Kauder für gleichen Lohn für Leiharbeiter und Festangestellte

Berlin (Reuters) - Unions-Fraktionschef Volker Kauder hat die Wirtschaft aufgerufen, dem Beispiel der Stahlindustrie zu folgen und Leiharbeitern und Festangestellten den gleichen Lohn zu zahlen.

"Ich wünsche mir, dass die Tarif-Vereinbarung in der Stahlindustrie auch in anderen Branchen Schule macht", sagte der CDU-Politiker dem "Hamburger Abendblatt" (Montagausgabe). Zugleich regte er einen Mindestlohn für die Zeitarbeitsbranche an. Wenn sich im kommenden Jahr die Grenzen für Arbeitskräfte aus den osteuropäischen EU-Ländern öffne, dürfe es kein Lohndumping geben, begründete er seinen Vorstoß.

Die Tarifparteien der nordwestdeutschen Stahlindustrie hatten vergangene Woche neben einer Lohnerhöhung um 3,6 Prozent vereinbart, dass Leiharbeitern die gleichen Stundenlöhne wie Festangestellten gezahlt werden.

Die IG Metall kündigte an, gleichen Lohn für gleiche Arbeit auch bei der nächsten Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie einzufordern. Der Stahl-Abschluss werde Konsequenzen haben. "Das Thema liegt auf dem Tisch. Von diesem Tisch kann es niemand mehr herunterziehen", sagte IG-Metall-Vize Detlef Wetzel dem "Spiegel". Die Gewerkschaft habe gezeigt, dass sie das mit gut organisierten Belegschaften tariflich regeln könne.

Der Anteil der Leiharbeiter liegt in der Stahlindustrie bei etwa bei drei Prozent, dies entspricht rund 3000 Beschäftigten. In der Metall- und Elektroindustrie, einem Schlüsselzweig der deutschen Wirtschaft, gab es in Boomzeiten Mitte 2008 rund 235.000 Leiharbeiter. Die Quote lag bei über sechs Prozent. In der Rezession Mitte vergangenen Jahres fiel die Zahl auf 130.000. Im Zuge des Aufschwungs dürften es nach Einschätzung der Arbeitgeber inzwischen wieder mehr geworden sein. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hat bereits angekündigt, dass die Übernahme der Leiharbeiter-Tarifregelung aus der Stahlindustrie zu Stellenabbau führen würde. Gut jeder fünfte Metall- und Elektrobetrieb will auf Zeitarbeit verzichten, sollten Leiharbeiter von Anfang an den gleichen Lohn bekommen wie Stammkräfte, wie aus einer Gesamtmetall-Umfrage vom Frühjahr 2010 hervorgeht. Sollte es zu diesem sogenannten "Equal Pay" kommen, wollen fast die Hälfte der Firmen Zeitarbeit runterfahren.

Für die Arbeitgeber gilt das Instrument als unverzichtbar, da Betriebe damit flexibel auf unterschiedliche Kapazitätsauslastungen reagieren könnten.



Quelle: Reuters (3. Oktober 2010)

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Themen: Berlin , Germany , Lohn , Western Europe , Europe , Politiker , Hamburger Abendblatt , IG Metall , Stahl , Steel , German Language - General , Government / Politics , Labour / Personnel , Company Events , Metal / Mining

Erschienen 3. Oktober 2010 bei http://www.reuters.com.

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