Augen sind keine Kameras
Datenschutzbeauftragter Online | 12. Juni 2008 — In letzter Zeit finde ich immer häufiger Vergleiche dieser Art in Diskussionen vor: Du gehst ja auch sonst auf die Strasse …
Der zweite Teil meines Freitags-Kommentars, als eigener Artikel. Ich sage hier laut und offen was sich keiner zu sagen traut: Kameras sind nicht böse. Das hätte keiner gedacht von mir.
Wie im ersten Teil geht es auch hier ein bisschen um die CDU - nur diesmal weiter unten. Ein CDU-Bürgermeister erklärte mir vor kurzem (Anlass waren Kameras auf einem Schulgelände):
Dass Kameras gut sind, erkennt man daran, dass man die Kofferbomber von Köln sowie die Attentäter aus dem Münchener S-Bahnhof nie ohne Kameras geschnappt hätte.
Auch ohne darauf einzugehen ob das überhaupt stimmt ist das derart tief gestapelt, dass ich auf diesen Nonsens schon gar nicht mehr in Diskussionen eingehe. Jemand der sich mit solchen Einfachheiten outet ist bei mir nicht mal mehr einer Diskussion würdig. Warum? Weil ich niemals die Unverschämtheit aufbringen würde, eine Schule mit einem S-Bahnhof oder einem Kölner Hauptbahnhof zu vergleichen. Ganz besonders nicht als Schulträger der entsprechenden Schule.
Klingelt es? Wenn ich darüber diskutiere, ob eine Kamera an einem Kölner HBF aufgestellt wird, wo tausende Menschen stündlich an- und abreisen, dann ist das eine andere Diskussion als die, ob ich in meinem Dorf, das nichtmal Autobahnanschluss hat, an einer Schule mit Kindern, Kameras positioniere.
Und damit sind wir beim Thema, das leider für die meisten Intellektuell zu hoch ist: Kameras sind nicht böse. Sie sind auch nicht gut. Es gilt jede einzelne Kamera, in der konkreten Situation und ihrem individuellen Umfeld zu bewerten. Fakt ist, dass es ein Unterschied ist, ob eine Kamera “nur” beobachtet, oder ob sie auch speichert. Es ist zu berücksichtigen, wann evt. Aufnahmen gelöscht werden und, gerne immer wieder vergessen, welche Auswirkungen es beim Betroffenen hat.
Wenn sich der Betroffene individuell beobachtet fühlt ist das was anderes, als wenn er in einem Kölner HBF unterwegs ist, in dem er in der Masse verschwindet und zwar weiß, dass man ihn individuell noch beobachten könnte, dies aber nur mit zusätzlichem Aufwand möglich wäre. Anders als in einem Verkaufsgeschäft mit Dutzenden Kameras, das zudem schlecht besucht ist, wo man sich schnell als Einzelperson überwacht fühlt. Wer sich hin und wieder mit älteren Herren aus der Politik unterhält, stellt schnell fest, dass die den gedanklichen Sprung vom “überwacht gefühlt” zum “Verhalten angepasst” einfach nicht auf die Reihe bekommen.
Genau dieser gedankliche Sprung ist es aber, der weitere Überlegungen aufdrängt: Wenn da jemand in seinem Büro sitzt und eine einzelne Kamera beobachtet, die als sein “verlängertes Auge” fungiert: Das wird im Regelfall nicht von Datenschützern moniert werden. Solange die Kamera keine Toilette beobachtet, ich setze hier keinen Sonderfall voraus. Doch was ist, wenn der einzelne 10 Kameras hat, 100, 1000 die er beobachtet - jede einzelne in einem korrekten Umfeld angebra…
» Vollständiger ArtikelErschienen 27. Juni 2008 auf http://www.datenschutzbeauftragter-online.de.
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