Juristische Blogs haben doch eine Chance …

es braucht nur Geduld und zähe Arbeit.

Der Kollege Krieg liefert mit seinem Beitrag sicherlich eine gute Beschreibung des gegenwärtigen Zustands.

Die bestehenden Defizite lassen sich meiner Auffassung nach in drei Punkten zusammenfassen:

1. Es fehlt an der (juristischen) Breite.

2. Es fehlt an der (wissenschaftlichen) Tiefe.

3. Es fehlt an der (nichtjuristischen) öffentlichen Wahrnehmung.

Noch kürzer zusammengefasst: Es gibt zu wenige Blogs! in Anbetracht von einigen hundertausend Juristen in Deutschland und einem sehr tiefgründigen, ausdifferenzierten deutschen Recht. Bei JuraBlogs sind gegenwärtig 391 Blogs gelistet. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es mehr als eine geringe vierstellige Zahl an deutsch(sprachig)en juristischen Blogs gibt.

Logische Konsequenz ist zunächst, dass zwangsläufig die Breite fehlt.

Das auch im Beck-Blog benannte Medien-, Internet und IT-Recht als vorrangig bearbeitetes Rechtsgebiet lässt sich noch um das Strafrecht ergänzen. Hier ist es weniger die Medienaffinität der Beteiligten sondern mehr das auch für Außenstehende spannende Thema. Gerade im LawBlog wird die geforderte Öffentlichkeit ja durchaus erreicht. Allerdings wird hier auch schon ein gewisser Zielkonflikt deutlich: Tiefgründige juristische Auseinandersetzung passt mit breiter Öffentlichkeit und hoher Bloggingfrequenz nur schwer zusammen. Entsprechend geht es dort bei den Diskussionen im Kommentarbereich zwar regelmäßig hoch her aber aus juristischer Sicht ist der Mehrwert gering.

Damit wird auch die fehlende Tiefe deutlich. Selbst in den gut vertretenen Rechtsgebieten gibt es nur wenige Blogs, die wirklich juristischen Mehrwert liefern, sei es in rechtsdogmatischer Hinsicht oder auch rein praktisch. (Eine Schilderung, warum Briefe des AG Wedding -Mahngericht- regelmäßig 7 Tage zur Beförderung brauchen, hätte durchaus auch einen gewissen Mehrwert.) Die fehlende Konkurrenz führt hier meines Erachtens dazu, dass es keinen starken Anreiz gibt, Inhalte zu liefern. Andersherum: reine Marketingblogs, die sich auf das unkommentierte Wiedergeben von Gerichtsentscheidungen beschränken, würden bei entsprechender Konkurrenz einfach nicht mehr gelesen. Ideal wäre es natürlich, wenn beispielsweise im Straf(verfahrens)recht bloggende Richter, Staatsanwälte, Strafverteidiger und Professoren aktuelle Themen durchdiskutieren würden. Damit wäre auch gegenüber den Fachzeitschriften ein echter Vorteil gegeben. Davon sind wir aber noch weit entfernt. Weitere Blogs vom Kaliber LexisNexis® Strafrecht Online Blog könnten hier wahrsc…

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Themen: Juristisches , Philosophie , Geduld

Erschienen 28. Juli 2010 auf http://www.martin-neldner.de.

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