Keine Verwertung nach Verletzung der Belehrungspflichten
am 03.07.2007 von strafprozess
Der BGH orientiert in einer Pressemitteilung über eine Entscheidung zu den Belehrungspflichten der Strafverfolgungsbehörden (Urteil vom 10. Mai 2006 – 3 Ks 21 Js 1896/03, zur Zeit noch nicht vorliegend, später aber hier abrufbar). Aus der Pressemitteilung:
Die Revision des Angeklagten hatte mit einer Verfahrensrüge Erfolg. Der Bundesgerichtshof hat beanstandet, dass die Schwurgerichtskammer bei der Urteilsfindung die Angaben des Angeklagten bei zwei polizeilichen Vernehmungen verwertet hat, bei denen dieser zu Unrecht nicht als Beschuldigter belehrt worden war. Der Angeklagte, der kurz nach der Tat eine Vermisstenanzeige bei der Polizei erstattet hatte, war im folgenden halben Jahr von der Polizei fünfmal als Zeuge vernommen worden, noch bevor in dieser Sache ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts einer Straftat eingeleitet worden war. Die Strafverfolgungsbehörden hatten hiervon abgesehen, weil nach ihrer Beurteilung keine Tatsachen vorlagen, die einen konkreten und ernsthaften Tatverdacht auf Tötungsverbrechen begründet hätten, auf Grund dessen sie sich hierzu verpflichtet gesehen hätten.
Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass die Beurteilung der Verdachtslage durch Staatsanwaltschaft und Polizei zwar nicht zu beanstanden ist, da der Tatverdacht zur Zeit der Vernehmungen weitgehend auf kriminalistischer Erfahrung beruhte. Eine Pflicht zur Beschuldigtenbelehrung habe gleichwohl bestanden, weil die Ermittlungsbeamten bei der ersten der beiden von der Revision angegriffenen Vernehmungen und danach ein Verhalten gezeigt hätten, aus welchem sich für den Angeklagten habe ergeben müssen, dass sie ihm als Beschuldigten begegneten. Ein solcher Verfolgungswille der Ermittlungsbeamten ergebe sich aus dem Ziel, der Gestaltung und den Begleitumständen dieser Vernehmung und einer darauf folgenden Suchmaßnahme mit Leichensuchhunden auf dem Anwesen des Angeklagten. Die Vernehmung …
BGH entscheidet zu Belehrungspflichten der Strafverfolgungsbehörden
Strafsachen, Verkehrsunfälle und andere interessante Dinge / Der BGH hat nach der Pressemitteilung vom 03.07.2007 mit seinem Urteil zum Az. 1 StR 3/07 verdeutlicht, daß einer, der in den Focus der Ermittlungen gerät, rechtzeitig als Beschuldigter zu belehren ist. Anderenfalls sind die Vernehmungen unverwertb…
Belehrungspflichten der Strafverfolgungsbehörden
Vier Strafverteidiger / Die Polizei hatte einen Verdacht. Und vernahm den Verdächtigen trotzdem nicht als Beschuldigten, sondern als Zeugen, der wesentlich weniger Rechte im Ermittlungsverfahren hat als ein Beschuldigter. Dies führte – wegen der fehlenden B…
Zum Recht des Beschuldigten auf konfrontative Befragung des Belastungszeugen
strafblog / Der Bundesgerichtshof hat mit Beschluss vom 29.11.2006 - 1 StR 493/06 -, abgedruckt in StraFo 2007, 111ff., der Revision zweier Angeklagter stattgegeben, die sich einem Vergewaltigungsverfahren dagegen wandten, dass weder sie noch ihre Anwälte Geleg…
Verdeckte Ermittlung c. nemo tenetur
strafprozess / Der Bundesgerichtshof hat ein Urteil kassiert, das auf einem “Geständnis” gegenüber einem verdeckten Ermittler basierte (Urteil vom 26. Juli 2007 - 3 StR 104/07). Aus der Pressemitteilung de BGH: Der Angeklagte hatte gegenüber der Poli…
TAZ: Gericht will Unschuldigen zum Mörder machen
strafblog / Die taz berichtet in ihrer Online-Ausgabe vom 1.8. über einen Strafprozess vor dem Lübecker Landgericht, in dem die Schwurgerichtskammer trotz außerordentlich zweifelhafter Beweislage auf eine Verurteilung des angeklagten Gefängnisausbrechers Joh…
Recht auf Verteidiger - Polizeiliche Belehrungspflicht
strafblog / In einem Beschluss vom 18. Oktober 2005, BGH 1 StR 114/05, hat der BGH einige bemerkenswerte Ausführungen zur polizeilichen Belehrungspflicht gegenüber einem Beschuldigten gemacht, der einer gravierenden Straftat dringend verdächtig ist und vor…
Die Unterrichtung des Angklagten i.S. von § 247 S. 4 StPO per Videosimultanübertragung
LAWgical / Bei der Einführung der Videosimultanübertragung in das deutsche Strafprozessrecht hatte der Gesetzgeber das Bild vor Augen, dass zu seinem Schutze der kindliche Zeuge oder das Opfer sexuellen Missbrauchs außerhalb des Gerichtssaales vernommen…
