Kabinett verständigt sich auf Schweinegrippe-Impfung

Berlin (Reuters) - Die Bundesregierung hat sich auf die Details für eine Massenimpfung gegen die Schweinegrippe verständigt.

Nach der am Mittwoch vom Kabinett verabschiedeten Verordnung erhalten alle gesetzlich Krankenversicherten Anspruch auf eine kostenlose Impfung. "Der beste Schutz gegen Influenza bleibt Impfung. Deshalb haben wir entschieden, dass in Deutschland jeder, der geimpft werden will, geimpft werden kann", sagte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt in Berlin. Bei der Bundeswehr in Afghanistan wurden unterdessen über die vier bekannten Fälle keine neuen Infektionen mit der Schweinegrippe entdeckt.

Nach den Worten Schmidts gibt es in Deutschland derzeit 12.500 registrierte Fälle der Erkrankung. Täglich kämen 300 bis 500 neue Infektionen hinzu. Bisher sei die Schweinegrippe bei allen Erkrankten mild verlaufen, sagte Schmidt. Mit zunehmenden Fallzahlen steige jedoch das Risiko schwerer Erkrankungen. Auch Todesfälle seien nicht auszuschließen. Frühere Pandemien hätten zudem gezeigt, dass nach einer ersten milden Welle der Krankheit später eine zweite, stärkere Welle komme. Je mehr Menschen sich daher impfen ließen, desto besser.

Vorrangig geimpft werden sollen Angehörige von Risikogruppen wie Menschen mit Asthma, Diabetes, Herz- Kreislauferkrankungen, Fettleibigkeit oder HIV. Auch Schwangere sowie Beschäftigte von Gesundheits- und Sicherheitsdiensten sollen möglichst rasch immunisiert werden. Die Impfungen übernähmen die gesetzlichen Kassen, bei denen 90 Prozent der Bürger versichert sind, kostenlos, sagte Schmidt. Die Privatkassen wollten dies ebenso handhaben. Die Impfung koste die Kassen durchschnittlich 8,20 Euro für einen Versicherten.

Für die erste Impfwelle haben die Länder 50 Millionen Dosen beim Hersteller GlaxoSmithKline bestellt, von denen die ersten Ende September zur Verfügung stehen sollen. Da für den vollen Impfschutz zwei Spritzen notwendig sind, reicht die Bestellung für 25 Millionen Bürger. Die Kosten pro Doppel-Spritze betragen nach Schätzungen der Regierung 28 Euro, wenn die Impfungen in den Gesundheitsämtern stattfindet. Die Gesamtkosten für die Immunisierung der ersten 30 Prozent der Bevölkerung veranschlagt die Regierung auf rund 600 Millionen Euro. Die Kassen gehen von höheren Summen aus.

Als Grundlage für die Verordnung hatte sich Schmidt vergangene Woche mit den Kassen verständigt, dass diese die Kosten für die Impfung von bis zu 50 Prozent der Versicherten übernehmen, ohne deswegen Zusatzbeiträge zu erheben. Damit übernähmen die Kassen die Impfkosten für maximal 35 Millionen Menschen. Dies würde laut Regierung rund eine Milliarde Euro kosten. Wollen sich mehr Bürger in Deutschland impfen lasen, sollen Bund und Länder die zusätzlichen Kosten tragen. Über die konkrete Aufteilung verhandelt das Kanzleramt zurzeit noch mit den Ländern. Nach Regierungsangaben soll es in den nächsten Tagen eine Einigung geben. Insgesamt will Deutschland für 80 Prozent der Bevölkerung und somit für 65 Millionen Menschen Impfstoffvorräte anlegen.

Bei den deutschen Soldaten im nordafghanischen Masar-i-Scharif wurden unterdessen keine weiteren Fälle von Schweinegrippe festgestellt. Die vier bisher infizierten Soldaten würden weiter isoliert behandelt, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam. Vermutlich sei die Krankheit aus dem Land selbst eingeschleppt worden, etwa beim Kontakt mit anderen ausländischen Soldaten oder Mitarbeitern von Hilfsorganisationen. Bei anderen Nationen in Afghanistan gebe es ebenfalls Fälle von Schweinegrippe. Masar-i-Scharif ist ein logistisches Drehkreuz für den Afghanistan-Einsatz, durch das neben den deutschen Truppen auch zahlreiche andere Soldaten oder Mitarbeiter von Hilfsorganisationen ins Land kommen.



Quelle: Reuters (19. August 2009)

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Themen: Berlin , Germany , Asthma , Western Europe , Europe , German General News , Domestic Politics , Health And Medicine , Labour; Employment; Unemployment , Diabetes , Hiv , Kabinett , Ulla Schmidt , Influenza , Macro-economics , Healthcare , Healthcare Services , Pharmaceuticals (sub-industry) , Pharmaceuticals And Biotechnology

Erschienen 19. August 2009 bei http://www.reuters.com.

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