Der Kirschkern
Rechtsanwalt Hänsch, Dresden | 22. September 2009 — Der Kläger beansprucht von der Beklagte, die eine Bäckerei und Konditorei betreibt, Ersatz materiellen und immateriellen Schade…
Der Kläger des vom Bundesgerichtshofs entschedenen Falles erwarb in einer Bäcker einen Kirschtaler, ein Gebäckstück mit Kirschfüllung und Streuselbelag. Manch einer hat Glück, so auch der Kläger und biss auf einen eingebackenen Kirschkern. Er verlor einen Teil des oberen linken Eckzahnes und begehrte nun von der Bäckerei den für die Zahnprothese angefallenen Eigenanteil und ein angemessenes Schmerzensgeld. Das Amtsgericht gab dem Kläger in der ersten Instanz Recht. Die Berufung der Bäckerei wurde vom Landgericht zurückgewiesen. Der Bundesgerichtshof wies die Klage auf die vom Landgericht zugelassene Revision hin ab.
Einschlägig ist § 3 Abs. 1 ProdHaftG. Ist die Ware für den Endverbraucher bestimmt, muss sie erhöhten Sicherheitsanforderungen genügen, die auf Wissen und Gefahrsteuerungspotential des durchschnittlichen Konsumenten Rücksicht nehmen. Zur Gewährleistung der erforderlichen Produktsicherheit hat der Hersteller diejenigen Maßnahmen zu treffen, die nach den Gegebenheiten des konkreten Falles zur Vermeidung bzw. Beseitigung einer Gefahr objektiv erforderlich und nach objektiven Maßstäben zumutbar sind.
Bei Anwendung dieser Grundsätze ist der Kirschtaler nicht als fehlerhaft anzusehen, so der BGH.
Entscheidend sei hierbei allerdings nicht, dass es sich bei der Kirschfüllung um ein Naturprodukt handelt. Auch bei Naturprodukten könne der Verbraucher davon ausgehen, dass der Hersteller von dem Naturprodukt ausgehenden Gesundheitsrisiken erkenne und beseitige, soweit dies möglich und zumutbar sei.
Allerdings könne bei einer aus Steinobst bestehenden Füllung eines Gebäckstücks nicht ganz ausgeschlossen werden, dass in seltenen Fällen auch einmal ein Kern oder kleinere Teile hiervon enthalten sei. Eine vollkommene Sicherheit könne nach Auffassung des BGH nur erreicht werden, wenn der Hersteller entweder die Kirschen durch ein engmaschiges Sieb drücken würde, wodurch nur Kirschsaft hervorgebracht würde, mit dem die Herstellung eines Kirschtalers nicht möglich wäre, oder wenn er jede einzelne Kirsche auf eventuell noch vorhandene Kirschs…
» Vollständiger ArtikelErschienen 26. April 2009 auf http://www.ra-braune.de/Wordpress.
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