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Kassenexperten fordern wirksame Bremse für Arznei-Ausgaben

am 24.06.2008 von

Berlin (Reuters) - Angesichts knapper Finanzmittel der gesetzlichen Krankenversicherung fordern Kassenexperten wirkungsvolle Instrumente im Kampf gegen die steigenden Arznei-Ausgaben.

Die Verschreibung teurer neuer Arzneimittel ohne wirklichen Zusatznutzen müsse eingedämmt werden und die Verordnung zu hoher Mengen eines Mittels durch den Arzt bestraft werden, forderte der Bremer Gesundheitswissenschaftler Gerd Glaeske am Dienstag in Berlin bei der Präsentation des Arznei-Verordnungsreports der Gmünder Ersatzkasse.

Glaeske zufolge sind ähnlich wie bei den anderen Kassen bei der Gmünder die Ausgaben für Medikamente 2007 um acht Prozent gestiegen. Auffallend sei, dass die Menge um elf Prozent, die Zahl der verschriebenen Packungen aber nur um sechs Prozent zugenommen habe. Dies zeige, dass die Ärzte zunehmend preiswerte Großpackungen verordneten, von denen ein Großteil ungenutzt bleibe.

Der Experte sprach sich dafür aus, bei Rabattverträgen zwischen Kassen und Pharmafirmen Mengenprüfungen nicht komplett wegfallen zu lassen. Unnötige Verordnungsmengen der Ärzte müssten sanktioniert werden. Weitere Einsparungen böten sich bei neuen Präparaten ohne erkennbaren Zusatznutzen.

Laut Gmünder-Chef Rolf-Ulrich Schlenker nimmt der Zuwachs bei den Arznei-Ausgaben weiter zu. In den ersten fünf Monaten habe er zehn Prozent betragen. Dieser Ausgabenposten wie auch die höheren Aufwendungen für das Krankengeld seien Gründe für die Anhebung des Beitragssatzes zum 1. Juli um 0,4 Prozentpunkte. Die Gmünder-Versicherten müssen künftig 15,2 Prozent zahlen. Insgesamt wollen rund 20 Kassen ihre Sätze zur Jahresmitte anheben.

Notwendig sei die Einführung einer raschen Kosten-Nutzen-Bewertung neuer Arzneimittel, forderte Schlenker. Zudem treibe die Kassen die Sorge, dass das Kosten senkende Festbetragssystem durch die Rabattvereinbarungen zwischen Kassen und Pharmaindustrie ausgehöhlt werde. Die Hersteller setzten immer höhere Abgabepreise fest und gingen dann in die Rabattverhandlungen. Hohe Listenpreise führten aber zu höher angesetzten Festbeträgen. Auch warnte Schlenker die Politik davor, den Versandhandel mit Arzneimitteln einschränken oder verbieten zu wollen, und forderte, über eine staatliche Preisregulierung nachzudenken.

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