Verletzter Soldat wird Mittwoch nach Deutschland ausgeflogen
Reuters | 21. Oktober 2008 — Berlin (Reuters) - Einer der beiden bei dem Selbstmordanschlag nahe Kundus verletzten Bundeswehrsoldaten soll am Mittwoch nach …
Berlin (Reuters) - Verteidigungsminister Franz Josef Jung hat die Entschlossenheit Deutschlands bekräftigt, den Einsatz in Afghanistan trotz des tödlichen Anschlags auf die Bundeswehr fortzusetzen.
Eine Abzugsdiskussion wäre ein schwerer Fehler, warnte Jung am Dienstag in Berlin. Es gehe darum, den Terror in Afghanistan zurückzudrängen, ehe er nach Deutschland komme. Mit einer Trauerfeier wollen die Soldaten in Kundus am Mittwoch Abschied von ihren beiden getöteten Kameraden nehmen. Danach sollen die Toten und einer der beiden verletzten Soldaten nach Deutschland, voraussichtlich an ihren Standort Zweibrücken, ausgeflogen werden.
Jung drückte den Familien der Toten und Verletzten sein Mitgefühl aus und sprach von einem feigen und hinterhältigen Anschlag. Ein Selbstmordattentäter auf einem Fahrrad hatte sich am Montag neben dem Wagen der Fallschirmjäger in die Luft gesprengt, als sie eine großangelegte Suche nach Waffenlagern absicherten. Die beiden getöteten Soldaten waren 22 und 25 Jahre alt. Ein weiterer Soldat aus ihrem Bataillon war Ende August in der selben Region durch eine Sprengfalle getötet worden. Die Fallschirmjäger waren wegen der zunehmenden Angriffe als Verstärkung nach Kundus geschickt worden.
Der Zustand eines afghanischen Kindes, das bei dem Attentat lebensgefährlich verletzt wurde, stabilisierte sich unterdessen in der Obhut der Bundeswehrärzte. Fünf weitere spielende Kinder hatte der Selbstmordattentäter mit in den Tod gerissen.
Trotz der schlechten Sicherheitslage in Kundus warnte Jung vor neuen Diskussionen über einen Abzug aus Afghanistan. Ein Rückzug wäre ein schwerer Fehler und würde die Sicherheit in Deutschland gefährden, erklärte er. Drohungen der Taliban mit weiteren Anschlägen wies er zurück. Die Bundeswehr nehme die Lage ernst, Drohungen der Extremisten hätten sich aber schon früher nicht bewahrheitet. Die deutschen Soldaten seien in Kundus, um ein sicheres Umfeld für den Wiederaufbau zu schaffen. Dies würden sie weiter tun, auch wenn es mit Gefahren verbunden sei. Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan schätzte die Zahl der zu Anschlägen bereiten Taliban im Norden auf 30 bis 50.
Der designierte Grünen-Chef Cem Özdemir forderte eine Erklärung von Kanzlerin Angela Merkel zu dem Einsatz. "Die Kanzlerin muss der Bevölkerung endlich erläutern, warum unsere Soldaten überhaupt am Hindukusch sind und wie lange sie noch bleiben müssen", sagte er dem "Hamburger Abendblatt". Beim Thema Afghanistan sei Merkel bisher aber merkwürdig leise.
Der Bundeswehrverband kritisierte, dass die Soldaten nun für die Versäumnisse der Politik beim Wiederaufbau büßen müssten. Vor allem der Polizeiaufbau, für den Deutschland selbst etliche Jahre zuständig war, komme nur viel zu schleppend voran, sagte der stellvertretende Verbandschef Ulrich Kirsch Reuters TV. Auch der Grünen-Verteidigungsexperte Winfried Nachtwei bemängelte hier Versäumnisse. Die personelle Besetzung der Polizei in Kundus sei gegen den Willen des Gouverneurs in den vergangenen Wochen um 40 Prozent gesenkt worden, sagte er dem rbb. Dafür sei die Regierung von Präsident Hamid Karsai verantwortlich.
Erst in der vergangenen Woche hatte der Bundestag den Afghanistan-Einsatz verlängert und die Mandatsobergrenze um 1000 auf 4500 Soldaten erhöht. Seit Beginn des Einsatzes Anfang 2002 sind 30 deutsche Soldaten ums Leben gekommen.
Erschienen 21. Oktober 2008 bei http://www.reuters.com.
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