Jung: Werden Afghanistan-Einsatz entschlossen fortsetzen

Berlin (Reuters) - Verteidigungsminister Franz Josef Jung hat nach dem tödlichen Selbstmordanschlag auf die Bundeswehr in Afghanistan seine Entschlossenheit zur Fortsetzung des Einsatzes betont.

"Wir werden weiterhin unseren Auftrag erfüllen, weil es darum geht, den Terror in Afghanistan zurückzudrängen, bevor der Terror nach Deutschland kommt", sagte Jung am Montagabend in Berlin. Den Familien der Toten sprach er sein Beileid aus. Zuvor waren bei einem Selbstmordanschlag südwestlich von Kundus zwei 22 und 25 Jahre alte deutsche Soldaten und fünf afghanische Kinder getötet worden. Der Attentäter hatte sich ihnen nach den Worten des Ministers auf einem Fahrrad genähert.

Ein weiterer Bundeswehr-Soldat erlitt nach Jungs Worten schwere, aber nicht lebensbedrohliche Verletzungen. Ein vierter Soldat wurde leicht verletzt. Alle betroffenen Soldaten gehören zum Fallschirmjägerbataillon in Zweibrücken und waren wegen der schlechten Sicherheitslage zur Verstärkung nach Kundus entsandt worden. Bereits Ende August war ein Soldat aus Zweibrücken nahe Kundus durch eine Sprengfalle getötet worden.

Die Soldaten seien am Montag Hinweisen auf versteckte Waffenlager nachgegangen, sagte Jung. Insgesamt seien 160 deutsche Soldaten, 30 afghanische Soldaten und 20 afghanische Polizisten an dem Einsatz beteiligt gewesen. Sie hätten zunächst in einem Waldstück zwei Raketen entdeckt. Später bei der Nachsuche habe sich dann der Anschlag ereignet. Ein Fahrradfahrer habe sich in der Nähe eines mit vier Soldaten besetzten leicht gepanzerten Fahrzeugs des Typs "Mungo" in die Luft gesprengt. Die beiden Soldaten im Führerhaus seien dabei umgekommen, ihre beiden Kameraden auf der Ladefläche seien vom Wagen geschleudert worden und hätten Verletzungen erlitten. Das Fahrzeug sei in Brand geraten und darauf verstaute Munition explodiert. Ein Hubschrauber habe den schwerer verletzten Soldaten und ein schwer verletztes afghanisches Kind zur medizinischen Versorgung ins deutsche Feldlager in Kundus ausgeflogen.

Der Anschlag mache die brutale und menschenverachtende Haltung der Taliban deutlich, die sich zu der Tat bekannt hätten, sagte Jung. Zudem belege die Tat, dass die Region um Kundus sich zu einem kritischen Bereich entwickelt habe. Voraussichtlich am Mittwoch werde der Toten in Kundus mit einer Trauerfeier gedacht. Ob die Verletzten nach Deutschland ausgeflogen würden, sei noch unklar. Erst in der vergangenen Woche hatte der Bundestag den Afghanistan-Einsatz verlängert und die Mandatsobergrenze um 1000 auf 4500 Soldaten erhöht.



Quelle: Reuters (21. Oktober 2008)

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Themen: Deutschland , Berlin , Terror , Familien , Franz Josef Jung

Erschienen 21. Oktober 2008 bei http://www.reuters.com.

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