Kein Online-Verkauf hochwertiger Markenartikel?!

Hersteller verpflichten ihre Fachhändler mitunter für den Verkauf hochpreisiger Markenware im Internet dazu bestimmte Vorgaben des Herstellers zu erfüllen. Richtet ein Hersteller von hochpreisiger Markenware ein solches sog. "selektives Vertriebssystem" ein, verstößt er nach Ansicht des LG Mannheim nicht gegen wettbewerbs- und kartellrechtliche Vorschriften. Dem steht die Gefahr einer unzulässigen Kundenbeschränkung entgegen, die sachlich nicht gerechtfertigt ist, wenn der markeninterne Wettbewerb verringert und der Markt aufgeteilt wird, was vor allem der Preisdiskriminierung Vorschub leisten kann. Unbeschadet der Möglichkeit des Lieferanten, gegebenenfalls Höchstpreise festzusetzen oder Preisempfehlungen auszusprechen, sind daher an die Beschränkungen des Vertriebshändlers in deren Online-Vertrieb strenge Maßstäbe zu setzen wie auch der vom LG Mannheim mit Urt. v. 14.03.2008 - 7 O 263/07 - entschiedene Fall zeigt: Die Parteien stritten darum, ob der beklagte Hersteller der Klägerin als bisher "zugelassenem Vertriebspartner" den Verkauf von Schulranzen und -rucksäcken über die eBay-Internetplattfom untersagen und im Fall eines Verstoßes die Belieferung des Vertriebspartners einstellen darf. Der Händler ist bereits in der Vergangenheit vom Hersteller beliefert worden, dann aber unter Berufung auf die Auswahlkriterien vom Stand Mai 2007 nicht mehr; vielmehr untersagte der Hersteller allgemein den Verkauf über die eBay-Plattform. Das LG Mannheim gab dem Hersteller Recht: Die Auswahlkriterien unterfallen nicht dem Verbot des § 1 GWB, sondern stellen ein System vertraglicher Abreden dar, die den Gegenstand eines "selektiven Vertriebsvertrages" sind. Bei einem solchen "selektiven Vertrieb" handele es sich um "(...) eine Form des Warenabsatzes, bei der die Hersteller bestimmte Anforderungen an die Verkaufsstätten stellen und diese Kriterien durchsetzen. Sowohl die Fachhandelsbindung (...) als auch die Rahmenbedingungen für den Internetverkauf in Ziffer 10 stellen ebenso wie die übrigen Kriterien qualitative Kriterien für den Verkauf dar. Solche Einschränkungen (...) sind dann keine Wettbewerbsbeschränkung i.S. des § 1 GWB, wenn die Auswahl der Wiederverkäufer an objektive Gesichtspunkte qualitativer Art anknüpfen, die sich auf die fachliche Eignung des Wiederverkäufers, seines Personals oder seiner sachlichen Ausstattung beziehen und diese einheitlich und diskriminierungsfrei angewendet werden. (...)" Die Mannheimer Richter sahen diese Voraussetzungen als vom Hersteller erfüllt an, insbesondere stellen die Schulranzen und -rucksäcke eher hochpreisige Produkte dar, die als Markenprodukte entwickelt und mit Werbeaufwand vermarktet werden. So heißt es im Urteil ausdrücklich: "(...) es handelt sich jedoch um Produkte, die in besonderer Weise auf die Qualität (Strapazierfähigkeit, …

» Vollständiger Artikel
  • Infos zum Artikel
  • Kommentare
  • Ähnliches

Themen: Mannheim
Rechtsgebiet: Wettbewerbsrecht

Erschienen 20. Juni 2008 auf http://blog.mein-recht-im-netz.de.

Sie haben eine Meinung zum Thema? Artikels kommentieren
Artikel kommentieren

Hersteller dürfen Verkauf hochwertiger Markenware auf eBay verbieten

Kanzlei Dr. Schenk | 7. März 2011 — Nach dem Urteil des Landgerichts Mannheim vom 14.03.2008, Az. 7 O 263/07 dürfen Produzenten von Markenartikeln den Handel mit…

Olg Karlsruhe Ebay: OLG Karlsruhe: Hersteller darf Händler den Verkauf von Markenprodukten per eBay-Auktion verbieten

Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 26. November 2009 — OLG Karlsruhe, Urteil vom 25.11.2009, Az. 6 U 47/08 Kart. §§ 1, 2 Abs. 2 S. 1, 19, 20, 33 GWB, EG-Gruppenfreistellungsveror…

LG Mannheim: Hersteller von Schulranzen ist berechtigt den Vertrieb über die Auktionsplattform eBay zu verbieten

Beckmann und Norda Rechtsanwälte Bielefeld | 19. April 2008 — Das LG Mannheim hat mit Urteil vom 14.03.2008 - 7 O 263/07 Kart entschieden, dass der Hersteller von hochwertigen Schulranzen bere…

OLG Karlsruhe: Beschränkung des Onlinevertriebs für Markenprodukte

DLA Piper Technology and Sourcing Blog | 26. März 2010 — Nach einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Karlsruhe (25.11.2009, Az. 6 U 47/08) sind Produzenten von Markenartikeln berech…

eBay: Verkaufsverbot ist wettbewerbswidrig

IT-Rechtsinfo | 5. Dezember 2010 — Der Hersteller der Schulranzen mit der Marke „Scout“ hat einem seiner Vertragshändler den Vertrieb der Produkte über die Plattform…

Selektives Vertriebssystem: Selektives Vertriebssystem ist keine Diskriminierung

Handakte WebLAWg | 24. April 2008 — In einem aktuellen Urteil (Az. 7 O 263/07 Kart) vom 14.03.2008 hat das LG Mannheim entschieden, dass ein Markenartikel-Herste…

OLG Karlsruhe: Lieferstopp des Markenerstellers gegenüber einem eBay-Händler

Bösel, Kohwagner & Kollegen | 11. Dezember 2009 — Ein Markenhersteller kann bei Vorliegen bestimmter Voraussetzungen seinen Vertriebspartnern untersagen, Produkte über Interne…

Ausschluss des Verkaufs über Internet-Auktionsplattformen im selektiven Vertriebssystem

IT-Recht Kanzlei - Nachrichten | 21. März 2011 — Kann der Hersteller eines Produkts in einem selektiven Vertriebssystem den zugelassenen Händlern den Verkauf des Produkts über …

LG Berlin: Scout-Produkte doch bei eBay

Dr. Damm & Partner Rechtsanwälte | 29. April 2009 — LG Berlin, Urteil vom 21.04.2009, Az. 16 O 729/07 §§ 1, 2 Abs. 2 S. 1, 33 GWB Das LG Berlin hat erneut, diesmal im Hauptsac…

LG Mannheim: Markeninhaber kann Vertrieb von Waren über eBay verbieten

Dr. Bücker Newsfeed | 30. Mai 2008 — Das Landgericht Mannheim hat mit Urteil vom 14.03.2008, Aktenzeichen – 7 O 263/07 – entscheiden, dass der Hersteller von Schulranz…