Kindliches Trauma durch ein Singspiel?

Nicht für jede tatsächliche oder behauptete Schädigung gibt es einen Verantwortlichen, der schadenersatzpflichtig ist. Einen besonders phantasiereichen Fall des Suchens nach einem Schuldigen fand sich jetzt beim Oberlandesgericht Bamberg ein:

Ein Kind, das mit seinem Vater an einem Zeltlager teilgenommen hatte, verklagte erfolglos den Zeltlagerveranstalter. Der damals siebenjährige Kläger behauptete durch ein pädagogisch nicht vertretbares Singspiel ein schweres Trauma erlitten zu haben. Nach Auffassung des Gerichts war der Eintritt eines Traumas durch das Singspiel für die Verantwortlichen des Zeltlagers jedenfalls nicht vorhersehbar. Der minderjährige Kläger, der durch seine Eltern vertreten wurde, wollte vom Veranstalter eines Zeltlagers, an dem er mit seinem Vater teilgenommen hatte, Schmerzensgeld in Höhe von mindestens 5.000,00 € einklagen. Der Kläger behauptete, ein Singspiel, bei dem sein Vater mitgewirkt hatte, habe bei ihm ein schweres Trauma ausgelöst. Im Rahmen dieses Singspiels wurde der Vater des Klägers von einem Mädchen mittels „Fingerpistole“ schauspielerisch erschossen. Der Kläger und seine Eltern vertraten die Ansicht, dass er dadurch ganz erhebliche psychische Beeinträchtigungen erlitten habe. Der Zeltlagerveranstalter verteidigte sich damit, dass das Singspiel seit Jahrzehnten ohne gesundheitliche Beeinträchtigung für Teilnehmer oder Zuschauer aufgeführt werden konnte. Auch hätten die anderen Teilnehmer am Zeltlager nach dem Singspiel weder am Kläger noch an seinem Vater eine nachteilige Veränderung feststellen können.

Das erstinstanzlich mit dem Fall befasste Landgericht Coburg wies die Schmerzensgeldklage ab, weil es ein Verschulden hinsichtlich der Verantwortlichen des Singspiels nicht erkennen konnte. Für ein Verschulden ist es erforderlich, dass die Verantwortlichen die Gefahr eines Traumas bei einem Siebenjährigen durch das Singspiel erkennen können. Dies hat das Gericht unter Berücksichtigung der Einzelheiten des Falles bei dem über viele Jahre beanstandungsfrei aufgeführten Singspiels verneint. Auf die Frage, ob das Kind tatsächlich eine posttraumatische Belastungsstörung erlitten hatte, kam es nicht mehr an.

Auch im Berufungsverfahren vor dem Oberlandesgericht Bamberg hatten die Eltern keinen Erfolg: Das Oberlandesgericht Bamberg machte deutlich, bei Kindern im Alter von sieben Jahren…

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Themen: Schmerzensgeld , Coburg , Posttraumatische Belastungsstörung
Rechtsgebiet: Zivilrecht

Erschienen 8. März 2011 auf http://www.rechtslupe.de.

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