Ist Jura das Richtige?!
minirep - Jura verstehen lernen | 7. Mai 2011 — Diese Frage lässt sich nicht einfach so pauschal beantworten, das ist klar. Natürlich muss das jeder für sich selbst entschei…
Die Arbeitslosenquote unter Akademikern, so wurde Sonntag im Presseclub behauptet, beträgt ca. 4%. Die Arbeitslosenquote der erwerbsfähigen Gesamtbevölkerung liegt bei etwa 7%, die der Nichtakademiker folglich darüber. Sollte Letztere 8% betragen, würde das bedeuten: Nichtakademiker sind doppelt so häufig arbeitslos wie Akademiker oder, andersherum gesagt, Akademiker nur halb so oft wie Nichtakademiker. Dies ist kein zwingender Grund, ein Studium aufzunehmen, aber es weist jene in ihre Schranken, die da sagen: Man solle bloß nicht studieren, denn damit werde man ja doch nur arbeitslos.
Wie aber steht es um diese (sehr weit verbreitete) Auffassung: Wenn man schon studiere, dann bloß nicht Jura, denn damit werde man ja nun wirklich zwingend arbeitslos. Selbst im Referendariat, das sich an das rechtswissenschaftliche Studium anschließt, wird einem noch von der juristischen Ausbildung abgeraten. Im Staatsdienst, so erzählte mir ganz zu Beginn eine Richterin, sei die Lage praktisch aussichtslos. Und ein Rechtsanwalt erzählte mir wenige Monate später mit ernster Miene, er habe eine Stelle ausgeschrieben, und da seien ja so unglaublich viele Bewerbungen gekommen und das aus der ganzen Republik; die Lage sei für Bewerber schlecht und eine juristische Ausbildung mithin nicht zu empfehlen. Von dem, was ich mir schon im Jurastudium alles anhören musste, will ich gar nicht anfangen.
So ganz vertraut habe ich den Unkenrufen nie, aber wie weit sie von der Realität abweichen, hat mich nach dem Referendariat dann doch überrascht. Nicht von allen Kollegen weiß ich, was aus ihnen geworden ist, aber immerhin weiß ich von keinem einzigen, der, obwohl er das zweite Examen bestanden hat, keinen Job gefunden hätte. Richter, Rechtsanwälte, Verwaltungsbeamte, Justiziare: In alle möglichen Richtungen sind meine damaligen Kollegen und ich ausgeschwärmt, der eine auf einen besseren, der andere zugegeben auf einen weniger guten Arbeitsplatz. Das Referendariat haben wir dabei inmitten der sog. Finanzkrise beendet, in der die Furcht vor Arbeitslosigkeit noch größer war, und doch hat auf jeden oder zumindest fast jeden Topf mindestens ein Deckel gepasst.
Eine glasklare Empfehlung für das Jurastudium? Jein. Im ersten Semester erzählte uns ein Professor, das beste Drittel von uns könne gar nichts arbeitslos werden. Ich schließe mich dieser Einschätzung an und gehe noch viel weiter. Aber wie in allen Bereichen hängt es vom Profil des konkreten Bewerbers ab, ob er eine Stelle bekommt und, wenn ja, welche. Zusatzqualifikationen, Promotion, Auslandserfahrung und Sprachkenntnisse, all das gereicht auch Juristen auf dem Arbeitsmarkt zum Vorteil. Von höchstem Interesse aber, offenbar weit mehr als im Durchschnitt anderer Studienfächer, sind die Noten und zwar vor allem der zweiten, aber auch der ersten juristischen Staatsprüfung. Wer hier gute Leistungen erzielt, dem stehen viele Türen offen, und er kann, was m…
» Vollständiger ArtikelErschienen 11. November 2010 auf http://katzenkoenig.net.
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