Kein Verweis auf Versorgung mit unzureichenden Festbetragshörgeräten für Hörgeschädigte durch Krankenkassen

Das Bundessozialgericht – B 3 KR 20/08 R – hat entschieden, dass sich Hörgeschädigte von ihren Krankenkassen nicht auf billigere Festbetragshörgeräte verweisen lassen müssen. Die Festbeträge müssen an dem orientiert werden was derzeit technisch möglich ist. Die Festbeträge sind daher zu korrigieren.

Viele hörbehinderte Menschen wünschen digitale Hörgeräte, die analogen Hörgeräten überlegen, aber meistens auch teurer sind. Unter welchen Voraussetzungen und in welcher Höhe die Krankenkasse die Kosten für ein digitales Hörgerät zu tragen hat und ob sie ihre Leistungspflicht auf einen die Kosten der Versorgung unter Umständen nicht vollständig abdeckenden Festbetrag begrenzen kann, ist nunmehr höchstrichterlich abschließend geklärt. Der 3. Senat des Bundessozialgerichts hat heute entschieden, dass die Krankenkasse für die medizinisch notwendige Versorgung eines nahezu ertaubten Versicherten mit einem digitalen Hörgerät über den bereits übernommenen Teilbetrag von 987,31 Euro hinaus auch die restlichen Kosten in Höhe von 3.073 Euro zu tragen hat. Zum Ausgleich von Hörbehinderungen haben die Krankenkassen für die Versorgung mit solchen Hörgeräten aufzukommen, die nach dem Stand der Medizintechnik die bestmögliche Angleichung an das Hörvermögen Gesunder erlauben und gegenüber anderen Hörhilfen erhebliche Ge­brauchsvorteile im Alltagsleben bieten. Daran müssen auch die Festbeträge der Krankenkassen ausgerichtet werden. Demzufolge begrenzt der für ein Hilfsmittel festgesetzte Festbetrag die Leistungspflicht der Krankenkasse dann nicht, wenn er für den Ausgleich der konkret vorliegenden Behinderung objektiv nicht ausreicht. Das beurteilt sich nach den Versorgungsanforderungen der jeweils betroffenen Gruppe von Versicherten, hier der etwa 125.000 Personen mit einem Hörverlust von nahezu 100%. Sie konnten zur Überzeugung des Bundessozialgerichts mit den für Baden-Württemberg im Jahr 2004 geltenden Festbeträgen nicht ausreichend versorgt werden.

Angewandte Vorschriften:

§ 33 Abs 1 Satz 1 SGB V

Versicherte haben Anspruch auf Versorgung mit Hörhilfen, Körperersatzstücken, orthopädischen und anderen…

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Krankenkassen

Erschienen 29. Dezember 2009 auf http://www.anwalt-kiel.com.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Krankenkasse darf Hörgeschädigte nicht auf Versorgung mit unzureichenden Festbetragshörgeräten verweisen

Anwaltskanzlei Ferner Alsdorf | 13. Januar 2010 — Viele hörbehinderte Menschen wünschen digitale Hörgeräte, die analogen Hörgeräten überlegen, aber meistens auch teurer sind. Un…

Festbeträge für Hörgeräte sind rechtswidrig

Schlosser Aktuell | 19. Dezember 2009 — Das Bundessozialgericht hatte über die Frage zu entscheiden, ob sich jeder Hörgeschädigte seitens der Krankenkassen bei der Ans…

Festbetragshörgeräte

Rechtslupe | 29. Dezember 2009 — Eine gesetzliche Krankenkasse darf Hörgeschädigte nicht auf Versorgung mit unzureichenden Festbetragshörgeräten verweisen. Dies…

Hörgeräte: Festbeträge sind rechtswidrig

Medrecht-Blog | 19. Dezember 2009 — Festbeträge für Hörgeräte sind nicht zulässig. Dies hat das Bundessozialgericht entschieden. Der 3. Senat hat die gesetzliche …

Hörgeräte Kostenübernahme Krankenkasse: Und wieder: Krankenkasse zur Kostenübernahme für volldigitale Hörgeräte verurteilt

Medrecht-Blog | 2. Dezember 2009 — Hörgerät: Welche Kosten übernimmt eine Krankenkasse? // Photo: es.war.einmal... über photocase.de Bei der Versorgung mit Hörg…

Anspruch auf volle Kostenerstattung für digitales Hörgerät

Anwälte am Spittelmarkt | 25. August 2010 — Schwerst hörgeschädigte Menschen können nicht auf den von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) festgelegten Festbetrag fü…

Hörgeräte: Die Reaktionen der Krankenkassen auf das Urteil

Medrecht-Blog | 6. April 2010 — Hörgeräte und kein Ende. Bereits mehrfach haben wir über die Frage berichtet, ob die Krankenkassen Kosten über den Festbetrag …

Blinde ohne Anspruch auf GPS-System

Finkeldei Online - Blawg | 27. Juni 2009 — Das Bundessozialgericht hat mit Urteil vom 25. Juni 2009 (Az. B 3 KR 4/08 R) entschieden, dass ein Blinder von seiner Krankenka…

Trink Und Sondennahrung: Sozialrecht: Medizinisch notwendige Trink- und Sondennahrung müssen die Krankenkassen tragen

Recht und Alltag | 14. November 2005 — Ein Patient, der aus zwingenden medizinischen Gründen auf Flüssignahrung angewiesen ist, hat Anspruch auf Übernahme der Kosten dur…

Hörgeräteentscheidung: Zur Hörgeräteentscheidung des BSG: Was ist mit Zusatzgeräten?

Roßkopf & Langhans | 5. Februar 2010 — Im Dezember hatte ich ja über diese Entscheidung des Bundessozialgerichts berichtet, wonach digitale Hörgeräte ohne Rücksicht…