Keine Einigung im Bahn-Tarifkonflikt in Sicht

Frankfurt (Reuters) - Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn zeichnet sich auch nach Beginn der zweiten Verhandlungsrunde keine rasche Einigung ab.

Die Bahn hatte zwar ein neues Angebot mit besseren Arbeitsbedingungen für die knapp 150.000 Beschäftigten vorgelegt. Dieses stieß bei den Gewerkschaften am Donnerstag jedoch auf wenig Gegenliebe, zumal das Unternehmen weiter bei der angebotenen Lohnerhöhung von einem Prozent blieb. Der Chef der größten Bahn-Gewerkschaft Transnet, Alexander Kirchner, sprach von einer "schwierigen Ausgangssituation". Über mögliche Warnstreiks will die Gewerkschaft am Freitag entscheiden.

Auch die konkurrierende Lokführergewerkschaft GDL bezeichnete das Angebot der Bahn als unzureichend. "Wenn Sie das sehen, dann wissen Sie nicht, was sich verändert hat", sagte GDL-Chef Claus Weselsky. Dennoch zeigte er sich offen für eine Verständigung. "Wir sind bereit, unsere prozentuale Forderung in den Verhandlungen einem Kompromiss zuzuführen." Die GDL fordert für die rund 12.000 Lokführer eine Gehaltserhöhung von 6,5 Prozent.

Um voranzukommen, müsse sich der Arbeitgeber nun deutlich auf die Gewerkschaft zu bewegen, sagte Weselsky. Sollte dies nicht der Fall sein, "dann wird uns nichts anderes übrigbleiben, als mit unseren Mitgliedern in die Vorbereitungen für einen Arbeitskampf zu gehen", sagte Weselsky. Die Gewerkschaft will jedoch frühestens Anfang Februar mit dem Auslaufen der Friedenspflicht zu Streiks aufrufen.

Eine deutlich höheres Gehaltsplus als die Lokführer hat sich die Tarifgemeinschaft aus Transnet und der kleineren GDBA zum Ziel gesetzt. Sie will für ihre Mitglieder eine Lohnerhöhung von zehn Prozent und bessere Arbeitsbedingungen erstreiten. Das Angebot der Bahn bedeute jedoch teilweise eine Verschlechterung im Vergleich zu den derzeitigen Arbeitszeiten der Beschäftigten, sagte Kirchner.

Um den Druck auf das Unternehmen zu erhöhen, haben Transnet und GDBA ihre Tarifkommissionen bereits für Freitag zu einer Sitzung geladen. "Je nachdem mit welchem Ergebnis wir heute aus den Verhandlungen rauskommen, wird die Tarifkommission entscheiden, ob wir möglicherweise Aktionen, Warnstreiks machen müssen", sagte Kirchner. Diese könnten noch im Januar stattfinden, sagte GDBA-Vizechef Heinz Fuhrmann.

Die Bahn verhandelt mit beiden Tarifparteien parallel, aber in getrennten Räumen.



Quelle: Reuters (22. Januar 2009)

  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Germany , Frankfurt , Western Europe , Europe , German General News , Domestic Politics , Central And Eastern Europe , German Equities , Business Activities , Labour; Employment; Unemployment , Gewerkschaften , Kirchner , Gdl , Industrials , Rail And Road - Freight , Road And Rail

Erschienen 22. Januar 2009 bei http://www.reuters.com.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Bahn-Tarifgespräche vertagt

Reuters | 23. Januar 2009Frankfurt (Reuters) - Die Tarifgespräche bei der der Deutschen Bahn sind vertagt worden. Die Tarifpartner hätten eine weitere …

Gewerkschaften drohen Bahn mit Warnstreiks

Reuters | 23. Januar 2009Frankfurt (Reuters) - Die Gewerkschaft Transnet droht der Deutschen Bahn mit Streiks. "Wenn die Bahn nicht in den nächsten Ve…

Annäherung in Bahn-Tarifkonflikt nicht in Sicht

Reuters | 30. Januar 2009Frankfurt (Reuters) - Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn ist keine Annäherung in Sicht. Die Gewerkschaften wiesen ein ne…

Annäherung in Bahn-Tarifkonflikt - Neues Angebot

Reuters | 31. Januar 2009Frankfurt (Reuters) - In den festgefahrenen Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn ist nach einem neuen Angebot des Unternehmens …

Bahn-Gewerkschaften fordern deutlich besseres Angebot

Reuters | 30. Januar 2009Frankfurt (Reuters) - In Frankfurt hat am Freitag die vierte Runde der Tarifverhandlungen bei der Deutschen Bahn begonnen. Da…

Einigung im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn

Reuters | 1. Februar 2009Frankfurt (Reuters) - Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn gibt es eine Einigung. Bahn und Gewerkschaften hätten sich für …

Gewerkschaften drohen Bahn mit Abbruch der Tarifverhandlungen

Reuters | 30. Januar 2009Frankfurt (Reuters) - Die Bahn-Gewerkschaften Transnet und GDBA haben der Deutschen Bahn im laufenden Tarifkonflikt eine Frist …

Bahn-Gewerkschaften planen am Donnerstag Warnstreiks

Reuters | 27. Januar 2009Frankfurt (Reuters) - Bahnreisende in Deutschland müssen sich am Donnerstag auf Behinderungen einstellen. Die größte Bahngewe…

Transnet geht mit Zehn-Prozent-Forderung in Bahn-Tarifrunde

Reuters | 1. Dezember 2008Berlin (Reuters) - Die größte Gewerkschaft Transnet geht mit der Forderung nach zehn Prozent mehr Lohn in die anstehende Tarifr…

Bei Bahn und Lufthansa drohen erneut Streiks

Reuters | 23. Januar 2009Frankfurt (Reuters) - In den Tarifkonflikten bei Lufthansa und der Deutschen Bahn stehen die Zeichen auf Streik. Reisende in …