Kein Europäer sonst da

Fritz Gelowicz hat die Hosen runter gelassen. Anders kann man den Beginn seiner Aussage nicht bezeichnen. Fast exakt eine Stunde lang hat er die Geschehnisse aus seiner Sicht zusammengefasst. Er saß auf dem Zeugenstuhl, seine Anwälte Hannes Linke und Dirk Uden links und rechts neben ihm. Zuvor hatte das Gericht noch einmal die umfangreiche Aussage gelobt. Los ging die Schilderung von Fritz Gelowicz mit einer Pilgerreise nach Mekka (Hadsch) 2004. Gekommen ist er bis zur Terrorausbildung in Pakistan. Gleich wird er (in der Zusammenfassung) auf Atilla Selek und Daniel Schneider treffen. Vorher: Mittagspause.

Die Schilderung von Fritz Gelowicz begann mit der Pilgerreise: In Mekka habe er sich 2004 mit Atilla Selek getroffen, den er schon kannte (beide kommen aus Ulm). Mit Atilla habe er auch Adem Yilmaz und Dana B. kennengelernt. Zunächst nur flüchtig, später habe ,man sich wieder in Medina getroffen und vereinbart, in Kontakt zu bleiben. In Deutschland hätten Atilla Selek, Adem Yilmaz und er (Fritz Gelowicz würde es gegen Knigge andersherum formulieren „ich und Adem und Atilla“) dann beschlossen, in den Jihad zu ziehen. Adem Yilmaz sollte das organisieren.

Einige Zeit später kam wirklich eine Mail: „Bist Du bereit?“ Habe Adem gefragt – und er sei bereit gewesen. Zunächst ging es nach Syrien, um arabisch zu lernen. Dann hatte Adem einen Weg in en Kampf gefunden und Fritz flog von Damaskus aus zu ihm nach Istanbul. Doch dann ging es nicht, wie zuerst gedacht, nach Tschetschenien. Ihr Ziel war die Region Mir Ali in Waziristan, dort machten sie eine Terrorausbildung. Schießunterricht, Sicherheitsunterricht. Dazwischen wurde gebetet und der Koran gelesen.

„Etwas kam mir bald komisch vor“, sagte Gelowicz: „Viele Dinge, die wir lernten betrafen einen Anschlag in Europa. Nicht den Kampf dort“. Doch er fragte nicht nach. „Wer fragt, macht sich verdächtig“, erklärte er ein Jihad-Prinzip. Deshalb habe er nie nachgefragt. Das BKA habe ihm bestätigt, das sei ein wichtiges Prinzip und heiße beim BKA „Kenntnis nur wenn nötig“.

Bald aber sei der Moment gekommen, an dem er gefragt wurde, ob er in Europa einen Anschlag verüben würde. „Das sei leichter, als bei James Bond“, habe man ihm gesagt. Mit Adem Yilmaz habe er daraufhin beschlossen: „Wir machen das. Weil es keinen anderen gibt“. Sie seien nämlich die einzigen Kämpfer aus Deutschland oder Europa gewesen. Auch Al Qaida hätte niemand gehabt, „wenn sie je…

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Themen: Tschetschenien , Komisch , Istanbul , Jihad , Mekka , Daniel Schneider , Fritz Gelowicz , Yilmaz , Uden , Adem Yilmaz , Atilla Selek , Selek

Erschienen 10. August 2009 auf http://www.swr.de/blog/terrorismus.

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