Kirche entschuldigt sich für Kindesmissbrauch
Reuters | 22. Februar 2010 — Freiburg (Reuters) - Die katholische Kirche in Deutschland hat sich bei den Opfern von Kindesmissbrauch entschuldigt und will i…
Freiburg (Reuters) - Im jüngsten Skandal um Kindesmissbrauch durch Geistliche hat die katholische Kirche in Deutschland erste Konsequenzen gezogen.
Die Bischofskonferenz ernannte am Donnerstag den Trierer Bischof Stephan Ackermann zum Sonderbeauftragten für alle Fragen im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch. Zudem soll eine bundesweite Hotline eingerichtet werden. "Wir wollen eine ehrliche Aufklärung, frei von falscher Rücksichtnahme," erklärte die Bischofskonferenz zum Abschluss ihrer Frühjahrsversammlung. Das gelte auch für Missbrauchsfälle, die schon lange zurücklägen. "Die Opfer haben ein Recht darauf."
Die Bischöfe entschuldigten sich erneut bei den Opfern und kündigten an, die seit 2002 geltenden Leitlinien zur Verhinderung solcher Verbrechen bis zum Sommer überarbeiten zu wollen. So werde geprüft, ob das in den Bistümern bestehende Netz von Ansprechpartnern und Ombudsleuten noch verbessert werden könne. "Besondere Bedeutung hat für uns auch die frühzeitige Einschaltung der Staatsanwaltschaften", hieß es.
Um weitere Missbrauchsfälle zu verhindern, will die katholische Kirche künftig enger mit Opfer-Organisationen und staatlichen Einrichtungen zusammenarbeiten. "Wir wollen von ihnen lernen und zeitnah das Gespräch suchen", teilten die Bischöfe mit. Auch bei der Auswahl des Kirchenpersonals müsse das Problem stärker berücksichtigt werden. "Zur Prävention gehört eine entsprechend sorgfältige Ausbildung der künftigen Priester." Der Zölibat sei aber nicht Schuld an den Verbrechen. Stattdessen solle geprüft werden, ob den Weihekandidaten "noch bessere Hilfen zur Stärkung der psychosexuellen Reife" angeboten werden könnten.
Ausgelöst wurde der jüngste Skandal durch das Bekanntwerden von Missbrauchsfällen am Berliner Canisius-Kolleg, das vom Jesuiten-Orden geführt wird. Der "Spiegel" hatte am Wochenende berichtet, inzwischen seien Missbrauchsfälle an mindestens sechs weiteren katholischen Schulen und Einrichtungen bekannt.
Erschienen 25. Februar 2010 bei http://www.reuters.com.
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