtswissenschaft
Jurakopf | 20. Mai 2008 — Als Jurist lernt man weder Urteile noch den gesetzestext auswendig - keine Frage. Dennoch gibt es einige (wenige) Urteile, die …
Error IN Persona Aberratio Ictus Hausarbeit: Irrtümer – error in persona, aberratio ictus – Basics
Gedankensalat | 1. Juli 2010 — Eine Abweichung des vorgestellten vom tatsächlichen Kausalverlauf ist zwar grundsätzlich unbeachtlich, wenn die Abweichung sich…
Schöffin muss der deutschen Sprache mächtig sein
examensrelevant.de | 5. Februar 2011 — Am 26. Januar hat der BGH (Az: 2 StR 338/10) entschieden, dass ein Verfahren unter Mitwirkung einer nicht deutsch sprechenden…
Gekreuzte Mordmerkmale: "Gekreuzte Mordmerkmale"
Handakte WebLAWg | 25. März 2005 — Ein gerade für die Ausbildung lehrreiches und bedeutsames Urteil ist die für BGHSt ausgewählte Entscheidung BGH 2 StR 229/04 vo…
Aberratio ictus und dolus alternativus
Handakte WebLAWg | 27. März 2009 — Im Ergebnis ist die Entscheidung richtig. Wer, im Umgang mit Hiebwaffen ungeübt, mit einer Axt auf einen Kopf zielt, der sich t…
185 Stgb Asozial: "Monatelang muss man sich hier solch asoziales Verhalten von Dir Arschloch gefallen lassen"
Statt aller | 12. März 2008 — Diese Zeilen fanden den Weg in meinen Briefkasten. Leider hat sich bisher keiner meiner Hausbewohner zu dem Schreiben bekannt - wo…
Kanzlei für Unternehmensnachfolge jetzt auch in Berlin
Unternehmensnachfolge | 29. November 2011 — ROSE & PARTNER LLP., Kanzlei für Unternehmensnachfolge aus Hamburg, ist seit dem 1. November 2011 auch in Berlin mit einem Bür…

