Keine Bindung im Strafprozess an “Informelle Verständigungen”

Der Bundesgerichtshof (1 StR 274/11) sieht sich zu einem Hinweis gezwungen:

“Informelle Verständigungen” widersprechen der Strafprozessordnung. Zwar ist es zulässig, auch schon vor Eröffnung des Hauptverfahrens Erörterungen zur Vorbereitung einer Verständigung zu führen (vgl. Meyer-Goßner, StPO, 54. Aufl. § 202a Rn. 2). Solche Gespräche können – bei gründlicher Vorbereitung auf der Basis der Anklageschrift und des gesamten Akteninhalts – im Einzelfall sinnvoll sein. Sie lösen aber weder eine Bindung des Gerichts an dabei in Aussicht gestellte Strafober- oder -untergrenzen aus, noch kann durch sie ein durch den fair-trial-Grundsatz geschützter Vertrauenstatbestand entstehen (vgl. BGH, Beschluss vom 14. April 2011 – 1 StR 458/10; BGH, Beschluss vom 6. Oktober 2010 – 2 StR 354/10; BGH, Beschluss vom 4. August 2010 – 2 StR 205/10). Die Annahme einer solchen Bindung ist rechtfehlerhaft und könnte u.U. sogar den Bestand eines Urteils gefährden.

Sprich: Szenen wie aus amerikanischen (und leider auch manchen deutschen) Filmen, in denen mit der Polizei oder einem Vertreter der Staatsanwaltschaft ein Gestän…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Polizei , Deal , Strafprozess , Verständigung
Rechtsgebiet: Strafrecht

Erschienen 2. September 2011 auf http://www.ferner-alsdorf.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Keine Bindung im Strafprozess an “Informelle Verständigungen”

Anwaltskanzlei Ferner Alsdorf | 2. September 2011 — Der Bundesgerichtshof (1 StR 274/11) sieht sich zu einem Hinweis gezwungen: “Informelle Verständigungen” widersprechen der …

Es gibt keinen Deal…

Heymanns Strafrecht Online Blog | 15. August 2011 — darauf weist der BGH, Beschl. v.12.07.2011 - 1 StR 274/11 noch einmal ausdrücklich hin, allerdings ohne das Wort “Deal” zu v…

BGH: Keine Bindung an eine informelle Verständigung

RA Dr. Böttner | 11. November 2011Steuerhinterziehung / Verständigung / Verfahrensabsprache BGH, Beschluss vom 12.07.2011, Az.: 1 StR 274/11 Das Landgericht

Strafuntergrenze/Strafobergrenze bei der Absprache: Alternativ oder immer kumulativ

Heymanns Strafrecht Online Blog | 17. November 2010 — Der gerade veröffentlichte Beschluss des BGH v. 08.10.2010 – 1 StR 347/1 – beschäftigt sich mit der Strafunter- und Strafober…

Bei einer unwirksamen Kündigung des Vermieters muss dieser dem Mieter den Schaden ersetzen

www.rechtsklarheit.de | 11. November 2009 — Der Vermieter begeht eine schuldhafte Vertragsverletzung, wenn er dem Mieter kündigt und er hätte erkennen können,…

Bindungswirkung einer tats??chlichen Verst??ndigung

Rechtslupe | 10. Dezember 2008 — Eine tats??chliche Verst??ndigung im Steuerfestsetzungsverfahren ist nicht schon deshalb unwirksam, weil sie zu einer von einem…

BGH: Ist doch egal, was der Vorsitzende der Strafkammer dem Verteidiger am Telefon verspricht...

beck-blog | 7. Februar 2012 — Natürlich sind Telefonate zwischen den Verfahrensbeteiligten im Strafprozess normal. Der BGH hatte jetzt einen Fall, bei dem de…

“Sturmreifschießen der Bastion/des Gerichts” wird schwieriger

Heymanns Strafrecht Online Blog | 19. November 2010 — In seinem Beschl. v. 6. 10. 2010 – 2 StR 354/10 - hat der BGH sich noch einmal (vgl. dazu schon StRR 2010, 382) mit der Bindu…

(Strafverteidiger Berlin) BGH vom 11.1.2011: Aufhebung und Einstellung wegen fehlendem Eröffnungsbeschlusses auch bezüglich des ni…

Strafverteidigung | 4. Februar 2011 — Ein fehlender Eröffnungsbeschluss stellt ein endgültiges, nicht mehr behebbares Verfahrenshindernis dar. Zwar kann er noch i…

Schuldspruch darf nicht Gegenstand eine Verständigung sein

Anwalt bloggt | 21. März 2011 — Allein die unzulässige Verständigung über den Schuldspruch führt nicht zu einem Verbot, das auf Grund der Verständigung abgeg…