Gerichtskosten für ein sozialgerichtliches Vergabeverfahren
Rechtslupe | 20. Mai 2010 — Die Erhebung von Gerichtsgebühren greift in das Grundrecht der Beschwerdeführerin aus Art. 2 Abs. 1 GG ein. Art. 2 Abs. 1 GG sc…
Null Punkte für das LSG Baden-Württemberg: Das Bundesverfassungsgerichts stellt in einer gerade veröffentlichten Kammerentscheidung die Landessozialrichter in einer Weise in den Senkel, die an einen übellaunigen Korrekturvermerk unter einer missratenen Klausur erinnert.
Das LSG hatte einem Pharmaunternehmen, das bei einer Vergabe leer ausgegangen und dagegen erfolglos Beschwerde eingelegt hatte, Gerichtskosten in Höhe von 62.700 Euro aufgebrummt. Sozialgerichtsverfahren sind bekanntlich kostenfrei, aber nur für Versicherte und Leistungsempfänger. Für andere, zum Beispiel Pharmaunternehmen, verweist § 197a SGG auf das Gerichtskostengesetz. Das LSG hatte von dieser Verweisung allerdings keinen Gebrauch gemacht, sondern sich durch freihändige Rechtsfortbildung einen eigenen Weg zur Kostenfestsetzung konstruiert.
Das sollte man nicht tun. Das mag der Korrektor überhaupt nicht.
Mir scheint (ohne das überprüft zu haben), dass das LSG offenbar keinen passenden Gebührentatbestand gefunden hat und durch den kühnen Analogieschluss auf die Kostenregelungen zum Zivilprozess verhindern wollte, dass hier ein Pharmaunternehmen kostenlos Prozesse führen kann. In der Entscheidung aus Karlsruhe ist so etwas angedeutet:
Es ist nicht Aufgabe des Bundesverfassungsgerichts, das einfache Recht dahingehend zu erforschen (…). Es bedarf daher vorliegend keiner Beantwortung der Frage, ob dem Land…
» Vollständiger ArtikelErschienen 19. Mai 2010 auf http://verfassungsblog.de.
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