Kein Schutz nirgends, Ehrenmord oder Justizskandal?

Mit dem Rummel um das Büchlein “Kein Schutz - nirgends” ist die Strategie einer jungen Rechtsanwältin aus Düsseldorf und ihrer Berufsberaterin - der eigentlichen Autorin - oder die Strategie des hinter ihnen stehenden Buchverlages aufgegangen. Thema des Buchs: Ehrenmord und Justizskandal am Beispiel des noch nicht rechtskräftig verurteilten “Doppelmörders” Erol P. Als Verteidiger - auch des hier in Rede stehenden angeblichen “Ehrenmörders” - bin ich für jede berechtigte Kritik an der Justiz dankbar. Als Verfechter des Rechtsstaates vertrete ich die Null-Toleranz-These gegenüber menschenfeindlichen Gesinnungen jeder Art und ja, es gibt verabscheuenswürdige Ehrenmorde - auch in Deutschland, die auch mit kulturellen Unterschieden nicht zu rechtfertigen sind und denen mit allen gesellschaftspolitischen Mitteln und der Strenge des Gesetzes zu begegnen ist. Es handelt sich um ernste und komplexe Themen. Als unmittelbarer Prozessbeobachter aber bin ich erstaunt darüber, wie undifferenziert Medien und Presse sich im vorliegenden Fall haben einspannen lassen; wie undifferenziert Fakten missachtet wurden und ein tragischer Sachverhalt auf ungeprüften Zuruf der Buchautorinnen zum “Ehrenmord” und “Justizskandal” in den Medien umgebogen wurde. Bestes Beispiel hierfür ist der Artikel “Dunkles Kapitel unter Verschluss” von Tom Fugmann unter Kulturzeit www.3sat.de., indem von einem “Insiderbericht aus einer Parallelwelt” gesprochen wird, die es wohl auch tatsächlich gibt. Nur hat der in Rede stehende Fall damit nichts zu tun und die Behauptungen sämtliche weiblichen Protagonisten des Buches seien zwangsverheiratet und stünden sich einem feindlichen Familenclan gegenüber, klingt zwar reißerisch, entspricht aber schlicht weg nicht der Wahrheit. Man bekommt als informierter Leser den Eindruck, man befinde sich in einer Parallelwelt der Presseberichterstattung, in der Journalisten, die offenbar den Prozess nicht verfolgt haben oder ihm nicht folgen konnten, ihre “Wahrheit” nach populistischen Lesererwartungen zusammen basteln. Auch wenn sich diese Themen so besser verkaufen lassen als ein “normaler Mordprozess” - der ernstzunehmenden Auseinandersetzung mit der Sache und auch den Opfern sind sie damit nicht gerecht geworden. Der Buchverlag und die Autorinnen werden dieser Art der Berichterstattung danken. Zum Hintergrund des Buches: Die Mitautorin und Rechtsanwältin vertrat zunächst die Ehefrau des türkisch-stämmigen Erol P. in einem erbitterten Sorgerechtsverfahren bezüglich der beiden minderjährigen Kinder. Erol P. war zwar mit einer Scheidung einverstanden, nicht aber damit, dass ihm sein Sorge- und Umgangsrecht von seiner Ehefrau beschnitten wurde. In einer Anhörung der beiden Kinder durch eine Mitarbeiterin des Jugendamts äußerte der kleine Sohn, er wolle bei dem inzwischen in den Niederlanden lebenden Vater wohnen. Auch die Tochter erklärte, den Papa zu lieben und regelmäßig sehen zu wollen. Die familiengericht…

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Themen: Rede , Kein Schutz Nirgends

Erschienen 22. Mai 2008 auf http://www.strafblog.de.

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