Kiener: "Keinesfalls ein Schneeball-System"

Am 7. Verhandlungstag im Prozess um seine mutmaßlichen Millionen-Betrügereien musste Helmut Kiener Farbe bekennen: Am Mittwoch beantwortete der Hedgefonds-Manager aus Aschaffenburg erstmals Fragen des Gerichts, nachdem seine Verteidiger eine ausführliche Stellungnahme des 51-Jährigen zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft verlesen hatten.

In dem schwarzen Nadelstreifenanzug, den er erstmals vor Gericht trug, war Kiener schon einmal in der Öffentlichkeit zu sehen: 2007, bei einer Weihnachts-Gala des Würzburger Musiker-Stammtisches, stand er damit vor großem Publikum als Sänger in der s.Oliver-Arena in Würzburg auf der Bühne.

Seine angekündigte ausführliche Aussage, fein säuberlich ausgedruckt auf 33 Seiten, trug der Diplom-Psychologe nicht selbst vor, sondern ließ seine beiden Verteidiger lesen. Es kam offenbar auf jedes einzelne Wort an: Jede Ungenauigkeit beim Verlesen des Dokuments – es gab einige – korrigierte Kiener sofort.

Viel Neues war darin im Vergleich zu seinem Teilgeständnis vor drei Wochen nicht enthalten. Ein Kernsatz: Seine Fonds seien „keinesfalls als Schneeballsystem angelegt“ gewesen, betont der Angeklagte. Vielmehr seien die Gelder seiner Kunden „in bis zu 100 verschiedene Fonds investiert“ worden. Auch mit anderen Passagen der Anklage ist der 51-Jährige ganz und gar nicht einverstanden. So sollen die mit dem Geld seiner Investoren gekauften beiden Flugzeuge und ein Hubschrauber in erster Linie dazu gedient haben, durch Vermietung Gewinne zu erwirtschaften: „Ich bestreite, dass die Flugzeuge nur von mir genutzt wurden. Selbstverständlich war eine Gewinnerzielung beabsichtigt. Außerdem habe ich alle Flüge bezahlt.“

Nicht mehr ganz so entspannt und selbstsicher wie im bisherigen Prozessverlauf wirkte Kiener, als er sich am Nachmittag den Fragen des Gerichts stellen musste. Um Verluste zu verschleiern und den Anlegern weiterhin Gewinne vorzutäuschen, fälschte er die monatlichen Finanzstatements seiner beiden Fonds. Die Dokumente faxte er dann an die Schweizer Buchführungsfirma, die die Anleger über die Entwicklung ihrer Investments informierte. Der Geschäftsführer der Firma, der 43-jährige Anwalt Claus Z., sitzt zusammen mit Kiener auf der Anklagebank. Er will von den Fälschungen nichts mitbekommen haben und beteuert seine Unschuld.

Wie der Dialog Kieners mit den Richtern zeigte, waren die einzelnen Fälschungen aber offenbar nicht besonders raffiniert und wären bei genauerer Überprüfung wohl aufgeflo…

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Themen: Juristisches , Musiker

Erschienen 6. Mai 2011 auf http://www.woetzel-online.info/.

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